Kandelhof-Premiere: "Hope" von Stanislaw Mucha

Alexander Ochs

Am Donnerstag kommt ein empfehlenswerter Film ins Kino: "Hope" von Stanislaw Mucha. Ein Katz-und-Maus-Spiel der schrägeren Art. Am Montag war Mucha, preisgekrönter Dokumentarfilmer, im Kandelhof zu Gast, um "Hope" vorzustellen.



Handlung

Frantisek, Anfang 20, liegt mit der Videokamera auf der Lauer, als ein Kunstdieb in einer Kirche zuschlägt. Nun könnte er schön zur Polizei gehen. Oder den Kunstdieb wenigstens erpressen, klassischer Krimistoff. Doch Frantisek geht in die Höhle des Löwen und verlangt von dem Dieb, einem renommierten Kunsthistoriker, nur eines: dass das Altarbild an seinen angestammten Platz zurückkommt.

Was naiv klingt, bedeutet: weg von der 08/15-Moral. Das Ganze entwickelt sich zum ungleichen Duell David-gegen-Goliath, wobei der kleine Lockenschopf dem arrivierten Alten sein Katz-und-Maus-Spiel aufzwingt. Auch ein Sprengstoffanschlag auf seinen giftgrünen Peugeot schüchtert Frantisek nicht ein. Im Gegenteil, er fordert er vom kriminellen Kunsthändler das gleiche Auto zurück: gleiches Modell, gleiches Baujahr, gleiche Farbe, gleicher Kilometerstand. Und das bekommt er auch: Kennzeichen HO-PE 123. Ein feiner Seitenhieb des Regisseurs auf die Hofer Filmtage, wo jeder Zweite mit einem derartigen Nummernschild vorfährt.



Figuren

Frantisek (Rafal Fudalej) ist rätselhaft und sympathisch zugleich. Er strahlt innere Ruhe aus. Zu dieser Hauptfigur gesellen sich sein Knastbruder, ein gebrochener Vater, eine junge Frau – pikanterweise die Tochter des Kunsthändlers –, die hoffnungslos in Frantisek verliebt ist, ein erfahrener Inspektor, der bei Frantisek auf Granit beißt, ein sehr weltlicher Priester, ein Kunsthehler, der zum Killer wird und weitere Figuren.

Souverän entfaltet Stanislaw Mucha seine Geschichte. Der in Deutschland lebende und arbeitende Pole misstraut langen Dialogen und setzt lieber auf Farbsymbolik, feinfühlige Bilder und überraschende, aber nie beliebige Wendungen. Der Film fesselt auf eigenartige Weise.



Message

Mucha arbeitet gekonnt und bewusst mit Leerstellen, hier und da aufgenommenen und wieder fallen gelassenen Handlungsfäden – und weigert sich, als Dauer- und Cheferklärer seines eigenen Films aufzutreten. Als ihn ein Zuschauer fragt, „Was ist die Message?“, sagt Mucha: „Wenn ein Film eine Message hat, dann sollte die Message so tief begraben sein, wie es nur geht.“

Redseliger ist der 37-Jährige, wenn es um die Produktionsbedingungen geht. Sein erster Spielfilm sei ihm viel leichter gefallen als seine beiden (schrägen und preisgekrönten) Dokumentarfilme „Absolut Warhola“ und „Die Mitte“, weil man da mit weniger Alkoholikern zu tun habe. meint Mucha.



Besetzung

Dafür hat er bei einigen kleinen Rollen Mühe gehabt, die passenden Schauspieler zu finden – was dazu führte, dass der polnische Produzent den Priester spielt, seine Tochter mit von der Partie ist und sogar Mucha selbst in die Rolle des Killers schlüpfen musste. „Boris Becker sollte den Killer spielen“, meint der Filmer allen Ernstes, „hat aber leider nicht geklappt.“ Und den lange feststehenden Hauptdarsteller musste er kurz vor Drehbeginn wieder fallen lassen, da dieser nach akutem Liebeskummer zum Bodybuilder mutiert ist und aussah „wie ein Dreieck“, so der Pole.



Werbung

Eine skurrile Geschichte von ungewollten Product Placement: Erst beim Schneiden ist dem Regisseur aufgefallen, dass in einer Szene von über hundert vorbeifahrenden Autos fast jedes vierte aus der DHL-Flotte stammt. „Die müssen auf denselben Frequenzen gefunkt haben wie wir“, mutmaßt er. 39 Schnitte und aufwändige Nachbearbeitung waren nötig, um diese Werbevehikel wieder herauszuschneiden.

Den Schlusspunkt setzt Mucha selber: „Machen wir Schluss, oder?“ Nur eines will er dem Publikum noch mit auf den Weg geben: „Empfehlen Sie den Film weiter – die ersten Tage nach Filmstart sind entscheidend!“

Ab Donnerstag, den 17. Januar läuft Hope im Apollo 3, täglich um 21.15 Uhr, sonntags auch um 13 Uhr.