Kampf den Tags

Aljoscha Harmsen

Erst wenn man genau hinsieht fallen sie einem auf: Die zahllosen Grafitti-Tags in der Wiehre. Um der Flut der Namenskritzeleien einhalt zu gebieten, hat der Verein "Sicheres Freiburg" die Aktion "Anti-Graffiti Freiburg" ins Leben gerufen. Am Samstag fand ein Aktions-Tag statt, an dem Grafitti von ihren Erschaffern zusammen mit ehrenamtlich tätigen Malern entfernt wurden. Aljoscha war dabei.



"Die Schmierereien haben Ausmaße angenommen, die wir nicht mehr hinnehmen können. Wir dürfen nicht zugucken, wie das Stadtbild immer mehr verkommt", begründet Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach das Projekt. "Und in der Wiehre ist es besonders dramatisch", fügt Klaus Winkler, Vorsitzender des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre hinzu. Darum nimmt die Aktion auch in der Wiehre ihren Anfang.




"Etwa 200 Häuser sind im Bereich zwischen Schiller-, Hilda-, Urach- und Günterstalstraße betroffen." In dem Gebiet, das diese Straßen einschließen, wird mit den Kampfmaßnahmen begonnen. Das konkrete Ziel heute: 50 Objekte reinigen. "Die Aktion orientiert sich an einem Anti-Graffiti-Projekt in Pforzheim, wo innerhalb von acht Jahren das Graffiti-Problem deutlich zurückgegangen ist", sagt Kirchbach. Ob es hier ebensolange dauern wird, weiß er nicht. Das Projekt soll jedenfalls langfristig sein.

Fünf Malerbetriebe helfen mit, die Graffiti zu beseitigen, ein Infostand an der Johanneskirche klärt die Bürger über die Aktion auf. Auch die Polizei ist dabei: "Vielen Jugendlichen ist es nicht klar, welchen Schaden sie anrichten", sagt Meinrad Drumm, Leiter der Kriminalprävention der Polizeidirektion Freiburg. Er und ein paar seiner Kollegen sind auch deswegen da, um auf die Jugendlichen aufzupassen, die bei den Reinigungsarbeiten mithelfen. Sie müssen Sozialstunden leisten, oder einem Täter-Opfer-Ausgleich nachkommen.



"Wir haben sogar eine eigene Ermittlungsgruppe bei der Polizei, die nur dafür da ist, Sprayer zu ermitteln", sagt Drumm. "Die Sprayer wollen einfach Grenzen austesten; das sind ganz normale Jugendliche, die einen Kick suchen. Je öffentlicher der Ort, desto mehr wird ihr Graffiti gesehen und desto größer der Reiz." In der Wiehre gibt es fast nur Tags, das sind schmucklose Namenszeichen.



"Die Nachhaltigkeit ist besonders wichtig", sagt Malermeister Daniel Ay. "Die Flächen, die wir heute reinigen, reinigen wir immer wieder, wenn sie erneut beschmutzt werden. Damit nehmen wir den Sprayern die Motivation, ein beseitigtes Graffiti wiederherzustellen."



Die Maler, die bei der Aktion mitmachen, arbeiten wie alle Helfer ehrenamtlich. "Neben dem Dienst an der Gemeinschaft machen wir natürlich auch Werbung für uns, indem wir zeigen, dass wir da sind", erklärt Ay. "Außerdem: Mit jeder verschmierten Fläche geht uns ein potentieller Auftrag verloren."



Die Teams, bestehend aus Malern und Jugendlichen, haben sich im Einsatzgebiet verteilt. Siegfried Kneiphof arbeitet an einem kleinen Tag an der Talstraße. "Für die Beseitigung dieses kleinen Graffitis braucht man locker eine halbe Stunde", sagt Siegfried. Er findet Graffitis grundsätzlich nicht schön.



"Wir müssen den Farbton genau nachmischen, das gelingt nicht immer sofort", sagt Seniormeister Erwin Schindler. Er hatte selbst schon ein Graffiti an seiner Fassade und ist deswegen vor Gericht gegangen. "Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Der Richter hat mir nur geraten, eine bessere Versicherung abzuschließen." Der ältere Herr freut sich, dass heute so viele Jugendliche mithelfen.

Der 17-jährige Sprayer Dario hilft heute mit, weil es sich für ihn strafmildernd auswirkt. "Ich hab schon ein paar Bilder mehr gemacht. Irgendwie hat die Polizei meinen Namen herausbekommen. Jetzt muss ich ein paar tausend Euro zahlen." Er lacht dabei und scheint dem erzieherischen Aspekt der Aktion nicht viel abgewinnen zu können: "Es macht Spaß, etwas an die Wand zu sprühen und es macht genauso Spaß, es wieder wegzumachen."