Julietta: Münchner Mixlady

Bernhard Amelung

Julietta ist eine bayrische Plattenauflegerin, die den Durchbruch geschafft hat. Vor einigen Jahren glänzte sie noch bei technoiden Bootsausflügen über den Chiemsee, inzwischen hat sie die Residency namhafter Clubs in ganz Europa übernommen. Ein Interview vor ihrem Freiburger Gastspiel am Samstag.



Julietta, wie hat deine Karriere als Plattenauflegerin begonnen?

Anfang der 1990er Jahre, in einem der allerersten Houseclubs in München, dem Babalu. Da sah ich zum ersten Mal einem DJ aus nächster Nähe beim Mixen zu. Ich war fasziniert, was da so passierte, wenn aus zwei Platten ein neuer Track wird. Das hat mich damals so geflasht, dass ich das sofort lernen wollte. Damals aber ohne jegliche Ambitionen, in Clubs zu spielen.

Wie lange hat es dann gedauert bis zu deinem ersten Clubgig?

Es verging eine ganz schöne Weile. Mich hat es vorerst eigentlich überhaupt nicht interessiert, vor Publikum zu spielen. Mir ging es eher um das Sammeln von Platten und darum, Freunde permanent mit neuen Mixtapes zu erfreuen oder stundenlang zuhause verschiedenste Platten ineinander zu mixen. Als mich dann viele Jahre später ein Freund dazu überredete, sein Warm up im damaligen Ultraschall zu spielen, änderte ich meine Meinung noch in derselben Nacht. Mir wurde dort auch sofort angeboten, regelmäßig zu spielen.



Du bestreitest mittlerweile mehrere sogenannter Club-Residencies. Welche Vorteile hat eine Residency in deinen Augen?

Eine Residency ist für mich so etwas wie ein Heimathafen, in den man immer wieder zurückkehrt. Man kennt die Leute dort, kann das Publikum einigermaßen einschätzen und hat auch so etwas wie eine Spielwiese, um neue Dinge auszuprobieren. Für mich ist das momentan primär das Harry Klein in München, wo ich regelmäßig zur Hauptzeit, aber auch gern das Warm up spiele. Da kann man dann auch sehr gut neue Tracks antesten und Platten spielen, die sonst für Prime Time Sets in anderen Clubs zu langsam sind.



Kann es nicht auch nachteilig sein, regelmäßig in denselben Clubs vor denselben Leuten aufzulegen?

Klar ist es von Nachteil, ausschließlich in einem Laden zu spielen, da man so nie wirklich lernt, auf unterschiedliches Publikum einzugehen. Das erfährt man erst, wenn man etwas rumkommt und verschiedene Clubs und deren Crowd sieht.

Hast du ein bestimmtes Rezept, um den Funken überspringen zu lassen und den Club zum Kochen zu bringen?

Das wäre natürlich praktisch, aber irgendwie auch langweilig. Auf eine gewisse Weise macht ja dieses Ungewisse vor jedem Abend auch einen Teil des Reizes aus. In jedem Club ist das Publikum anders, reagiert auf die unterschiedlichsten Platten. Ein Track, der noch am Abend zuvor Jubelstürme auslöste, kann am nächsten Abend für die neue Crowd gähnende Langeweile bedeuten.

Wie reagierst du, wenn trotz aller Anstrengung keine Platte zieht und niemand tanzt?

Sowas ist zwar zum Glück sehr selten, kann aber schon mal passieren. In der Not greift man dann zu irgendwelchen Klassikern in der Hoffnung, das Publikum so auf die Tanzfläche zu bewegen. Wenn das auch nicht zieht, ist das natürlich bitter. Dann war's vielleicht der falsche Laden und die Leute wollen lieber R'n'B hören (lacht).



Du hast dich auch der Netzwerk-Plattform female:pressure angeschlossen. Was ist das Anliegen dieses Projekts?

female:pressure gibt es ja schon seit über zehn Jahren und wurde zu einer Zeit gegründet, in der sich die weiblichen DJs in der männerdominierten DJ-Welt noch wesentlich mehr behaupten mussten. Das Ganze war als Plattform gedacht, in der sich alle Teilnehmerinnen untereinander austauschen und unterstützen können. Glücklicherweise gibt es im Laufe der letzten Jahre immer mehr Mädels in unserer Branche und auch die Einstellungen dazu haben sich etwas geändert.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich war noch nie ein Mensch, der für die nächsten Jahre einen genauen Plan oder ein Ziel vor Augen hat. Eher im Gegenteil. Es kommt, wie's kommt! Geplante Projekte gibt es so einige. Von denen verrate ich aber nichts, bevor's soweit ist (lacht).

Was können die Freiburger Clubgänger am Samstagabend erwarten?

Ich freu' mich ganz besonders auf diesen Abend, da die 18Months-Party im vergangenen Jahr zu einem meiner schönsten Gigs 2008 zählt. Ich hoffe, er wird wieder so sensationell! Erwarten kann man einen buntgemischten Abend von House über Minimal bis Techno. Alles, was ich gerne mag.

Mehr dazu:

Julietta: MySpace

Was: Julietta bei der Single Nacht
Wann: Samstag, 18. April, 23 Uhr
Wo: 18 Months, Kaiser-Joseph-Straße 244