Kate Mosh - Liebe, Musik und die Offenbarung zum Frühstück

Carolin Buchheim

Kate Mosh ist eine dieser Bands, in die und in deren Musik man sich einfach verknallen muss, schon allein der tollen mehrdeutigen Plattentitel wegen. Am kommenden Samstag treten die vier Herren aus Berlin im Rahmen der KickLife-Party im Z auf. Caro hat sich im Vorfeld von Kate-Mosh-Zweit-Gitarrist, Keyboarder und Rumschrei-Type Sebastian Cleemann nicht nur die Sache mit den Plattentiteln mal genauer erklären lassen.



Kate Mosh aus Berlin sind nicht nur die Meister des viel zu schlauen Plattentitels und danken allen, die an der Produktion ihrer CD beteiligt waren, gleich mal direkt auf dem CD-Cover, sondern schreiben vor allem detailversessene, spannende Songs voller schöner Melodien und temporeicher Wechsel. Songs zwischen wildem Auf-dem-Indie-Dancefloor-Rumgehopse und Mit-dem-Kopfhörer-im-Dunkeln-hören. Songs, in die man sich verknallt, weil sie irgendwie ein bisschen so sind, wie das Verknalltsein an sich: himmelhochjauchzendzutodebetrübt, ein bisschen verwirrend und vorallem verdammt schön.


Das Konzert von Kate Mosh, Luke und Ein Stück heile Welt im Z im Rahmen von KickLife wird ganz klar ein Highlight des Freiburger Konzert-Herbstes; Sebastian Cleemann von Kate Mosh hat im fudder-Gespräch die ohnehin schon hohen Erwartung nur noch weiter erhöht: Da sollte viel passieren, am Samstag, und tanzen wird man auch können.

Sebi, Wie würdest du den Sound von Kate Mosh einer tauben Person beschreiben.

Einer tauben Person? Oh, schwierig, schwierig. Ich glaub das würde eine sehr lange Beschreibung werden. Die Kürzeste ist die: Ich denke es passiert einfach eine ganze Menge in unserer Musik, und man kann dazu Tanzen.

Erzähl mal was zu eurem neuen Album 'Breakfast Epiphanies'!

Das neue Album ist sehr gut! (lacht)

Ja, das finde ich auch. Aber erzähl mal was über 'Breakfast Epiphanies' für Leute die das noch nicht verstanden haben!

'Breakfast Epihanies' ist ein Album, das wir im April auf Nois-o-lution rausgebracht haben, nachdem wir es im letzten Jahr mit Flo Lüning von Delbo, der ja mittlerweile durch den bezaubernden Jens Gathemann am Schlagzeug ersetzt wurde, aufgenommen haben, und gerade stellen wir dieses Album vor, indem wir damit rumtouren. Es sind elf Stücke drauf, mal schnell und mal langsam, mal laut und mal leise und wir haben sehr gute Texte dazu geschrieben. Und wie ich nicht müde werde zu betonen: Es passiert einfach eine Menge, was auch wichtig ist, zum Hören und zum Spielen.

Ich finde ihr zeigt auf Eurem Album eine große Liebe zum Detail, die für mich irgendwie aus der Post-Punk, Post-HC, Post-Irgendwas-Mentalität kommt. Ist das Zufall oder ist das so?

Es ist Zufall, und es ist auch so. Es macht einfach Spass, Songs auf diese Art zu schreiben und so mit ihnen umzugehen. Wichtig ist dabei nur, dass man weiß, wo die Grenze ist, und wann man wieder damit aufhört, damit man noch gute Lieder schreibt, und nicht nur so einen Detailreigen macht. Ich glaube schon, dass das bei uns immer ganz gut funktioniert.



Was hat das mit den ganzen Namen auf dem Cover auf sich?

Das Cover entstand nach einem Gespräch mit Stefan Guzy, der auch schon die Cover davor gemacht hat. Er kam auf die Idee, die Credits, die beim ersten Album auf der CD waren, beim zweiten Album einfach vorne rauf aufs Cover zu packen. Wir haben uns dann interessiert den Bart gerieben, und uns gedacht, 'Oh, witzige Idee!', und dann kam halt der Entwurf, der letztendlich das Cover wurde, und wir haben extrem viel darüber diskutiert. Ich war einer seiner vehemensten Verfechter, denn ich mag ihn, weil ich finde, dass er zur Musik passt: Es passiert eine ganze Menge drauf, man kann das alles auf sich wirken lassen oder man kann sich halt hinsetzen und die Informationen rausziehen. Das Cover ist halt viel Grafik, wo halt erstmal gar nicht unbedingt auffällt, dass sich da unbedingt Text und Infos hinter verbergen und genau das finde ich halt gut.

Wie kommt es eigentlich, dass Du in einer Band bist, und warum ist diese Band Kate Mosh?

Bei mir im Speziellen ist das so: Ich hab’ Kate Mosh im Prinzip als Fan kennengelernt, das war so am Anfang dieses Jahrzehnts. Ich bin halt über die Musik die ich sonst so mache, solo und im stillen Kämmerlein, an Thom geraten, und über eine Spanne von drei Auftritten, wo ich immer mehr Instrumente spielen durfte, bin ich in die zweite Gitarristen-Rumschrei-Type-Rolle reingerutscht. Das war Musik, die mir einfach damals schon wahnsinnig gefallen hat, eben weil halt viel passiert und es was ganz Eigenes ist, und eben nicht Musik die sagt 'So, okay, wir machen jetzt Musik für uns und unsere Szene', sondern eher 'Komm her, hör zu!'; Einladende Musik, die aber nicht gefällig ist, oder gefallsüchtig. So ist das dann zum Glück auch weitergelaufen, und deshalb ist das jetzt meine Band, in der ich jetzt bin.

Du hast gerade schon gesagt, dass ihr 'Breakfast Epiphanies' noch mit Flo Lüning von Delbo aufgenommen habt. Kate Mosh hatte also das Berlin-typische Schlagzeugerproblem. Jetzt sitzt Jens Gathemann hinter den Drums: Endlich zufrieden?

Total. Flo ist als Schlagzeuger halt ein Traum, und ein sehr guter Freund, aber wir hatten alle natürlich schon gemerkt, dass sich das mit Delbo halt hier und da reibt, und über kurz oder später einfach nicht weitergehen würde. Ihm war das halt am ehesten klar, weshalb er auch ziemlich deutlich gesagt hat, dass nach dem Album Schluss sei. Und dann kam Jens, und Jens war von Anfang an die Bombe, man kann’s nicht anders sagen. Wir haben eine Probe mit ihm gehabt, in der wir so gesagt haben 'Okay, lasst uns mal den und den Song probieren.' Und dann haben wir 'Clodbusting' zusammen gespielt und wir haben uns alle so gedacht 'Na, okay, nach dem zweiten Refrain machen wir mal ein kleines Päuschen und reden mal drüber', aber Jens hat das einfach so mit uns durchgerockt. Ende November war er in der Band, Ende Januar waren wir mit Sometree auf England-Tour, und so ging es halt weiter, und auf allen anderen Ebenen läuft es halt auch so super. Gute Band im Moment! (lacht)

Kate Mosh ist Teil von Sinnbus. Kannst Du mal erklären, was das genau ist?

Mittlerweile ist Sinnbus ein Label, aber ursprünglich war es einfach mal ein Zusammenschluss von Künstlern und/oder netten Leuten, die feststellten, dass sie ähnliche Ideen und ähnliche Begriffe von Kunst, Veranstaltungen und Musik hatten, und diese dann zusammen verwirklicht haben. Kate Mosh sind seit 2002 dabei; Tom und ich sind die, die am ehesten von der Band da mit drin sind, und wir haben dann angefangen das Label ernsthafter zu betreiben. Das machen wir jetzt immer noch, auch wenn unsere eigene Platte nicht mehr dort erschienen ist.



Stattdessen ist Eure neue Platte bei Nois-o-lution erschienen. Ist Euch die Entscheidung schwergefallen, nicht mehr alles selbst zu machen?

Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, aus verschiedenen Gründen, die auch in der Band reichlich diskutiert wurden, und auch nicht immer ganz nüchtern. Es war schon irgendwie ein komisches Gefühl, die eigene Idee quasi zu verraten, indem wir unser eigenes Album eben nicht mehr auf dem eigenen Label rausgebracht haben, sondern woanders hingegeben haben. Was uns aber gar nicht schwer gefallen ist, ist, jemand anderen die ganze andere, zeitraubende Arbeit machen zu lassen, die man eben hat, wenn man eine Platte macht. Das war dann eigentlich auch der springende Punkt für den Wechsel. Man kann einfach nach dem Aufnehmen und dem Mischen und dem ganzen Hassle ums Artwork eben sagen 'Pfffft! Jetzt machen wir erstmal Pause, proben, gehen dann auf Tour!' Wenn man alles selbst macht, muss man sich stattdessen hinter Telefon und Rechner klemmen und die Promo-Arbeit machen. Und Arne (Nois-o-lution Chef Arne Gesemann) ist halt auch ein Typ, dem man das gerne in die Hand gibt, cool und vertrauenswürdig. Er überredet einen nicht zu Quatsch und redet einem aber auch keinen Quatsch aus, was ich auch super finde.

Eure Platten- und Songtitel sind alle nicht nur doppel- sondern am besten gleich quadrupeldeutig. Ich will jetzt nicht die doofe Frage stellen, was das denn alles bedeutet, aber: Meinst Du, ihr habt zusammen als Band eine bestimmte eigene Art des Humors, einen besonderen Hang zum Wortspiel?

Haben wir bestimmt. Es ist halt der Spass daran, mit Bedeutungen herumzuspielen. Manchmal funktioniert das halt sehr gut, manchmal kommt halt nur ein sehr platter Wortwitz raus, und manchmal wird etwas als platter Wortwitz verstanden, obwohl es total brilliant ist. Ich bin immer noch der Meinung, dass man den ganz vielen Leuten, die am Titel des Debüts, 'Life is funfair' herumgemäkelt haben, unterstellen muss, dass sie nicht wissen, dass 'funfair' ein veritables englisches Wort ist, und nicht einfach nur ein 'f' vor dem 'unfair'. Funfair heisst 'Rummel'.

Na, jetzt wird es ja im Internet stehen, und jeder kann es googeln und dann lesen: ?Sebi stellt ein für alle Mal klar: Funfair heisst Rummel!’

Genau. (lacht)

Wo wir schon bei Bedeutungen sind: Ich finde übrigens, dass die schönste Zeile auf Eurem Album aus 'Inflammable-Flammable' ist: 'There are only two things: love and music.'

Das ist genau die Offenbarung, die im Albumtitel gemeint ist, wahrscheinlich. Auch der Albumtitel ist ja nicht nur ein Wortspiel als Anspielung auf 'Breakfast at Tiffany's' sondern er ist auch wörtlich gemeint. Frühstücksoffenbarungen. Diese Erkenntnis: 'Alles klar, so.' Ich bin in meinem alltäglichen Leben, und da kommen mir die großen Ideen, die große Einsicht: There are only two things, love and music. Punkt.

Apropos Internet: Ihr habt eine schöne Website, wo man Eure Alben und Videos streamen kann und ihr seid bei MySpace. Ist der ganze Onlinekram nur ein notwendiges Übel, oder macht das auch irgendwo Spaß und ist Euch wichtig?

Nein, Ein notwendiges Übel ist das sicher nicht nur. Wir sind aber manchmal, dass muss ich gestehen und das merkt man vielleicht auch, ein bisschen nachlässig, was die ständige Pflege der Sachen angeht.

Wie, Du verbringst nicht jede Deiner freien Minuten bei MySpace?

Ja, doch, aber nicht auf der Kate Mosh-Seite. (lacht) Ich mach es halt schon gerne, und es macht halt Spaß wenn man sieht, gerade bei MySpace, dass da jede Menge Leute rumhängen. Man ist dann zwar nur eine von vielen Bands, die da ihre Seite hat, aber es ist schon nett, eben auch, wenn Leute schreiben, dass sie ein Konzert irgendwo gemocht haben. Schau’s Dir mal an. (lacht)

Ihr bietet auf Eurer Website und auch bei Sinnbus ein paar Eurer Songs als kostenlose Downloads an. Wie ist das für Dich, wenn Du feststellst, dass Eure Songs und Alben von irgendwem gerippt wurden, und online stehen oder in Mp3Blogs gefeatured werden. Fühlst Du Dich persönlich beraubt?

Ich kann verstehen, warum die Leute das machen und hoffe oft, dass ihnen die Songs und die Platte so gut gefallen, dass sie zu unseren Konzerten kommen und letztendlich dann auch irgendwann die Platte kaufen. Letztendlich ist es natürlich schade, wenn das komplette Ding, in das man halt Arbeit gesteckt hat, so einfach für lau an jeder Ecke zu kriegen ist. Das ist nicht schön. Es ist toll, wenn das bei vielen Leuten ankommt, aber es ist halt gleichzeitig auch die Gewissheit, die an einem nagt, okay, letztendlich ist es Geld, und damit eine Sicherheit die mir fehlt, dass ich auch Morgen noch diese Musik machen kann, und nicht statt zehn oder fünfzehn Tagen im Monat, an dreissig Tagen im Monat Kartons einpacken gehe.

Wie geht’s jetzt weiter mit Kate Mosh?

Jetzt ist erstmal Album, Single und Tour angesagt, und dann werden wir bis zum Ende des Jahres mal gucken, was halt passiert. Wir sind als Band jetzt zwei Jahre wirklich auf Akkord dahinter her, dass was passiert, und so ein kleines bisschen Atemholen wär vielleicht gar nicht schlecht. Aber gleichzeitig, bei Proben, bei Soundchecks, beim Zusammenspielen, da zeichnet sich auch schon ab, dass neue Songs kommen, neue Songs im Entstehen sind, und dass es auch Spass macht und Spass machen wird die zu spielen.

Wie läuft die Tour? Macht ihr so eine knallharte klassische Tour im Mercedes Sprinter? Jeden Abend ein anderer siffiger Mini-Club, jede Nacht eine andere Kaschemme zum Schlafen?

Da lassen wir uns überraschen, tatsächlich. Was mich an diesen Touren immer sehr reizt, ist, dass es jeden Abend eine andere Situation ist, dass der Club jeden Abend ein anderer ist, die Leute auch, und die Unterkunft eben auch, es ist immer was Neues, das wird nicht langweilig. Mir zumindest nicht, anderen mag es da ganz anders gehen.

Das Musikmachen ist also noch nicht so ein ganz normaler Job geworden?

Es schlaucht halt, klar, aber man hat halt sehr viel Spass. Wenn es ein Job ist, dann ist es ein sehr glücklicher Job.

Was können die Leute von Eurem Konzert erwarten? Was passiert live bei Kate Mosh?

Wir spielen halt unsere Lieder.

Wow, das ist ja total revolutionär!

(lacht) Ja, das haben wir uns ausgedacht, so als Bandkonzept. Wir spielen sie halt so, wie sie uns gefallen, und hoffen, dass der Funke überspringt, was aber auch oft genug klappt.

Wird viel gesprungen, viel getanzt?

Auf der Bühne? Klar! (lacht immer noch)

Und in den Reihen 1 bis 35?

Manchmal schon, aber das ist auch so ein Jeden-Abend-Anders-Ding. Wir sind da natürlich auch auf ein Echo angewiesen, die Stimmung machen wir ja nicht alleine.

Was ist denn angenehmer? Wenn der Saal bebt, oder wenn die Leute andächtig zuhören?

Es gibt halt schon zweidrei Songs, wo diese andächtige Nummer sehr gut funktioniert, und uns auf jeden Fall freut, aber wenns dann ans Ausrasten geht, dann kommt die vielleicht eher... ach, ist egal, eigentlich, jeder soll die Musik so hören, wie sie ihm gefällt, und einen schönen Abend mitnehmen. Wenn es für jemanden für einen schönen Abend bei unserem Konzert dazugehört, stillzustehen und zu lauschen, dann ist das wunderbar.



Mehr dazu:

Was: Kick Life Party mit Kate Mosh (Berlin), Luke (Köln, Hamburg, Luxemburg), Ein Stück heile Welt(Freiburg), DJ Ridoo (el.pi), DJ RegularJohn (Drifters) und Kerle2000
Wann: Samstag, 07.10.2006, 22 Uhr
Wo: Z, Freiburg
Eintritt: 7 Euro

Running Order: 22:30 Uhr - Ein Stück heile Welt | 23:15 Uhr - Luke | 00:30 Uhr - Kate Mosh