Karrierefaktor Zufall: Aufstieg im Kino

Julia Mungenast

Bettina Hengsbach (29) hat als Studentin einen Nebenjob gesucht und diesen im Cinemaxx Freiburg gefunden. Heute, beinahe zehn Jahre später, arbeitet sie in der Betriebsleitung des Kinos. Das Studium gab sie auf. Einige Gedanken über Zukunftsplanung, Zufall und Zufriedenheit im Beruf.



Bettina Hengsbach hat 2001 in einer Umlandgemeinde Abitur gemacht, dann zog sie für ihr Studium der Forstwissenschaften nach Freiburg: „Ich konnte mir eigentlich nie vorstellen, in einem Büro zu sitzen. Ich wollte immer rausgehen, am besten jeden Tag an der frischen Luft sein."


Neben ihrem Studium bemühte sich Bettina um einen Nebenjob: „Ich suchte eine Stelle in der Nähe. Da ich um die Ecke des Cinemaxx Kinos wohnte, dachte ich, das könnte passen.“ Wie bei der Uni-Bewerbung schickte sie bloß eine einzige ab und bekam eine Zusage.

Angefangen hat sie im Kino als Minijobberin in einem der Servicebereiche. „Nach und nach arbeitete ich in allen Tätigkeitsfeldern des Kinos, wurde in zwei Bereichen Teamleiterin und wechselte vom Minijobber zur Teilzeitkraft.“ Bettina mochte die Arbeit im Kino, die jungen Kollegen, konnte ihre Arbeitszeiten frei einteilen und so ihren Nebenjob mit dem Studium vereinbaren. Mit der Zeit hat sie im Cinemaxx auch Freundschaften geschlossen.



Seit nunmehr neun Jahren arbeitet Bettina im Kino, das Studium brach sie im neunten Semester vor der Abschlussprüfung ab: „Leider. Ich war irgendwann zu alt für Bafög und die Doppelbelastung von Arbeit und Studium habe ich nicht mehr verkraftet.“

Auftrieb erfuhr Bettina im vergangenen August. „Ich bewarb mich auf eine ausgeschriebene Stelle in der Betriebsleitung und wurde genommen.“ Selbstbewusst ergänzt sie: „Ich bin nun Theaterleiter Assistentin im Bereich Personal. Ich kümmere mich um Einstellungen, Urlaube, Dienstpläne und tausend Dinge, die nebenher anfallen.“

Natürlich hatte sie auch großen Respekt vor der Stelle. Bettina verzieht den Mund und schaut auf ihren PC, an dem sie gerade den wöchentlichen Dienstplan anfertigt. „Ich lerne in der Praxis. Es ist ein großer Vorteil, zu wissen, wie es im Servicebereich abläuft. Diese Erfahrung hilft mir, den Ablauf in der Betriebsleitung schneller zu erfassen.“

Bereut Bettina nicht, dass sich ihr Berufsleben ganz anders entwickelt hat, als sie das ursprünglich plante? „Ehrlich gesagt habe ich momentan wenig Zeit zum Nachdenken“, sagt Bettina. Sie grinst. Manchmal kommen ihr wohl doch solche Gedanken: „Wärst du doch weg gegangen!“, "Hättest du doch was völlig anderes gemacht!" oder „Warum hast du dein Studium nicht fertig gemacht?“



Kann sie sich vorstellen, ihr Leben lang Dienstpläne für Popcornverkäufer im Kino zu erstellen? „Ich habe keine Angst vor Veränderung. Morgen kann ich etwas ganz anderes machen. Hier im Kino geht es nun nicht mehr viel höher und als Theaterleiterin sehe ich mich eigentlich nicht. Aber vielleicht passiert das aus Versehen.“

Bettinas Telefon klingelt. Sie wird gebraucht. Sie legt auf und sagt dann: „Ich habe mich für mein Studium in nur einer Stadt beworben, bin hier im Kino sofort genommen worden und habe meine heutige Stelle gleich bekommen. Ich lasse mich gerne überraschen, denn rechnen konnte ich nie damit und gewusst habe ich es auch nicht. Ich habe eine simple Vorgehensweise.“ Bettina macht eine Pause und sagt: „Ich schaue, wie es mir geht. Wenn es mir gut geht, bleibe ich, wenn nicht, gehe ich.“ Dann verlässt sie das Büro, um den Zwischenfall zu klären.

[Fotos: Miriam Kiefer]