Junge Literatur in Freiburg (1): Claudia Weise

Claudia Kornmeier

Gibt es in Freiburg eine Literaturszene unter jungen Autoren? fudder hat sich auf die Suche gemacht und mit sechs von ihnen gesprochen. Wie kamen sie zum Schreiben? Wie schätzen sie die Freiburger Autorenszene ein? Und: Ist Literatur für sie mehr als nur ein Hobby? In dieser Woche werden wir Euch sechs junge Freiburger Autorinnen und Autoren vorstellen. Den Anfang macht heute Claudia Weise, 28.



Wie Claudia zur Herausgeberin einer Literaturzeitschrift wurde

„Aus Protest“, sagt Claudia. „Aus Protest gegen den Mangel an Kultur in unserer Schülerzeitung habe ich ein Literaturblatt gegründet.“ Es folgte ein Gedichtband mit einer Kollektion von Schülergedichten, an die Claudia heute aber lieber nicht mehr erinnern möchte.

Später hat sie Gedichte in der Allmende und in Signum veröffentlicht, an medizinhistorischen Projekten für die Universitätsblätter und einem Dichter- und Denker-Stadtplan gearbeitet.

Ihr größtes Projekt ist aber das Literaturheft „Kalliope“. Gemeinsam mit Ahmad Milad Karimi gibt Claudia seit 2008 die Zeitschrift für Literatur und Kunst heraus. Trotz finanzieller Probleme möchte Claudia das Heft unbedingt weiterführen, da es ihr sehr am Herzen liegt. Über die Arbeit für „Kalliope“ ist sie auch zur Übersetzerin geworden. Ohne bulgarisch zu sprechen, nur mit Russischkenntnissen, Grammatik und Wörterbuch hat Claudia Gedichte einer jungen Bulgarin übersetzt.

Literaturszene in Freiburg?

„Für Kalliope suchen wir auch immer nach jungen Autoren. Wir sind dabei noch nicht mal auf Freiburg beschränkt und haben trotzdem sehr große Probleme, gute Texte zu finden.“

Literatur als Beruf?

Claudia hat Medizin studiert. Macht im Moment ihren Facharzt. Und möchte auch der Medizin treu bleiben.

„Manchmal ist die Medizin inspirierend, manchmal aber auch zu absorbierend.“ Dann bleibe schon zeitlich kein Freiraum mehr, um sich mit der Literatur zu beschäftigen.

Leseprobe

The Latecomers
aus Solitude Trilogy nach Glenn Gould

Um die Insel schlägt die See.
Wie Brücken über das Wasser
gleiten lastenschiffende Fähren.
Von einer Sprache erfahren wir
den Gegensatz unserer Worte
aus fremden Mündern.
Die Gnade der Abgeschiedenheit
enthält uns nicht die Wahrheit.
Aus unseren Fenstern
schauen wir zurück, hinaus,
immer in uns verhalten,
oder in die Gesichter, die trügen.
Ihr blickt hinüber
und lasst in Metaphern verlauten.
Wie können wir die Verse deuten.
Zwischen zwei Felsen,
zwischen den Leuchttürmen,
den schattenhaften Deutern
und schaffensreichen Dichtern
bei den alten Eichen und den Walen.
Immer zu der rechten Zeit
im Vollzug ihrer Werke.

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