Julian Philipp David: Songwriter-Rap von einem, der in Freiburg das Rappen lernte

Stefan Mertlik

Der bei Freiburg geborene Rapper Julian Philipp David hat seine Band Tonomat 3000 hinter sich gelassen und über Universal Music die Solo-EP "Herbst" veröffentlicht. Stefan Mertlik hat sich die Platte angehört.

Der 24-jährige Julian Philipp David hat 2012 das getan, was viele junge Menschen in Deutschland tun: Fürs Studium verabschiedete er sich von der beschaulichen Heimat, um einen neuen aufregenden Lebensabschnitt in der Großstadt zu beginnen. Den bei Freiburg aufgewachsenen Rapper mit Musikvereins- und Jazzorchestervergangenheit verschlug es auf die quadratisch angeordneten Straßen Mannheims, wo er sich nicht nur auf das Popmusikdesign-Studium, sondern mit der eigenen Kunst auch auf ein zweites Standbein konzentrierte.


Mit neuen Freunden gründete er die Gruppe Tonomat 3000, die in Form von Bandcontests, Online-Votings und einer damals zur Grundausstattung gehörenden MySpace-Seite durch die harte Musikerschule der 2010er ging.

Video: "Herbst" von Julian Philipp David



Was bereits in Freiburg mit seiner "Schülerband" Lingulistig begann und mit Tonomat 3000 noch ein Stückchen professioneller fortgesetzt wurde, gipfelte Ende 2016 in einem Soloprojekt unter bürgerlichem Namen. Am 25. November vergangenen Jahres veröffentlichte Julian Philipp David über das Major-Powerhouse Universal Music seine mit fünf Liedern bestückte EP "Herbst", die sowohl seine HipHop-Sozialisation bestehend aus Platten von den Beginnern und Dynamite Deluxe als auch seine Zeit als Frontmann von Lingulistig und Tonomat 3000 zusammenfasst. Produziert wurde das Werk von Jens Schneider, der in der Vergangenheit bereits mit Musikern wie Joris, Max Giesinger und Adesse zusammenarbeitete.

Songwriter-Rap für Erstsemester

Julian Philipp David nennt seine Musik "Songwriter-Rap" und fügt der deutschen Popmusik – laut Pressetext – damit eine neue Facette hinzu. Gemeine Zungen könnten dagegen behaupten, dass er ein bisschen zu sehr von der Speerspitze deutschsprachiger Abschlussklassen-Rapper rund um Prinz Pi, Casper und Gerard inspiriert wurde. Inhalte, Wortwahl und Aufbau seiner Lieder klingen wie schon einmal gehört. Da passt es nur zu gut ins Bild, dass er auf "Zu Hause" – der Liebeserklärung an seinen in Deutschland verteilten Freundeskreis – Vocal-Samples aus Prinz Pis "Homie Hymne" verbrät.

Video: "Zu Hause" (live) von Julian Philipp David



Der sympathische Rapper, der mehr Vornamen besitzt als der alte Adel, liefert mit "Herbst" einen Soundtrack für die mit Weltschmerz beladenen Erstsemester ab. In seiner Musik dreht sich das Leben um verflossene Jugendlieben und das Verlassen der Heimat – also um eine Zeit, in der alles noch neu und aufregend ist. So vergleicht er im titelgebenden Eröffnungsstück das Ende einer Beziehung mit einem Sommer, der nicht ewig halten kann. Die Themenwahl wird nicht für alle Hörer funktionieren, da Julian Philipp David Musik macht, deren Wirkung sich vermutlich dann am besten entfaltet, wenn sich die Lebensrealitäten von Hörer und Interpret überschneiden.

Rap ist Mittel zum Zweck

Musikalisch bedient sich Julian Philipp David an warmen und organisch klingenden Beat-Unterlagen, die live auch weiterhin eher nach einer klassisch besetzten Band als nach einem DJ mit Boom bap-Instrumentals verlangen. Häufig verfällt er gerade in den letzten Silben eines Taktes in einen melodischen Singsang-Stil, der die massentaugliche Ausrichtung seiner Popnummern noch einmal unterstreicht. Überhaupt scheint Rap für ihn vielmehr Mittel zum Zweck als brennende Leidenschaft mit der Suche nach dem nächsten spektakulären Mehrfachreim zu sein. Julian Philipp David möchte durch Inhalte statt verbissen erarbeitete Rap-Technik überzeugen.

Zum Mitsingen gemachte "da da da"- und "oh oh oh"-Passagen treffen auf Ohrwurmrefrains, deren Zielgruppe extra für ihn nicht mehr geschaffen werden muss. "Herbst" bietet glattgeschliffene Musik, die in ihren stärksten Momenten zu Melancholie-Orgien einlädt, in ihren schwächsten dagegen austauschbar klingt. Für meinen Geschmack könnte sich Julian Philipp David noch ein paar Ecken und Kanten schaffen, inhaltlich etwas mutiger werden und seiner Rap-Technik mehr Abwechslung verleihen. Vielleicht gehöre ich aber einfach nicht zu seinen Adressaten. Gespannt bin ich dennoch, welcher Jahreszeit er auf Albumlänge Musik widmen wird.
Album

"Herbst" gibt es in digitaler Form auf allen einschlägigen Streaming- und Download-Portalen sowie in analoger Form als Vinyl. ansehen. Eine für April angekündigte Tour führt Julian Philipp David auch nach Baden-Württemberg, wo er in Mannheim und Stuttgart Konzerte spielen wird.