Julia ist Deutschlands beste Auszubildende

Christian Deker & dpa

Sie ist die beste deutsche Auszubildende: Julia Göpfert aus Ehrenkirchen erreichte in ihrer Abschlussprüfung alle 100 möglichen Punkten. Im Abschlusszeugnis der Industrie- und Handelskammer (IHK) steht die Traumnote 1,0.



Die frisch gebackene Industriekauffrau aus einem Betrieb in Freiburg ist trotzdem bescheiden geblieben. „Der gute Abschluss freut mich zwar, ist mir aber nicht wahnsinnig wichtig“, sagt sie. „Ich erzähle nicht jedem davon.“ Die 22-Jährige wurde heute in Mannheim als Landesbeste der erfolgreichsten Auszubildenden in den IHK-Berufen ausgezeichnet. Am 7. Dezember soll sie außerdem in Berlin von Bundespräsident Horst Köhler als Bundesbeste geehrt werden.


Dass die Klausuren in der Abschlussprüfung der Berufsschule gut liefen, war Göpfert schon klar: „Ich hatte etwa mit einer 1,6 im Schnitt gerechnet.“ Als sie Mitte Juni die Ergebnisse ihrer Prüfung erfuhr, war sie aber überrascht – und traute der Sache zunächst nicht ganz. In allen drei Klausuren hatte sie eine glatte Eins geschrieben.

Erst nachdem sie zweimal bei ihrem Klassenlehrer nachgefragt hatte, war sie sicher, dass die Noten stimmten. „Mit so einem Ergebnis rechnet man ja nicht“, sagt Göpfert. Auch ihre mündliche Prüfung – eine Präsentation über Marketingmethoden – wurde mit 1,0 benotet.

Obwohl sie eigentlich schon immer Lehrerin werden wollte, war für Göpfert nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium klar, dass sie eine Berufsausbildung machen wollte. Ihr Interesse führte sie in die Industrie, zum Freiburger Brillenglas-Hersteller „Essilor“. Dort ist man natürlich stolz auf die gute Prüfung. Daran habe der Betrieb aber auch einen kleinen Anteil, wie Firmensprecher Reinhold Steidle sagt. „Wir legen im Unternehmen viel Wert auf selbstständiges Denken.“

Julia Göpfert habe die Gabe, selbstständig und forsch an die Aufgaben heranzugehen; andere Auszubildende müsse man mehr anschieben und fordern. „Frau Göpfert stand oft in der Tür und fragte: 'Wie geht es weiter'?“, sagt Steidle. „Das ist eben auch eine Frage der Persönlichkeit.“

Göpferts Leistungsstärke zeichnete sich schon in der Schule ab. Im Wirtschaftsabitur hatte sie einen Notenschnitt von 1,9 – „auch gut, aber eher normal“, wie Göpfert sagt. Während der Ausbildung habe sie dann aber der Ehrgeiz gepackt: „Ich habe mich voll reingehängt, weil ich plötzlich einen Bezug zur Praxis hatte.“

Trotz des guten Abschlusses arbeitet Göpfert heute nicht als Industriekauffrau. Sie hat vor einigen Wochen ein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg begonnen. „Ich hatte Angst davor, den Absprung nicht mehr zu schaffen, wenn ich im Berufsleben stehe“, sagt sie.

Den Buchgutschein, den sie von der IHK als Preis erhalten hat, habe sie für ein Buch über Erziehungswissenschaft eingelöst. Der Traum vom Lehrerberuf ist also geblieben – bei aller Begeisterung für die Industrie. Vielleicht kann sie so bald selbst gute Noten vergeben.

Mehr dazu:


[Bild: dpa]