Landgericht Freiburg

Junges Paar wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt

Carolin Buchheim (aktualisiert um 16.36 Uhr)

Die Anklage lautete auf versuchten Mord, verurteilt wurden sie jetzt wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Eine 19-Jährige und einen 22-Jährigen erwarten nun Haft und ein Drogenentzug.

Das Landgericht Freiburg hat am Dienstag eine 19-Jährige und einen 22-Jährigen wegen schweren Raubs und schwerer Körperverletzung zu Haftstrafen und Drogenentzug verurteilt. Vom Vorwurf des versuchten Mords und vom Vorwurf der Aussetzung wurden die beiden freigesprochen.


Zur Haftstrafe kommt bei beiden Angeklagten ein Drogenentzug

Die Anklage war zunächst von versuchtem Mord ausgegangen; nach der Beweisaufnahme sah die Staatsanwaltschaft zumindest beim 22-jährigen Stefan M. (alle Namen geändert) den Tatbestand des versuchten Mords erfüllt und hatte acht Jahre und sechs Monate Haft und Drogenentzug gefordert. Bei der 19-jährigen Sandra F. hatte Staatsanwältin Nikola Nowak für drei Jahre Jugendstrafe plädiert.

Stefan S. wurde schließlich zu sieben Jahren und einem Monat Haft verurteilt; er wird zunächst zwei Jahre Haft absitzen müssen, bevor er für zwei Jahre in eine Entziehungsanstalt verbracht wird. Sandra F., die zur Tatzeit 18 Jahre alt war, wurde zu zwei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilt. Sie wird drei Monate Haft absitzen müssen, bevor sie für zwei Jahre einen Drogenentzug absolvieren muss. F. wurde ebenfalls wegen Beleidigung verurteilt, weil sie bei einem heftigen Streit mit ihren Mitbewohnern Polizisten beleidigt hatte und unter anderem gesagt habe, sie hätte sie schon "abgestochen" wenn sie denn keine Polizisten wären.

"Die Jugendstrafe hängt wie ein Damoklesschwert über ihnen," mahnte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin die Angeklagte, die zu Beginn der Urteilsverkündung ihr Gesicht mit Händen und Haaren versteckte und die an ihrer rechten Hand einen auffälligen Verband trug. "Sollte der Entzug nicht erfolgreich sein, werden sie wieder in Haft kommen. Da ist ihre Mitarbeit gefordert."

Sechs Justizbeamte sicherten den Gerichtssaal.

Der Tatplan soll bereits in einem anderen Fall erfolgreich gewesen sein – das Opfer wurde nicht gefunden

Nach zwei Verhandlungstagen, elf Zeugen und zwei Sachverständigen sah es das Gericht als erwiesen an, dass sich das junge Paar im vergangenen Oktober mit dem 48-jährigen Handwerker Peter M. aus der Ortenau über ein Kleinanzeigenportal im Internet zu einem angeblichen Sex-Date verabredet hatte. Für den Akt hatte man ein Honorar in Höhe von 220 Euro vereinbart. Das drogenabhängige Paar wollte sein Opfer eigentlich zu einem Hotel locken, von ihm das Honorar und das Geld für das Hotelzimmer verlangen und dann fliehen; dieser Tatplan soll in einem anderen Fall nach Angaben von F. bereits einmal funktioniert haben.

Opfer M. wollte jedoch nicht in ein Hotel, sondern für den Sexualakt lieber in den Wald. Gemeinsam fuhr man in ein Waldstück beim Eugen-Keidel-Bad; dort übergab M. das Geld und wurde von F. gefesselt. Plötzlich griff S. zu einem Stein, schlug mehrfach auf den Kopf von M. ein und trat ihn.

Auf vielfache Weise schwer verletzt, bewusstlos und nur zum Teil bekleidet, ließ das Paar sein Opfer im Wald zurück, nachdem es ihm Kleidung, einen Geldbeutel mit mehreren hundert Euro Bargeld und zwei Smartphones gestohlen hatte, und fuhr mit dessen Auto davon. Das Auto stellten die beiden in St. Georgen ab; die beiden Telefone verkauften sie am gleichen Abend auf dem Stühlinger Kirchplatz. Insgesamt hatten sie Beute im Wert von etwas mehr als 700 Euro gemacht.

"Es war nicht ganz einfach, in diesem Fall die Feststellungen zur Sache zu treffen", sagte Richter Bürgelin. Das Opfer habe wohl durch seine schweren Verletzungen Erinnerungslücken erlitten. Das Gericht sei schließlich weitgehend den Einlassungen der jungen Angeklagten gefolgt und davon ausgegangen, dass sie vom massiven Gewalteinsatz von Stefan S. überrascht wurde und der gemeinsame Tatplan nur leichte Körperverletzungen beinhaltet habe. Manche Detailfrage, etwa, ob S. den Stein mitgebracht hatte oder ob das Opfer die Augen verbunden hatte, blieb letztendlich ungeklärt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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