Karrierekiller Google

Rebecca Schnell

Immer mehr Personalchefs googeln Kandidaten. Schließlich enthält das Internet viele Stationen unserer inoffiziellen Lebensläufe. Das kann zum Karrierekiller werden. fudder hat bei Freiburger Personalchefs nachgefragt, ob und wie sie die Suchmaschine nutzen.



Wer hat noch nicht aus Neugier die heimliche Rivalin, den Exfreund oder sich selbst gegoogelt? Das Internet speichert unzählige Informationen. Über das Hängebauchschwein, den Kategorischen Imperativ und eben den Fragensteller selbst.


Die eigene Website, das persönliche Web-Tagebuch, Foren, Netzwerke wie das Studiverzeichnis und OpenBC, vielfältige Möglichkeiten, seine individuelle Spur im Netz zu hinterlassen. Dauerhaft. Denn die gespeicherten Daten sind über Jahre hinweg für jedermann abrufbar. Was tun, wenn sich das virtuelle Ich verselbständigt? Es reicht schon, wenn ein Namensvetter auf Pornoseiten auftaucht oder man bei OpenBC die falschen Freunde hat. Das Netz ist nicht nur globaler Wissensspeicher, sondern auch indiskrete Tratschtante.

Genau dies nutzen mittlerweile auch viele Unternehmen bei der Jobvergabe. Laut einer Umfrage des Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) nutzen bereits 28 Prozent der Personalchefs das Internet, um die Lebensläufe von Kandidaten auf Schwachstellen zu überprüfen. Googlability heißt das Phänomen, in Anlehnung an die sogenannte Employability. Entscheidend ist also neben der Arbeitsmarktattraktivität zunehmend auch die virtuelle Reputation.

Ob Jugendsünden, Auftritte auf dubiosen Sites oder scheinbar harmlose Partyfotos, mit einer peinlichen Internetpräsenz kann ein Bewerber sein Image gründlich und unbeabsichtigt ramponieren. So flogen in 34 Prozent der Fälle die Kandidaten aufgrund von Online-Daten aus dem Auswahlverfahren.

Wir haben uns umgehört, ob auch die Personalchefs regionaler Unternehmen ihre Bewerber googeln. Das Resultat ist verblüffend. Beinahe einstimmig lehnten die Personaler die digitale Überprüfung von Kandidaten ab. „Bewerber werden bei uns nicht gegoogelt. Wir vertrauen unseren Bewerbern und verlassen uns auf die Angaben und Dokumente in den Bewerbungsunterlagen“, behauptet Tanja Bausch von der Sick AG. Ähnlich äußert sich auch Jürgen Kurz von Micronas: „Aus meiner Erfahrung kann ich das nicht nachvollziehen.

Weder ist es vom Aufwand her zu bewältigen, für eine Vielzahl von Bewerbern eine solche Suche vorzunehmen, noch würde das Ergebnis das rechtfertigen, da es vermutlich für die meisten Versuche keine Ergebnisse gäbe.“

Auch Verena Langenbach von Rhodia versichert, dass solche Praktiken in ihrem Unternehmen weitgehend unbekannt wären. Viel wichtiger als mögliche Online-Ergebnisse seien das persönliche Gespräch und der eigene Eindruck. Empörung gar bei Gabriele Schink von Badenova, die ein solches Verfahren „nicht in Ordnung“ findet. Veronica Demmig vom Hotel Colombi bewertet das Internet zur Überprüfung von Bewerbern ebenfalls „wenig sinnvoll“, schließlich zähle gerade in der Hotelbranche das persönliche Auftreten.

Ähnlich äußern sich die Personalentscheider von Lexware, SWR, enterfox und der Uni Freiburg. Lediglich Daniel Beck vom Autohaus Riekert findet das Googeln von Bewerbern „eine gute Idee“ und kann sich vorstellen, in Zukunft bei der Jobvergabe aufs Internet zurückzugreifen.

Falscher Alarm also? Nicht ganz, denn es ist zu befürchten, dass sich Personalchefs mit freizügigen Auskünften bewusst zurückhalten. Möglicherweise ist das Bewerber-Googeln rechtlich nicht lupenrein. In Finnland gilt die Online-Recherche von Arbeitgebern nach Informationen über mögliche künftige Mitarbeiter als Verstoß gegen den Datenschutz im Arbeitsleben. Davon abgesehen hängt es wohl auch von der Branche ab, wie wichtig das Internet bei der Jobvergabe ist. Von einem Informatiker erwartet man einen professionellen Internetauftritt als von einer Sekretärin in der öffentlichen Verwaltung. Je hochrangiger die zu besetzende Stelle, desto intensiver wird gegoogelt.

Was ist die Konsequenz? Man sollte mit persönlichen Daten vorsichtig umgehen und sich genau überlegen, wo man was veröffentlicht. Außerdem schadet es nicht, sich regelmäßig selbst zu googeln. Personenbezogene Daten finden sich auch unter zoominfo und stalkerati. Zudem kann man sich einen sogenannten Google-Alert für seinen Namen einrichten. So erfährt man per Mail zumindest, wann wo was im Internet über sich auftaucht. Auf entsprechende Fragen kann man sich somit gefasst machen.

Ebenso lässt sich gezielte Imagepflege betreiben. Mit qualifizierten Namensbeiträgen in Fachforen, Veröffentlichungen in einem eigenen Blog oder auf der eigenen Homepage erzeugt man den sogenannten Google-Juice, den Saft, der Einträge nach ganz oben auf den Schirm schiebt.

Wie man die eigene Internetpräsenz aktiv gestalten kann, haben Redakteure der Wirtschaftswoche am 20. November eindrucksvoll gezeigt. Sie kreierten eine komplette virtuelle Kunstfigur, die unter dem Namen Reiner Fakeman bereits auf zahlreichen Sites Furore macht, darunter ein Blog, ein Wunschzettel bei Amazon und ein mySpace-Account. Außerdem hat sich Reiner Fakeman bereits als Streber geoutet, besäuft sich auf Parties und geht fremden Frauen an die Wäsche.