Käse ist nicht vegetarisch

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass Vegetarier, die aus der Überzeugung heraus, keinem Tier ein Leid zuzufügen, eigentlich auch keinen Käse essen dürften? Dass Veganer nur schmerzfrei geerntetes Gemüse zu sich nehmen und nichts von Tieren essen, soll ihnen unbenommen bleiben. Doch Vegetarier, die auch Eier und Käse essen, tragen damit zum Tod unschuldiger kleiner Kälber bei.

Zur Herstellung jeder Hart- oder Schnittkäsesorte muss die Milch zuerst dickgelegt werden. So nennt der Käsemacher den Vorgang, wenn sich die Milch verklumpt. Für diesen biochemischen Vorgang ist ein in der Natur vorkommendes Enzymgemisch notwendig, das jedes Kalb in seinem Magen hat: Das Lab. Nur gibt kein Kälbchen dieses Ferment freiwillig her; es muss dafür geschlachtet werden. Das gilt selbstverständlich auch für viele niedliche kleine Schäfchen und Zieglein, die auch für die Käseherstellung einen roten Schlips verabreicht bekommen.


Doch reicht die Anzahl der wegen ihres Fleisches geschlachteten Kälber (nur wegen des Labs verliert kein Kalb sein Leben) bei weitem nicht für die in Deutschland produzierten Käsemengen aus. Zur Beruhigung aller Tierliebhaber und Juden –denn diese Vermengung von Milch und "Fleisch" ist alles andere als koscher– gibt es in der Natur mehrere Hundert Sorten sogenannter Labkräuter, die ähnliche Enzyme enthalten wie der Saft aus Kälbermägen und die zur Gerinnung der Milch verwendet werden können. Auch Schimmelpilze bilden brauchbare Lab-Austauschstoffe, ebenso ist es der Gentechnik gelungen, dies Bakterien beizubringen.

Bedauerlicherweise steht auf keinem Käselaib im Supermarkt geschrieben, ob er rein vegetarisch hergestellt wurde.