"Junger Mann zum Mitfahren gesucht"

Bianca Fritz

So lautete der Text der Anzeige von Peer Hartnack und Marc Pampus, auf die sich Daniel Roth gemeldet hat. Es folgte die erste Bandprobe, es entstand der erste Song – 'Schreien wir zusammen' – und es blieb der Bandname: Dorfdisko. Gestern spielte die Band aus Köln im Jos Fritz und hat die Anwesenden prächtig unterhalten.

Aber erstmal war die Vorband dran: Neonkrieger. Die vier Freiburger Jungs liefern ein gutes Konzert ab; Solide, sauber und engagiert. Sie fühlen sich wohl auf der Bühne, auch wenn es natürlich etwas eng ist. Das Publikum lauscht wohlwollend, tanzen will aber noch keiner so recht, obwohl die Songs durchaus dazu einladen.


Dann kommen Dorfdisko auf die Bühne. Und endlich tut sich was in den ersten Reihen. Die meisten sind zwar auch jetzt vornehmlich mit Kopfnicken und In-die-Hüfte-knicken dabei, aber ein paar mutige Damen wagen das erste Tänzchen. Dem Opener 'Wir kommen um uns auszuleben' kann man sich aber auch nur schwer entziehen.



Es folgten viele schnuckelige Indie-Popsongs, mit Enthusiasmus vorgetragen und von Frontmann Daniel immer wieder mit einem Lächeln garniert. Überhaupt Daniel.
Zwei Worte: androgyn und hingebungsvoll. Er flirtet mit dem Publikum und seine Energie überträgt sich auf die Zuhörenden. Melodie lautet das Zauberwort. Manchmal wird es rockiger, dann wieder steht Sehnsucht über allem, wie bei 'Millionen Fragen'. Und man summt unwillkürlich mit, zu eingängig sind die Melodien, zu zuckersüß die Texte:„...weil ich weiß, das ist kein Sand, wir haben Gold in unsrer Hand“. Manche mögen das kitschig finden, aber wer sagt, dass Kitsch per se schlecht ist?

Es geht ihnen um Gefühle und darum, mit ihren Songs Liebe zu transportieren. Liebe zur Musik, zum Publikum. Und deshalb ist Daniel auch nach dem Konzert noch glücklich, lächelt und sprüht vor Lebenslust. Keine Maske, die er nur auf der Bühne aufsetzt. Dorfdisko leben sich und ihre Leidenschaften. Was für sie zählt, ist der Moment. Und eben das Gefühl, das in genau dem Moment entsteht. Jeder Song soll beim Hörer etwas wachrufen: Wut, Liebe, Aggression, Freude, Sehnsucht, Trauer, Glück.

Daniel erzählt, dass ihnen der Name Dorfdisko schon viel schlechte Presse eingebracht hat. Aber wahrscheinlich waren das allesamt Journalisten, die noch nie in einer tollen Dorfdisko waren. Daniel ist früher jedes Wochenende 30 Kilometer mit seiner Vespa durch den Taunus gefahren, um genau in der einen Dorfdisko in der Nähe von Frankfurt seine Jugend zu erleben. Dort fand er dann, was es in der großen Stadt mit den bunten Lichtern nicht gab. Viele Musikstile, in der Musik aufgehende Leute und Liebe.



Bei der Zugabe im Jos schließt sich dann endlich auch der Graben zwischen Bühne und Konzertbesuchern vollständig. Es wird getanzt, gesprungen, gehüpft und mitgesungen. Kein Wunder, es sind Stücke vom ersten Album, die Dorfdisko jetzt zum Besten geben.

In Berlin im Knaack haben sie übrigens als nachträgliches Nikolaus-Geschenk von einem Fan – einer älteren Dame – Kuscheltiere bekommen. Mit Namensschildchen für jeden. Und für die, die sich das auch gefragt haben: Daniels Augen waren nicht geschminkt. Er ist eben ein geborener Rockstar.

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