Junge Union gegen John Travolta

Christoph Müller-Stoffels

Psycho-Organisation in Freiburg. Am 16. März eröffnet Scientology ein "Zentrum für Lebensfragen" in der Freiburger Altstadt. Zwei Wochen später soll der bekennende Scientologe John Travolta (Foto o.l.) auf Einladung der ZDF-Sendung "Wetten, dass...?" hier an der Dreisam gastieren. Dagegen protestiert nun die Freiburger Junge Union (JU) in einem Brief an den Fernsehsender. Worum es geht? Wir haben uns mit JU-Chef Daniel Sander (Foto o.r.) unterhalten.



Herr Sander, Sie haben einen Brief an das ZDF geschrieben. Worum genau geht es?

Daniel Sander: Am 31. März ist das ZDF mit der Sendung “Wetten, dass...?” zu Gast in Freiburg. Zu den Gästen zählt unter anderem John Travolta, der nicht nur ein bekannter Schauspieler ist, sondern auch Mitglied bei Scientology. Wir können es nicht gutheißen, dass sich diese Organisation in einer derart beliebten Familiensendung präsentieren darf. Selbst, wenn der Name Scientology nicht fällt, gilt Travolta doch als eines ihrer Aushängeschilder. Wir haben das ZDF gebeten, John Travolta wieder auszuladen, um der gefährlichen Organisation die Möglichkeit der positiven Präsentation zu nehmen.

Glauben Sie, dass das ZDF auf Ihre Bitte eingeht?

Wir hoffen natürlich, dass der Sender das tut. Wir werden sehen...

Was haben Sie vor, sollte Travolta doch nach Freiburg kommen?

Wir werden sicherlich vor dem Veranstaltungsort Informationen zu Scientology verteilen. Auch anlässlich der Eröffnung des “Zentrums für Lebensfragen” am 16. März in der Augustinergasse 2 werden wir die Bürger informieren. In diesem Zusammenhang haben wir auch Johannes Schmalzl, den Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, eingeladen. Er wird am 19. März um 19 Uhr in Freiburg über die Organisation informieren. Den Ort geben wir noch bekannt.

Was genau stört Sie an Scientology, die sich immer wieder als harmlose Religionsgemeinschaft darstellen?

Eigentlich ist Scientology keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft, sondern ein weltweit agierendes Wirtschaftsunternehmen und eine Psycho-Organisation, die viele ihrer Mitglieder unter massiven seelischen Druck setzt.

Sie schreiben in Ihrem Brief an das ZDF auch, Scientology würde politische Macht anstreben.

Das ist tatsächlich so. Der Verfassungsschutz Baden-Württembergs berichtete letzten Monat, dass die Organisation in einer landesweiten Propaganda-Aktion Werbung an alle Bürgermeister des Landes verschickt hat, in denen sie sich positiv und verharmlosend darstellt. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes strebt Scientology vehement nach politischer Macht.

Wie sehen die anderen Parteien Ihrer Erkenntnis nach die Organisation?

Ich denke, die sehen das ähnlich. Die CDU-Fraktion hat kürzlich eine Resolution in den Stadtrat eingebracht, die nun von den anderen Parteien beraten wird. Darin wird Scientology unter anderem erklärt, dass die Organisation in Freiburg unerwünscht ist. Verbieten können wir der Organisation nicht, sich in der Stadt niederzulassen. Aber wir können mit allen demokratischen und rechtstaatlichen Mitteln gegen sie vorgehen. Dazu gehört auch öffentlicher Druck.