Kampf um die Skicross-Krone: Am Start beim "King of the Forest"-Contest am Feldberg

Marius Buhl

Stürze sind garantiert: Beim Adrenalinsport Skicross kämpfen vier Fahrer auf einer Strecke mit Sprüngen und Steilkurven um den ersten Platz. Am Wochenende fand auf dem Feldberg der "King of the Forest"-Contest statt. Am Start war auch fudder-Autor Marius Buhl. Ob er’s heil überstanden hat:



Riders ready… Five Seconds Warning… Go!
Mit aller Kraft katapultiere ich mich aus dem Gate, greife nach den Stöcken und schiebe an wie verrückt. "Diesmal war ich schnell", denke ich. Dann blicke ich nach rechts und links und sehe, dass ich schon wieder Letzter bin. Meine Konkurrenten sind schnelle Starter, ich ein langsamer. Auf Position vier liegend schieße ich auf den ersten Sprung zu, es ist eine Doppelwelle. Entschlossen springe ich bei der ersten Welle ab, fliege gefühlte fünfzehn Meter durch die Luft und lande nach der zweiten Welle.

Das war schnell – denn während ich geflogen bin, haben die anderen die Wellen geschluckt und sind darüber gefahren. Ich bin jetzt ganz vorne, habe alle in der Luft überholt. Bis ins Ziel kann ich die Position verteidigen, über Sprünge, Steilkurven und den fast senkrechten Zielschuss. Jubelnd reiße ich die Arme hoch, die Leute klatschen und reißen die Red Bull Dosen in die Luft.

Wow, nochmal!

Skicross ist teuflisch: Nie darf man sich sicher, immer muss man auf der Hut sein. Adrenalinkicks sind ebenso garantiert wie Stürze, Siege ebenso ungewiss wie Niederlagen. Seit 2010 ist der Sport olympisch, seitdem hat sich viel entwickelt. Verletzungen gibt es aber nach wie vor und im vergangenen Jahr gab es den ersten Todesfall: Nick Zoricic sprang in Grindelwald in einen der Fangzäune neben der Strecke und verunglückte tödlich.

Trotzdem machen alle weiter wie bisher, es ist der Reiz jeder Extremsportart: Der Kitzel des Ungewissen, das Spiel mit der Gefahr. Favoriten gibt’s es beim Skicross keine, das Glück entscheidet mit.

Am vergangenen Wochenende habe ich viel davon: Am Samstag gewinne ich die Qualifikation mit der schnellsten Zeit und rücke ins Viertelfinale vor. Von da an geht es weiter Mann gegen Mann, immer die ersten beiden kommen in die nächste Runde. Im Halbfinale gelingt mir ein Start-Ziel-Sieg, zum ersten Mal lege ich einen schnellen Start hin, schiebe mich 'raus, als das Gate gerade nach unten klappt.

Dann stehe ich im Finale und die Nervosität ist groß. Drei Mit-Schwarzwälder stehen neben mir, alle aus demselben Verein. Rauswerfen werden sie mich, scherzen sie, beim ersten Sprung aus der Strecke schießen. Meine Nervosität steigt, das Adrenalin brodelt in den Beinen.

Dass es ein solches Rennen am Feldberg gibt, ist eine herausragende Leistung. Die Veranstalter des King of the Forest haben Tag und Nacht damit verbracht, aus dem wenigen Schnee eine fahrbare Strecke zu kreieren. Mal schneite es, mal taute es. Zudem ist die Strecke im Fahler Loch extrem steil und schwer zu präparieren. Auch am Renntag müssen sie die Strecke immer wieder herrichten, die Sonne macht dem Schnee zu schaffen. Uns Fahrern macht zusätzlich die letzte Nacht zu schaffen. Wie es sich für echte Freeskier gehört, haben wir den Samstagabend beim "King of the Forest"-Jam im Jazzhaus verbracht – es war eine lange Nacht.



Noch wenige Sekunden bis zur letzten Fahrt. Oben kreist ein Hubschrauber und filmt das Rennen, im Ziel sitzen die Leute und warten auf uns, Hiphop dröhnt den Hang herauf. Hände an die Griffe legen, konzentrieren, warten - dann das Signal. Jetzt wieder alles geben, denn jetzt geht es um die Podestplätze. Drei dürfen hoch, einer wird der Verlierer sein.

Ich erwische einen mittelmäßigen Start, liege auf Rang drei. Erneut kann ich einen Läufer durch ein Sprungmanöver an der Doppelwelle überholen, ein anderer bleibt vorne. Ich hänge mich in seinen Windschatten, ziehe mich so langsam heran und auf seine Höhe. Gemeinsam schießen wir in die erste Steilkurve, aber er hat die Innenbahn, zieht wieder nach vorne. Ich verliere den Kontakt, brauche drei, vier Steilkurven, um wieder heranzukommen, dann ein Sprung, ganz eng bin ich hinter ihm, könnte jetzt ein Überholmanöver probieren.

Das Problem: In meinem Nacken lauern die anderen Fahrer, ein Fehler oder Sturz und ich bin raus. Mich verlässt der Mut, ich verzichte auf das Überholen und fahre weiter hinterher. Bis unten bleibe ich hinter ihm, kann ihn nicht mehr einholen. Er gewinnt, ich werde Zweiter. Ich bin ganz kurz enttäuscht, aber dann jubele ich - und freu' mich für den Sieger. Dann ist Siegerehrung und ich darf mit einer riesigen Champagnerflasche Sekt rumspritzen. Wer könnte da noch frustriert sein?

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Foto-Galerie: Martin Conzelmann

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