Katharina aus Bahlingen ist als FSJlerin in Ramallah

Euch

Katharina Günther aus Bahlingen arbeitet zur Zeit als FSJlerin in Ramallah. Im Ihr-Blog gibt sie Einblick in den Alltag in einer der größten Städte des Westjordanlandes - und der ist oft ganz anders, als er in den Medien beschrieben wird:



Die Yogamatten werden ausgebreitet, wir fangen an, uns zu dehnen. Das „wir“ sind einige, sehr unterschiedliche Menschen. Junge, dynamische muslimische Frauen in meinem Alter, einige Mittzwanziger aus Europa und ein paar Frauen, die ich jede Woche hier treffe.

Im Yoga ist es wichtig, einen bestimmten Grad an Beweglichkeit und Flexibilität zu haben. Und wenn dies der Körper nicht mitbringt, kommt das mit ein bisschen Übung. Genau diese Beweglichkeit und Flexibilität brauche auch ich, um mich hier in der palästinensischen Gesellschaft integrieren zu können. Denn wie in allen Sozialstrukturen gibt es viele verschiedene Individuen, welche erst ein Lebensumfeld dynamisch gestalten. So muss ich mich überall, wo ich bin, mental bewegen, mich im Kopf dehnen.

Ich kann mich zwar nachts in einem der Clubs aufhalten, Alkohol trinken, im Kleid tanzen, muss mich aber damit befassen, dass vor der Tür, wenn ich das Gelände verlassen, auch Menschen anderer Einstellungen und Lebensweisen auf mich treffen. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, gerade, wenn man aus einer anderen Kultur stammt. Ich muss neuartigen Gedanken folgen und an mir und meinen Handlungsweisen arbeiten. 



Straßenverkäufer und verschleierte Frauen stehen an einem Kreisverkehr, genannt, al-Manara (Bild oben). Der Mittelpunkt und Hauptverkehrsort Ramallahs, eine Stadt, die oft als “politisches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Palästinas” bezeichnet wird.

Daneben rennende, spielende Kinder, ein, zwei fahrende Kaffeeverkäufer, die neuesten Autos werden zur Schau gestellt und ein abgemagertes Pferd, welches vor einen Wagen voller Tomaten gespannt wurde, wird in Richtung Suq, dem Gemüsemarkt, getrieben. Im Fitnessstudio schwitzen Mann und Frau nebeneinander auf den Laufbändern. Ein Barkeeper schenkt jemandem einen Drink ein und in meiner Lieblingskneipe erzählen sich zwei junge Frauen, wie die letzte Partynacht ausging.

Neben mir in einem Sportgeschäft rollt ein junger Mann seinen Gebetsteppich aus und beginnt zwischen all dem Trubel gen Osten zu Allah zu beten, während ich gerade nach einer neuen Hose Ausschau halte. Morgens um vier Uhr werde ich vom Ruf des Muezzins geweckt, gewöhne mich aber nach wenigen Wochen daran. Genauso, wie mir zu Hause in Deutschland die Kirchenglocken vertraut sind, welche auch hier am Sonntag zugenüge zu hören sind. Denn in Ramallah leben, im Vergleich zu anderen palästinensischen Städten, viele Christen und Christinnen, was an den vielen, verschiedenen konfessionnellen Kirchen nur unschwer zu erkennen ist.

All das ist Ramallah, die knapp 30.000 Einwohnerstadt, die 15 Kilometer nördlich von Jerusalem, der “Heiligen Stadt der drei großen monotheistischen Weltreligionen”, liegt. Ich liebe es, hier zu leben. Die Stadt steht nie still und die äußerst verschiedenen Menschen machen das Leben hier umso interessanter und intensiver.

Die Autorin



Katharina Günther ist 19 Jahre alt und kommt aus Bahlingen. Der Trägerverein ihres FSJ ist das Diakonische Werk Württemberg, da die meisten Organisationen, die Freiwillige nach Palästina entstenden, christliche Organisationen sind. Sie arbeitet dort im ETVTC (Berufsschule), in Ramallah im Büro (Administratives) und halbtags in der Day Care der dazugehörenden Grundschule (Kinderbetreuung).

Im August 2013 ist sie nach Ramallah gereist. Da ihr das Visum verwehrt wurde, musste Katharina im November wieder abreisen. Nun ist sie seit Januar wieder dort und bleibt noch bis August 2014.

Katharinas Blog

Katharina bloggt regelmäßig auf über ihren Aufenthalt.

 

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