Jupidi: Handy-Flirten für Feiglinge

Nikolai Worms

Flirten ist schwierig, besonders als Teenie: den großen Schwarm nur anzusprechen erfordert meist den gesammelten Mut vieler Monate. Jupidi ist ein neuer Service, der Teenies diesen Schritt erleichtern soll. Niko hat den Dienst genauer unter die Lupe genommen und sich bei den Machern über mögliche Nebenwirkungen erkundigt.

Die Voraussetzungen


Als Teenager hat man es nicht leicht, Überforderung lauert hinter allen Ecken, und eine der größten Herausforderungen ist mit Sicherheit, den angeschmachteten Schwarm auf sich aufmerksam zu machen. Flirtversuche scheitern an akuter Sprachlosigkeit, tapsige Geschenke vergraulen den potentiellen Lover auf immerdar, die kichernden Freundinnen oder glotzenden Fußballfreunde scheinen allgegenwärtig, und der Pickel auf der Nase bereitet sich strahlend auf seine thermonukleare Selbstvernichtung vor.

Hilflos wird der indirekte Weg beschritten: Die beste Freundin wird, das Potential auslotend, auf des Schwarms besten Freund losgelassen, anonyme Löschpapierzettel kreisen in vor orientierungslosen Hormonen knisternden Mathestunden, und wenige Stunden später weiß die halbe Stufe von den Annäherungsversuchen – zeigen die da eigentlich grade alle mit dem Finger auf mich?

Die Lösung

Die Macher von Jupidi.de heißen Kjell Fischer, Jascha Samadi und Benny Schilling. Sie haben versucht, sich des Flirtproblems der Jugendlichen mit dem neu gestarteten Handyservice anzunehmen.

Der Schwarm kann, von Jupidi vermittelt, anonym kontaktiert werden. Erst wenn sie oder er errät, wer die SMS über Jupidi abgeschickt hat, kann ein direkter Kontakt hergestellt werden. Die Kosten betragen 99 Cent für die erste SMS, alle weiteren über Jupidi versandten Nachrichten kosten den Absender 49 Cent. Julia Schwabe ist Pressesprecherin von Jupidi und hat uns einige Detailfragen über den Dienst beantwortet.



Wo ist der genaue Mehrwert von Jupidi? Zur Nutzung des Services braucht man die Handynummer und den Namen seines Schwarms: wieso schickt man dann nicht direkt eine SMS?

Ist doch eine spannende Sache: Wer findet mich da gut? Hinzu kommt, dass direkte Anfragen zu einer harten Abfuhr führen können. Jupidi gibt weder Name noch Nummer des Absenders frei und fragt im ersten Schritt nur sehr allgemein nach, wen der Angeflirtete gut findet. So kann nicht zurückverfolgt werden, wer die SMS abgeschickt hat. Als Antwort schickt Jupidi nur ein Ja oder Nein, so wird respektive auch keine private Information des Angeflirteten weitergegeben.

Handyservices für Jugendliche haben nicht gerade einen guten Ruf: es gibt immer wieder Berichte über Jugendliche, die sich verschulden, weil sie keine Übersicht über die entstehenden Kosten des Services haben. Gibt es Absicherungen auf jupidi, vor allem weil die Zielgruppe anscheinend sehr jung ist (ab 12) und man kaum erwarten kann, dass in diesem Alter juristische Texte verstanden oder überhaupt angesehen werden.

Den schlechten Ruf haben die meisten Handyservices nur, weil sich der User dort zumeist für ein Abo verpflichtet. Das ist bei Jupidi nicht der Fall, hier muss nur der in Anspruch genommene Service bezahlt werden. Jupidi plant innerhalb der kommenden zwei Wochen eine „Kindersicherung“ einzubauen, die den Eltern die Sperrung der Handynummer ihres Kindes ermöglicht. Zusätzlich wird in den Datenschutzbestimmungen und AGB, welche beide speziell für die Zielgruppe aufbereitet wurden, darauf hingewiesen, dass die Teenager sich zur Zahlungen der Gebühren verpflichten. Sollten sie die Texte nicht verstehen, müssen sie ihre Eltern um Rat fragen.

Was ist an Zettel schreiben auszusetzen? Wie beurteilen Sie persönlich die romantische Komponente einer SMS gegenüber einem handgeschriebenen Zettel?

An einem kleinen romantischen Zettel oder Brief ist überhaupt nichts auszusetzen. Der klassische „Willst du mit mir gehen“-Zettel nimmt aber oftmals noch den Weg durch die gesamte Klasse und bietet somit die Gefahr einer Abfuhr vor der ganzen Klasse. Fragt man aber über SMS und Jupidi nach, ob der Angeschwärmte ähnliche Gefühle hegt, geht man dieses Risiko nicht ein, da die Frage nicht zurückverfolgt werden kann. Erst wenn es zu einem Matching gekommen ist, werden die zwei Flirtkandidaten miteinander in Verbindung gebracht. Hinzu kommt, dass die Jugendlichen heute einfach alles mit ihrem Handy machen, warum dann also beim ersten Flirt nicht auch auf das Handy setzen.

Genau wegen der Anonymität sind Belästigungen oder Beleidigungen ja nicht ausgeschlossen. Kann und wird Jupidi dagegen vorgehen?

Solange der Kontakt zwischen den flirtenden Teenies anonym ist, übermittelt Jupidi die Nachrichten. Jupidi beteiligt sich zwar inhaltlich nicht an der Kommunikation der Nutzer, dennoch behält sich der Service vor, alles, was nach alleinigem, freiem Ermessen von Jupidi gegen die Bestimmung verbotener Inhalte verstößt, zu überprüfen und geeignete rechtliche Schritte zu unternehmen.

Das was noch bleibt

Ob Jupidi einfach die Zeichen der Zeit erkannt hat, ob die Hilflosigkeit verwirrter Teenies finanziell ausgenutzt wird, ob man SMS eine romantische Komponente abgewinnen kann: Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Aber ist da nicht noch etwas anderes? Das wochenlange Herumschleichen um den Schwarm, die Unsicherheit, das erste Ansprechen, die Enttäuschung über eine direkte Abfuhr oder die Erleichterung und Freude über bestätigte Gefühle von Angesicht zu Angesicht – gehört das nicht irgendwie alles dazu, zum harten Teenie-Leben...?

Mehr dazu:

Web: Jupidi