Julian Schuster: "Jedes Tor für Luis"

David Weigend

Mal abgesehen von einem unglücklichen Pass in Rostock ist Julian Schuster einer der wichtigsten SC-Leistungsträger in der Rückrunde geworden. Vor dem morgigen Heimspiel gegen Augsburg zeigt er im großen fudder-Interview auch seine nicht-sportlichen Seiten: Der 23-Jährige über sein junges Vaterglück und seine Vergangenheit als Bankkaufmann.



Und Julian, gut geschlafen?

Ja. Und gut aufgewacht. Mein Sohn Luis ist mein Wecker, täglich. Er ist jetzt 14 Monate alt, abends um acht bringen meine Freundin und ich ihn ins Bett und gegen 7.30 Uhr morgens meldet er sich. Dann gibt's Frühstück. Wenn es der Zeitplan und das Wetter so wie heute zulassen, machen wir danach noch einen kleinen Spaziergang.

Kann Luis schon laufen?

Noch nicht. Trotzdem ist meistens ein Ball dabei, wenn wir spielen. Er ist der erste Enkel unserer Eltern und wird mit Geschenken überhäuft. Wenn er nicht mit dem Ball spielt, schauen wir oft Bücher mit ihm an. Und er mag Tiere, zum Beispiel den Hund von der Mutter meiner Freundin.



Du bist mit 22 Vater geworden. Was bedeutet dir das?

Die Geburt meines Sohnes war in meinem Leben bisher der schönste Moment überhaupt. Ich durfte Gott sei Dank dabei sein. So was lässt sich in Worten nicht ausdrücken. Das muss man selbst erlebt haben, um es nachvollziehen zu können.

Wie ist das, wenn man so jung ein Kind bekommt?

Meine Freundin ist Erzieherin, sie studiert Frühpädagogik an der PH in Freiburg. Wir kommen beide aus großen Familien, ich habe auch schon zwei Patenkinder. Ich liebe Kinder und habe sie gern um mich. Auch wenn Kindergartenkids bei unserem Training zuschauen und abgehen, sobald ein Tor fällt, geht mir das Herz auf.



Du hast eine Lehre zum Bankkaufmann absolviert. Konnte man früher zu dir an den Schalter gehen und Geld einzahlen?

Klar. Ich arbeitete in einer Filiale der Landesbank Baden-Württemberg in Bietigheim-Bissingen. Dort stand ich auch am Schalter, ich durfte Kunden als Juniorberater betreuen. Die reine Schalterarbeit fand ich nach einiger Zeit aber doch ein wenig eintönig.

Kommen deine Mannschaftskollegen zu dir, um sich in Finanzfragen beraten zu lassen?

Es ist schon so, dass wir in der Kabine über aktuelle Themen reden, natürlich auch über die Finanzkrise. Klar habe ich da als Banker vielleicht etwas mehr Ahnung als andere. Aber wir haben viele Spieler, die sich privat ausführlich mit Finanzfragen auseinandersetzen. Als Vermögensberater habe ich beim SC noch nicht fungiert.

Mal angenommen, ich würde genauso viel verdienen wie ein SC-Profi. Was würdest du mir als Vermögensberater empfehlen?

Nun ja, ich kann echt nur aus meiner persönlichen Warte sprechen. Ich habe da eher eine vorsichtige Einstellung und bevorzuge eine konservative Anlage. Um auf deine Frage zurückzukommen: ich glaube nicht, dass wegen mir der eine oder andere Spieler auf konservative Anlagen umsteigen würde (grinst).



Bevor du beim VfB Stuttgart gekickt hast, warst du dort als Praktikant im Marketing aktiv. Was lernt man dort?

Das Übliche: wie man Sponsoren betreut und wie man Werbung macht für den Verein. Ich musste zum Beispiel am Spieltag Sponsorenvertreter durchs Stadion führen und klären, wo einzelne Werbungen platziert werden.

Du hast eine eigene Website. Wie wichtig findest du es, dass sich ein Fußballprofi heutzutage in dieser Form präsentiert?

Meine Website ist noch nicht ganz fertig. Sie war ein Geburtstagsgeschenk von einem Kumpel, der diese Internetsachen privat sehr gern macht. Ich denke schon, dass das wichtig ist. Man sollte Fans die Möglichkeit geben, etwas über einen zu erfahren. Das darf auch ruhig ins Private gehen.

Gerhard Poschner, Ex-Profi beim VfB, ist dein Berater. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Gerhard Poschner ist nicht nur mein Berater, sondern auch mein Freund. Er kommt auch aus Löchgau, wir haben uns schon vor langer Zeit kennengelernt. Er brachte mich damals von der Kreisliga A in die Regionalliga.



Der FV Löchgau ist dein Heimatverein. In der Saison 2003 / 04 hast du dort als A-Jugendlicher 40 Tore geschossen. Bist du eigentlich Stürmer?

Nein, ich war damals schon ein Sechser, defensives Mittelfeld. Das war eine unglaubliche Runde. Da habe ich mal fünf Tore in einem Spiel geschossen. Am coolsten waren die Derbys gegen unseren Nachbarort Freudental: Dort stehen dann 500 Leute am Platz. Die Rentner lauern mit ihren Schirmen nach dem Spiel an der Imbissbude und du musst aufpassen, dass du auf dem Weg vom Platz keine abkriegst.

Gleich werdet ihr unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren. Macht ihr da komplett andere Sachen als beim Training mit Zuschauern?

Nein. Ich denke, dass wir gezielt in Hinblick aufs nächste Spiel ein paar taktische Sachen einstudieren werden. Die muss der Gegner ja nicht unbedingt gleich wissen.

Du hattest mehrere Angebote, als du Stuttgart verlassen wolltest. Warum bist du nach Freiburg gekommen?

Ich kannte Robin Dutt noch aus der Zeit, als wir mit den VfB-Amateuren gegen die Stuttgarter Kickers spielten. Als wir ins Gespräch kamen, wurde schnell deutlich, dass ich bei ihm moderne Trainingsmethoden kennenlernen würde. Das war für mich ausschlaggebend. Klar habe ich sehr viel gelernt in Stuttgart, bei Rainer Adrion und Armin Veh. Ich habe ihnen eine sehr gute Entwicklung zu verdanken. Aber mein Ziel ist es, das, was ich gelernt habe, später mal weiterzugeben. Je mehr ich jetzt mitbekomme, desto besser.



Seit Beginn der Rückrunde überzeugst du mit Johannes Flum im Mittelfeld. Die Kollegen Ivica Banovic, Eke Uzoma und Ali Günes haben das Nachsehen. Wirkt sich das nicht aus im täglichen Umgang zwischen euch?

Der Trainer hat den Kader bewusst mit Charakteren zusammengestellt, die mit solchen Situationen umgehen können. In der Hinrunde saß ich auf der Bank. Wir haben jetzt drei gute Spiele hingelegt und sind froh darüber. Aber es kann sich auch schnell wieder drehen. Wer gut trainiert und am besten drauf ist, der spielt. So wird es auch weiterhin sein und da ist es dann auch ganz egal, wer auf dem Platz steht. Wir haben ein gemeinsames Ziel und das heißt Aufstieg. Egal wie und egal, wer von uns spielt.

Was ging eigentlich nach dem Rostockspiel in der SC-Kabine ab?

In der Kabine herrschte die Freude nach einem sehr wichtigen Sieg, das spürte jeder. Aber lang freuen konnten wir uns ohnehin nicht. Wir haben noch im Hotel am nächsten Morgen mit der Regeneration begonnen, ehe wir die Heimreise angetreten sind.

Die Kombi "Freistoß Schuster, Annahme und Tor Rodionov" gab es in Rostock gleich zweimal zu sehen. Einstudiert oder Zufall?

Auf den Zentimeter genau kann man so etwas sicher nicht einstudieren, aber von Zufall kann man überhaupt nicht sprechen. Wir trainieren diese Standards sehr intensiv. Und Vitali hat einen guten Torriecher.

Hat sich Vitali für deine doppelte Torvorlage nach dem Spiel gesondert bedankt?

Ich denke nicht, dass ein gesonderter Dank innerhalb des Teams nötig ist. Aber natürlich kam er lachend auf mich zugerannt und wir haben uns abgeklatscht.

Falls du gegen Augsburg ein Tor schießt, widmest du das dann jemandem?

Ich widme es immer meiner Freundin und meinem Sohn. Ich schicke einen Handkuss hinterher, dann wissen die gleich bescheid.

Mehr dazu:

Was: SC Freiburg – FC Augsburg
Wann: Freitag, 20. Februar, 18 Uhr
Wo: Dreisamstadion (Karten noch in allen Kategorien erhältlich, VVK nutzen!)

fudder-Interviews mit (ehemaligen) SC-Spielern: