Kanzlerduell mit Stefan Raab: Wir befürchten das Schlimmste

Martin Jost

Irgendwann an Fasnacht muss Edmund Stoiber vorgeschlagen haben, dass Stefan Raab das Kanzlerduell zwischen Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück moderiert. Die Idee wurde zum Selbstläufer, und jetzt scheint die Sache ausgemacht. Aber sollen wir uns auf Raab im Anzug etwa freuen?



Die eigentliche Nachricht ist doch, dass die Idee von Edmund Stoiber kommt. Bayerns Ex-Ministerpräsident, der gesagt haben soll: „Lieber eine dicke Akte als eine dünne Nackte“ und jetzt eine EU-Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau leitet, ist ein altmodischer Politiker. Ein machtbewusster, bemüht jovialer Besitzstandswahrer. Rhetorik gelingt ihm selten. Er weiß, dass er unfreiwillig komisch ist, aber er kann nicht anders. Stoiber tritt inzwischen selbstironisch die Flucht nach vorn an und parodiert sich selbst.


Als er vorschlug, Stefan Raab auf Merkel und Steinbrück loszulassen, war das vielleicht auch wieder so ein Stoiber-Ulk. Ob er damit gerechnet hat, dass Raab und ProSieben seine Idee für voll nehmen? Ob ihn vielleicht sogar ein bisschen hämisch freut, was er den beiden da einbrockt? Hätte er sich selbst wohl auf so ein Kanzlerduell eingelassen? Das letzte „K-Duell“, das Stoiber bestanden hat, wurde noch unionsintern beim Frühstück ausgetragen.



Wir könnten uns langweilen

So, wie es jetzt steht, hat niemand etwas zu befürchten. Das Kanzlerduell wird wohl in einem stylishen Studio von mehreren gestylten Moderatorinnen und Moderatoren geleitet. Frage – Antwort – Zeitbegrenzung. Stefan Raab müsste sich einreihen in einem Zweireiher und dürfte Sachfragen stellen, die Merkel und Steinbrück dann sachlich beantworten. Top-vorbereitet, Wort für Wort entsprechend ihren Pressemitteilungen aus den letzten Wochen und – wenn überhaupt – sich untereinander aus der Reserve lockend. Zum Fragen vorlesen braucht es keinen Stefan Raab, aber er stört auch nicht.

Wenn Raab versuchen würde, womit er Raab geworden ist – Schlagfertigkeit, Zuspitzung, Respektlosigkeit aus Prinzip – würde das in so einem stylishen Format völlig befremden. Deswegen braucht Raab auch seine eigene Kanzler-Show. Eine, in der er die Kandidaten aus ihrer Komfortzone locken darf. Vielleicht mit gemeinen Interviews, in denen er so tief nach Überzeugungen bohrt, dass die beiden mit Textbausteinen nicht mehr durchkommen. Vielleicht mit Eitelkeitslösern wie den Spielen aus "Zimmer Frei!". Vielleicht zwingt er Merkel und Steinbrück sogar zu singen. Hauptsache, sie kommen ins Schwitzen.

Werde ich mir ein herkömmliches Kanzlerduell anschauen, bei dem die Kandidaten ohne jede Regung ihre schönsten Papierpositionen vortragen dürfen? Mit Sicherheit nicht. Will ich sehen, wie sie unter Druck agieren? Wie authentisch sie sind? Ob sie in einem Auswärtsspiel die Nerven verlieren? Aber hallo!

Voyeurismus? Vielleicht. Aber wenn es um die Wahl zum Lenker meines Landes geht, möchte ich dem Steuermann tief in den Charakter glotzen. Inhalte kommen in so einer Sendung zu kurz? Im Gegenteil: In allen anderen Sendungen kommt Charakter zu kurz.

Vor sich hin versprechen, was ich hören will, können die beiden Politiker ja sonst immer. Einmal, nur einmal, möchte ich sie schwitzen sehen. Ich will sie ja nicht ins Dschungelcamp schicken. Nur ein bisschen verbales Sparring, nach dem ich weiß: Ab wann wird Steinbrück unfair? Kann Merkel auch brüllen? Und wer bleibt lässiger, wenn ihnen die Felle davonschwimmen? Ganz im Ernst: So was könnte meine Wahlentscheidung beeinflussen.

fudder-Debatte

Wok-Fahren, Poker, Turmspringen, Karaoke – welchen Prüfungen würdet ihr die Kanzlerkandidaten gern im Fernsehen unterziehen? Schreibt eure Ideen für Raab-Spiele in die Kommentare!

Du bist gefragt!

 

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[Foto: dpa]