Kajo-Cup: BZ-Ballett tanzt auf Platz 3

Clemens Geißler & David Weigend

Torverhältnis 29:3 und keine Niederlage: das weiße BZ-Ballett unter Rauchführer Dennis "Supernanny" Nann entfaltete am Sonntag einmal mehr magische Grümpelpower. Leider reichte es nur zu Platz Drei, aber die druckfrische Spielkultur im Dauerregen eroberte die Herzen der wenigen Zuschauer im Sturm.



Der Kajo-Cup ist so etwas wie der Hinterwaldkopf des badischen Amateurfußballs: schwer zu erreichen, aber wenn man es geschafft hat, kann man es kaum glauben. Ins Leben gerufen wurde er vor zwei Jahren von Organisator und Offensiv-Sport-Mitarbeiter Patrick Ehrlich. Vergangenes Jahr fand er in Tiengen statt, in diesem Jahr auf dem leicht maroden Gelände von Alemannia Zähringen.




Mit von der Partie sind heuer unter anderem Saturn United 06 I und II, Team Jack Wolfskin, die Kaiser Lions und der Titelverteidiger, die Bohny-Legenden (nein, sie liefen nicht in ihren Schaufenster-Flip-Flops auf), allesamt bestückt ausschließlich mit Mitarbeitern dieser rund um die Kajo ansässigen Firmen. Wobei wir uns bei den A-jugendlichen Offensiv-Ballflüsterern manchmal gefragt haben, ob das nicht in Richtung Azubi-Vollbeschäftigung gehen würde, aber das nur am Rande.



Das bunte Treiben beginnt gegen 11 Uhr. Vor dem ersten Spiel herrscht Anspannung. Die zitternden Finger zeigen aber auch, dass ein überzuckerter Automatenkaffee und eine Handvoll Filterlose vielleicht doch nicht das richtige Frühstück waren. Aber auf den ersten Gegner wirken wir so einschüchternd, dass dieser erst gar nicht antritt – 3:0, der erste Sieg erfolgt am grünen Tisch. Groß ist der Jubel, der auf dem weitläufigen Areal der Alemannia zu dieser frühen Stunde freilich noch kommentarlos verhallt. Adieu Pink Panthers, wer auch immer ihr gewesen sein möget.



Die beiden anderen Gruppenspiele gewinnen wir souverän mit 7:1 (der höchste Sieg im Turnier) und mit 5:0. Traumhafte Kombinationen treffen auf Effektivität vor dem Tor. Die KO-Runde ist erreicht. Das 1:7 lassen sich von uns die Galeria Kaufhof Starkickers II einschenken, die den bunten Torreigen aber mit dem Kaufhof-typischen Humor nehmen. Vorm nächsten Spiel ruft uns ein Galerist zu: "Jetzt kickt Ihr aber bitte richtig, gell!"

Eine Aufforderung, die von uns durchaus ernstgenommen wird. Die Allstars 2.0 müssten sich nach unserer Abfertigung eigentlich in Allstars 0.5 umbenennen.



Jetzt noch eine Stärkung: Es gibt eine ansehnliche Auswahl verschiedenster Kuchen, aber auch fettige Würste mit verbrannten Zwiebeln. Nähert man sich mit letzterer den Biertischen, so ist man sofort im Fokus des liebreizenden Schoßhündchens „Rocko“. Fast schon zu viel Sarkasmus für den frühen Nachmittag: Das Halsband mit der Aufschrift „Der tut nichts“. Der malträtierte Kickschuh steht vermutlich doch nicht in diesem Zusammenhang.



Im Viertelfinale warten im grellen Orange ihrer Firma Müller’s Bächlekicker. Die ersten Minuten sind von Abwarten geprägt. Dann wirbelt unsere Offensive ein ums andere Mal und schickt den Gegner mit 6:0 unter die Räder. Der langsam einsetzende Regen macht unsere Kombinationen nur noch flüssiger.



Im Halbfinale dagegen kicken wir unbegreiflich lethargisch und kommen gegen die „Ballflüsterer“ der Firma Offensivsport über ein erst in der letzten Sekunde erkämpftes 1:1 nicht hinaus. Beim Neunmeterschießen machen wir es wie die Schweiz: Keinen treffen und jeden reinlassen.

Das andere Halbfinale läuft kurios: Beim Stand von 1:0 für das M&M-Team von Mediamarkt ertönt der Schlusspfiff und die Sieger fallen sich glücklich in die Arme. Dann der Protest der Gegner: „Wir haben mitgestoppt. Es fehlen noch zwei Minuten“. Die Turnierleitung überprüft und gibt dem Protest statt. In den zwei Minuten fallen zwei Tore: Die Bohny-Legenden sind im Finale.



Im Spiel um Platz drei glimmt noch einmal unsere ganze Klasse auf. Mit 7:1 fegen wir bei strömendem Regen die M&Ms von der Piste und können uns am Ende über eine Urkunde, einen Pokal und eine Flasche Sekt freuen. Zudem stellen wir mit Fabian "The Punisher" Merklin den Rekordtorschützen des Turniers. Ihm gelingen 11 Treffer in 5 Partien.

Das Finale kann schließlich nach hartem Fight der Vorjahressieger für sich entscheiden: 2:1 heißt es am Ende. Mittendrin wälzt sich ein Akteur verletzt auf dem Boden. „Hallo, Sanitäter“, „Sani, komm‘ mach!“ rufen alle. Doch der milchbärtige Johanniter hört nichts, weil er seit Stunden gedankenverloren in seinem Fantasyroman schmökert. Sodann bewegt er sich mit provozierender Langsamkeit zum Patienten, nicht ohne dabei den übrigen Akteuren mitten übers Spielfeld zu schlurfen.



Beim anschließenden Bier mit Prominenten wie Oli Pocher trösten wir uns damit, immerhin recht ansehlichen Fußball gezeigt zu haben.



Im einzelnen waren das:

  • Edward von Malotki: Torwart Eddy machte seinem Spitznamen "die Pranke" wieder einmal alle Ehre; aufsehenerregend sein Ausflug aus dem Strafraum im Stil eines René Higuita, eine akrobatische Aktion, die leider zum Ehrentreffer der Kaufhofkicker führte. Zitat Pranke: "In Kolumbien wäre ich dafür erschossen worden."
  • Dennis Nann: ein Wunder, dass der Exil-Ravensburger bei diesem Marlboroverbrauch überhaupt noch auf seinen zwei Raucherbeinen steht. Respekt, Nikotin-Nanny!
  • Fabian Merklin: holte als Rekordtorschütze des Turniers den goldenen Kickschuh; bald wird sich Fabi, ganz Styler, die Trophäe bling-bling-mäßig als Halskettenanhänger drummachen. Der König des Bermudadreiecks!
  • David Weigend: der fudderfisch grätschte meist ziellos im Matsch herum; ein Lattenknaller war noch die positivste Aktion
  • Stefan Rempel: diesmal verzichtete Stefan auf die ihm angeblich verschriebenen "reha-therapeutischen Maßnahmen" im Tümpel der Liebe und überzeugte dafür auf der Alemannia mit einer ansprechende Leistung
  • Wilko Borchert: der Teninger Routinier unter den Ballerinas sorgte hinten für die nötige Ruhe und demonstrierte im Spielaufbau die Übersicht eines Oberligacheckers
  • Clemens Geißler: verbreitete im gegnerischen Strafraum meist die gefürchtete Rhodia-Rushhour. Brachte mit seinen auf dem Weiherhof erlernten Tricksereien sämtliche Defensivkräfte aus dem Konzept ; zeigte allein beim Neunmeterschießen Nerven.
Danke nochmal an Patrick Ehrlich für die tolle Organsation. Ein herzliches Dankeschön auch an alle ehrenamtliche Helfer von Alemannia Zähringen und von den Johannitern. Ohne Euch hätte dieser schöne Fußballtag niemals stattfinden können!

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