Jugger - Science-Fiction-Rugby mit einem Hundeschädel

Anselm Müller & Joel Montagud

Auf der oberen Wiese beim Seepark, unweit der Stusiebar, spielen sich jeden Sonntag um 15 Uhr sonderbare Szenen ab. Da kämpfen Jugendliche mit martialisch-mittelalterlich anmutenden Waffen um ein Spielgerät, das aussieht wie ein Hundeschädel (Foto oben). Jugger nennt sich dieses Spiel, das den Betrachter an Rugbysport aus Science-Fiction-Filmen erinnert. Anselm erklärt Euch, um was es sich dabei dreht.



Das Spiel:

Seit mehr als sechs Jahren gibt es die Freiburger Gossenhauer, die den Jugger-Sport beim Seepark betreiben. “Wir sind ungefähr zehn bis fünfzehn Mann, das variiert immer etwas”, erläutert Johannes Aldinger (Informatikstudent), der von allen nur Aldo gerufen wird. Er trägt ein braunes Shirt mit dem “Wappen” der Freiburger (links).


Sehr oft schauen sich Passanten verwundert um, wenn sie sehen, wie sich die zwei Mannschaften mit Waffen bekämpfen. Wobei der Ausdruck Waffe etwas grimmig klingt. Die großen Stäbe (Fachterminus: Pompfen), die an beiden Enden gepolstert sind, können kaum Verletzungen verursachen. Auch die furchteinflößende Kette ist aus Plastik und hat an ihrem Ende eine Kugel aus Schaumstoff. Alle Waffen sind in Eigenproduktion entstanden und unterliegen den allgemeinen deutschen Juggerregeln. Spielball ist der “Jugg” ein Schaumstoffstück, das die Form eines Hundeschädels hat (Foto oben). Zum Spielen werden die Waffen, ein Jugg, zwei Male und eine Wiese (möglichst 40 Meter lang) benötigt.

“Wenn man Jugger in einem Satz erklären will, bedeutet dies, dass der Jugg vom Läufer in das gegnerische Mal gebracht werden muss”, sagt Aldo. Die gegnerischen Kämpfer versuchen dies zu verhindern. Nur die beiden Läufer dürfen sich im griechisch-römischen Kampfstil stoppen. Die Krieger können sie nur mit ihren Waffen erledigen!

Die Ursprünge des Spiels:

Das Spiel, die Waffen, die Zeiteinheit: “Stein” und der “Spielball” sind einem australischen Science-Fiction Film mit Rutger Hauer aus dem Jahre 1989 entlehnt und wurde von Berlinern und Hamburgern (beide streiten sich wer der erste in Deutschland war?immer diese Eitelkeiten!!!) erfunden. Im Film ziehen die Juggermannschaften durch eine Endzeitwelt und bekämpfen sich gegenseitig, die Sieger werden in die “Liga” aufgenommen und dürfen als “Gladiatoren” in der Stadt kämpfen.



Der Kick des Spiels:

Der Reiz des Spiels wird von Bernd (Mathematikstudent) beschrieben: “Man kann Aggressionen loswerden. Und es ist etwas Besonderes, da es nicht viele spielen. Dabei steht weniger Gewalt im Vordergrund als die Geschicklichkeit mit der Waffe und ddas Verständnis der Spielsituationen.” Alle Beteiligten spielten außer zwei Ausnahmen in kurzen Hosen und T-Shirts. Schutzkleidung waren Handschuhe, da Schläge auf die Hände etwas unangenehm sind (schmerzt aber auch nicht höllisch, habe selber einen Schlag abbekommen).

Durch meine eigene Erfahrung kann ich sagen, dass ich das Spiel nicht gefährlicher als Fußball oder Handball finde. Dies gilt jedoch nur für die Trainingseinheit, die Härte bei einem Turnier ist höher, wie mir alle Beteiligten bestätigt haben. Doch gibt es auch dort keine größeren Verletzungen. Seit 2003 wird eine “Bundesliga” ausgespielt. Derzeit belegen die Freiburger Gossenhauer den zweiten Platz. Auf den sieben Turnieren, die in ganz Deutschland stattfinden, können die Teams (insgesamt gibt es 18, 14 spielen die Liga aus) je nach Platzierung Punkte sammeln.

Dass Jugger kein reiner Männersport ist beweist Tanja (Abiturientin). Sie ist über einen Freund zu Jugger gekommen, wie die meisten hier. “Jugger macht einfach Spaß, weil es viele verschiedene Sportarten verbindet, man muss schnell sein, über eine gute Körperbeherrschung verfügen und Kraft haben. Ferner kann man sich beim Spiel so richtig austoben, dass ist auch noch ein Grund, warum ich seit mehr als eineinhalb Jahren spiele.” “Wer Lust hat, darf gerne zum Training am Sonntag (15 Uhr) kommen und sich seine eigene Meinung bilden. Neue Juggermitglieder sind gerne willkommen”, sagt Uli Gabrecht (Mikrosystemtechnikstudent), der erster Ansprechpartner für Neumitglieder ist.

Also wenn ihr nächstes Mal Leute im Seepark sieht, die martialische Schreie ausstoßen und sich mit Keulen und Stäben verkloppen, wisst ihr ja nun: Sie juggern!!!

Der Selbsterfahrungsbericht:

Drei, zwei, eins, Jugger! Der Schlachtruf ertönt. Ich renne los! Ich werde immer schneller und schwinge meine Waffe (einen großen Stab!). Unsere Gegner kommen mit riesigen Schritten auf uns zu. Nur keine Panik! Ruhig den Stab in Angriffsstellung bringen. Die Mitte des Feldes und der Jugg sind das Ziel. Alles Störende außer meinem Gegner und seiner Waffe wird ausgeblendet - die stechende Sonne, die verwunderten Blicke der Passanten, die Trommelschläge, die die Zeit angeben. Und natürlich meine Unerfahrenheit.

Fünf, drei, zwei Schritte - der Kampf geht los. Den ersten Schlag gut mit der Waffe pariert, sofort den Gegenangriff gestartet. Doch mein Gegner wehrt leicht und geschmeidig meinen eher plumpen Angriff ab. Nun versucht er selbst, mich am Fuß zu treffen. Doch ich schaffe es in letzter Sekunde hochzuspringen. Leider vergeblich, da mich mein Gegner, bevor ich wieder stehe mit einem zweiten Schlag getroffen hat. Nun kniee ich also nieder und muss fünf Steine (ein Stein = ein Schlag der Trommel) abwarten, bevor ich wieder in das Geschehen eingreifen kann. Es bleibt Zeit, um zu schauen, wie sich meine Mannschaftskameraden geschlagen haben. Unser Kettenmann hält sich seine Gegner durch die Länge seiner Waffe vom Leib. Hinter ihm ist unser Läufer mit dem Jugg in Sicherheit. Sobald der Weg durch den Kettenkrieger freigekämpft ist, sprintet unser Läufer auf das gegnerische Mal zu. Es gibt nur noch den gegnerischen Läufer. Der wird jedoch von unserem Kettenkämpfer attackiert, so dass unser Sprinter ohne Mühen den Jugg im gegnerischen Mal versenken kann. Geschafft wir haben unseren ersten Punkt erzielt und schreiten erhobenen Hauptes zurück an unsere Grundlinie. Dann geht es wieder von vorne los!

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