Kalte Dusche

Lorenz Bockisch

Was für viele Menschen in Deutschland als selbstverständlich gilt, ist in anderen, gar nicht so fernen Regionen Europas von einschneidenden Unterbrechungen betroffen: Die Warmwasserversorgung. Zwei aktuelle Beispiele - eines aus Moskau, eines aus Prag - zeigen, dass ein warmes Bad auch ein echter Luxus sein kann.

In Prag passiert es jeden Sommer: Für ein bis zwei Wochen gibt es in etwa einem Drittel aller Wohungen der tschechischen Hauptstadt kein warmes Wasser. Der Grund dafür ist, dass das Prager Heizwerk die Fernwärmeleitungen inspiziert. Diese "Odstavka" – was etwa Ab- oder Einstellung heißt – bedeutet für etwa 250.000 Haushalte wochenlang nur kalte Duschen.


In den meisten Jahren werden die Mieter vorzeitig informiert, zu welchem termin genau das Wasser abgestellt wird. So planen viele Prager ihren Urlaub in diese Zeit oder gründen Duschgemeinschaften in nicht von der Odstavka betroffenen Wohnungen.

So ein zentralisiertes Warmwassersystem gibt es auch beim großen Bruder des ehemaligen Ostblocks, in Russland. Dort ist es schon im Mai so weit, dass in vielen Städten für etwa drei Wochen das Leitungsnetz seiner jährlichen Inspektion unterzogen wird. Das Prinzip ist aber etwas unkonventioneller: Statt die Zehntausende von Kilometern mit Sensoren oder Technikern zu kontrollieren, wird, etwa in Moskau, einfach der Wasserdruck erhöht.

Und dort, wo die Straßen aufbrechen oder es aus den Rohren spritzt, muss halt repariert werden. Aber auch bei der Warmwasserversorgung sind einige Moskauer gleicher als andere: Das Bolschoi-Theater, die Duma und der Kreml haben eine separate Warmwasserversorgung. Prima Ballerina und Präsident können so weiterhin ein warmes Bad nehmen.