Junk Space: Sprechen statt Sprache?

Doreen

Also, ich möchte sagen, das macht eigentlich schon Sinn. Wobei, ehrlich gesagt, ist das für mich kein Thema. Ich sag mal so, ich würde das anders kommunizieren. An sich okay. Nee, klar. Und so weiter. In Kathrin Rögglas "Junk Space" geht es mitunter genau darum: Das Verkommen unseres Sprechens. Willkommen im Müllraum der Sprache.



Es hätte ein unangenehmer Abend werden können, sitzen auf der Bühne doch „Nörgler, Ausbremser, Verhinderer, Abblocker, Betonierer.“ Dies behauptet Frank Albrecht, der da vorn sitzt, vor weiß-schwarzen Wort-Grafitti-Wänden. Aber dass diese Wörter unkontrolliert wuchern würden wie der Müllraum in der modernen Welt – hiervon der Titel Junk Space – und dass sie dabei überhaupt keine Form mehr haben, diesem Anspruch des Programmheftes wird die szenische Lesung dann doch nicht gerecht. Zum Glück.


„Junk Space“ ist eine Frischfleisch-Produktion, das heißt: bearbeitet von Freiburger Studenten, die regelmäßig zeitgenössische Dramatik ins Kammertheater des Theaters Freiburg bringen. Diesmal waren es Inda Buschmann und Tobias Ergenzinger, die Kathrin Rögglas Stück auf 45 Minuten zusammenstrichen, dabei die Personenzahl drastisch reduzierten. Und nebenbei die ganze Handlung tilgten.

Ein Seminar voller Manager beschreibt das Stück ursprünglich, eine Therapie zur Überwindung der Flugangst. Das war bei der szenischen Lesung bis zum Schluss nicht deutlich. Aber ganz ehrlich, das ist unwichtig – denn was blieb, war die Sprache. Eine Sprache der Angst, die nicht kreativ entdeckend ist, sondern welche die Realität verschleiert, hinter der man sich unentwegt verstecken kann.

Durch die bloße Wiederholung treten die Plattitüden hevor: „Ich möchte auch mal etwas sagen.“ – „Ehrlich gesagt, ...“ Fehlte nur noch: „Ich sag mal so...“ Hier wird nicht mehr definiert, sondern herumgeredet, nicht mehr konzentriert, sondern ausgefranst, nicht mehr aufgedeckt, sondern zugeklebt. Immer die gleichen Wörter, Sprache als Mehrzweckeinrichtung.



Nebenbei wird, dann doch inhaltlich, noch eine Gesellschaft kritisiert, die Seminare braucht, um ihre eigene Arbeitswelt auszuhalten. Fehlerketten – Panikattacke – Terrorismus hießen einige der Schlagworte. Alle Ängste müssen überwunden werden, alle Krankheiten müssen heilbar sein. Zum Wohle der Allgemeinheit soll das Individuum funktionieren.

Der produktive, arbeitende Mensch, der von allen gebraucht wird und nirgends Kosten verursacht, blieb auch auf der Bühne eine Illusion. Und trotzdem befruchtete das inszenierte Seminar das Gemeinwohl: Nach Hause gingen erheiterte Menschen, die als Zuschauer ernstgenommen wurden. Denn, so berichteten die Schauspieler nach der Vorstellung im Publikumsgespräch, erst mit dem Publikum konnte das Stück entstehen. Im Zusammenspiel.

Mehr dazu:

Web: Theater Freiburg fudder.de: Die Gruppe Frischfleisch