Kammerbühne: Europa als Baustelle

Kristina Bieda

Die Dramaturgen und Regisseure im Freiburger Theater bemühen sich ab morgen darum, die Kammerbühne von der klassischen Spielstätte in einen "freien Ort" zu verwandeln. Auf der Bühne sollen demnächst Spielekonsolen, Internet-PCs und Kühlschränke herumstehen. Was das ganze mit "Festung Europa" zu tun haben soll, erklärt Kristina.



Noch sieht die Kammerbühne aus wie eine Baustelle. Die Wände bestehen aus Faserplatten, die mit weißen Markierungen versehen sind und im Foyer riecht es nach frischer Farbe. „Damit hat die Kammerbühne etwas gemeinsam mit Europa, denn auch Europa ist eine Baustelle“, sagt Moritz Müller. Diese Spielzeit soll Europa in der Kammerbühne passieren.


Dafür hat der Künstler Moritz Müller (Bild oben) für dieses Jahresprojekt einen Raum konzipiert und gestaltet. „Es handelt sich dabei eher um einen Strategieraum. Alles, was an einem Abend auf der Bühne passiert, alles was verändert wird, bleibt so und wird damit eine Herausforderung für die nächste Vorstellung. Der Raum wird dadurch immer voller. Das Ganze ist also ein Prozess.“ Das bedeutet, dass erst am Ende der Spielzeit die Kammerbühne keine Baustelle mehr sein wird, sondern tatsächlich die Festung Europa.“



Das neue oder etwas andere am Projekt: „Die Kammerbühne soll zu einem freien Ort und nicht mehr als eine traditionelle Spielstätte wahrgenommen werden,“ so Arved Schultze, Dramaturg am Theater Freiburg. Es wird Getränkeautomaten geben, Spielekonsolen, Computer mit Internetzugang, Kühlschränke, eine Lounge und natürlich ein Archiv zum Thema Europa. Und Überwachungskameras. Denn auch die gehören mittlerweile zu Europa. Während der Stücke kann der Zuschauer bestimmen, was die Kameras beobachten sollen.

Auftakt der Reihe ist morgen mit Die europäischen Verfassung – Eine Verzettelung. „Ausgangspunkt war die Frage: ist die Verfassung komplex oder kompliziert?“ sagt Christoph Frick (Bild oben), der Regisseur, „denn Gesetzestexte in sich sind manchmal ganz schön komisch.“



Also werden auf der Bühne dann auch mal Reden zitiert oder Passagen aus der Verfassung, um zu zeigen, wie der Organismus der EU funktioniert. Nach jeder Vorstellung gibt es dann ein Publikumsgespräch mit einem Gast aus Politik oder Wirtschaft.

Im Laufe der Spielzeit soll vieles auf Kammerbühne stattfinden: So werden Tänzer aus ganz Europa den Raum für offene Proben nutzen, es wird einen Liederabend über den Balkan geben und auch die Reihe „Brandherde“, wo live-Schaltungen via Skype in verschiedene Länder Europas erfolgen, wird weiter in der Kammerbühne stattfinden.

Mehr dazu:

Was: Die europäische Verfassung - Eine Verzettelung; Regie: Christoph Frick
Wann: 4. Oktober, 20.30 Uhr, ab 22 Uhr Publikumsgespräch mit Corinna Milborn, Autorin von „Gestürmte Festung Europa“
Wo: Kammerbühne, Theater Freiburg

Web: Festung Europa
Web: Corinna Milborn