Katie Melua ohne Bilder

Maik Frantsche

Katie Meluas Marktplatz-Gig in Lörrach fiel leider in die "persönliche Woche des Pechs" von fudder-Autor Maik. Denn nachdem ihm bereits am Wochenende das Fahrrad geklaut wurde, hat ihn während des Konzerts auch seine Kamera übelst im Stich gelassen. Trotzdem hat er ein paar Eindrücke vom Donnerstagabend mitgebracht.



Eigentlich war es ein richtig schöner Abend! Das dachte ich zunächst, bis ich nach meiner Rückkehr nach Freiburg die Bilder der Speicherkarte auf den Rechner runterladen und anschauen wollte: Keine Fotos! Zumindest keine Bilder von Katie und ihrer Band - und deswegen war ich schließlich vor Ort.


Seit heute Nacht bestimmt meine schlechte Laune über die nicht zu Stande gekommenen Fotos meinen gesamten Tag. Nach dem ganzen Hickhack um den Fotozusatzvertrag mit dem meluaschen Management bin ich aufgrund der nicht vorhandenen Fotos tüchtig genervt. Gleich zu Beginn knipse ich einige Bilder von Duncan Townsend. Allen Wettervorhersagen zum Trotz knallt vor Konzertbeginn noch mal richtig die Sonne. Die Freundin in der einen Hand, das Eis in anderen, welches im Laufe der endlosen Warteschlange alsbald dem Bier weichen muss. Vorsänger Townsend legt los. Ein erfrischend natürlich wirkender junger Mann mit angenehmer Stimme und akustischem Gitarrenspiel. Ursprünglich aus Nottingham stammend, lebt er seit drei Jahren in Hamburg und, wie man hört und sieht, für die Musik. Er und seine beiden musikalischen Begleiter sorgen sowohl oben am Himmel als auch im Publikum für eitel Sonnenschein.



Während der Umbaupause merke ich, dass sich die Fotobatterien langsam aber sicher verabschieden. Also auf Sparflamme und keine Voransicht der Bilder mehr - alles auf Reserve fotografieren. Katie Melua betritt die Marktplatzbühne. Hier und da sieht man während Takt Eins und Zwei bei Teilen der weiblichen Konzertbesucher ein gerührtes Tränchen im Augenwinkel. Ich stelle mich auf Zehenspitzen um die erst 22-jährige Sängerin einigermaßen gut abzulichten und der hohen Bühne ein Schnippchen zu schlagen. Alles klappt wunderbar. Die Kamera funktioniert bestens, denke ich, und erwische ein paar richtig schöne Momente. Wunderbare Nahaufnahmen einer meiner Kamera zulächelnden Katie Melua. Sie zwinkert mir sogar direkt auf meine erst halbvolle Speicherkarte. "Super!", überlege ich, "Das vergrößere ich mir und hänge es ins Wohnzimmer!". Wann bekommt man denn sonst Gelegenheit für einen solchen Schnappschuss? Zufrieden und euphorisiert, stelle ich mich auf den Wellenbrecher und schieße einige Publikumsaufnahmen, um die riesige Menschenmasse zu dokumentieren.



Ich gehe durch das altersmäßig ziemlich durchwachsene Publikum. Müsste ich einen Durchschnittskonzertbesucher beschreiben, wäre er diesmal eher weiblich und ein Mittdreißiger. Ist aber eher schwierig, da wirklich die ganze Alterspalette zugegen ist. Hinzu kommen selbstverständlich eine ordentliche Portion der jeweils besseren Hälfte, denn bei Katie Melua ist schließlich kuscheln oder - bei diesen schwülen Temperaturen - eher Händchen halten angesagt.

Katie Melua ist süß. Daran ändern auch ihre Robin-Hood-Stiefel (vermutlich ein Mitbringsel von Duncan aus Nottingham) nichts. Bei fudder's Stilfrage würde sie dadurch vermutlich ein wenig polarisieren. Allerdings singt sie problemlos innerhalb kürzester Zeit das Ding mit den Stiefeln wieder weg. Überhaupt. Was sie heute Abend mit ihrer Stimme macht ist schon unglaublich: Wunderbar, vielfältig, schön und glücklichmachend. Überall sehe ich während und nach dem Konzert fröhlich strahlende Gesichter. Es scheint so, als hätte sie die immer wieder vereinzelt fallenden Regentropfen mit ihrer einfühlsamen und doch intensiven Stimme beiseite gesungen. Keine zehn Minuten nach Konzertende regnet es in Strömen. Langsam lichtet sich der Marktplatz und ich sehe, im Vergleich zu vorher, eine immense Zunahme der Urmarmungsdichte unter den anwesenden Pärchen. Ein Bild davon habe ich diesmal nicht gemacht. Wie auch?

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