Jugend gegen AIDS-Aktion für Kondome: Bei 15.000 Tränen geht Maria unter

Maria-Xenia Hardt

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Zu diesem Anlass hat der Verein "Jugend gegen AIDS" in Hamburg eine Marienstatue aufgestellt, die in ihren eigenen Tränen untergeht. Jeder Gefällt-mir-Klick auf Facebook lässt die vom Offenburger Künstler Stefan Strumnbel gestaltete Maria eine Träne vergießen. Nur die katholische Kirche kann ihr Ertrinken stoppen.


Maria weint.
Stefan Strumbels Abbild der Mutter Gottes steht am Mittwochmittag schon bis zu den Knien in ihren eigenen Tränen. Mit dieser Aktion will der Verein „Jugend gegen AIDS“ erneut eine Diskussion über das Kondomverbot der Katholischen Kirche lostreten. „Wir wollen erreichen, dass die Gesellschaft wieder darüber redet“, sagt Vorstandsmitglied Frederic Rupprecht.


Nun gibt es in der Kondomfrage eigentlich nicht sonderlich viel zu diskutieren: Die Kirche hält am Kondomverbot fest, der Rest der Welt schüttelt den Kopf darüber, die Situation scheint festgefahren. Ob eine plakative und provokante Aktion wie die ertrinkende Maria zu einem Dialog zwischen den Parteien beiträgt, scheint auch zweifelhaft. „Als der Papst in Deutschland war, wurde von vielerlei Seite konstruktiv und informationsbasiert für Kondome argumentiert“, gibt Rupprecht zu bedenken, „aber der Vatikan hat nicht zugehört, deshalb haben wir uns diesmal für eine plakative Variante entschieden.“

Man wolle jedoch keinesfalls „Kirchenbashing“ betreiben und habe bewusst den Künstler Stefan Strumbel (Bild rechts) engagiert, um einen respektvollen Umgang mit christlicher Symbolik sicherzustellen - schließlich hat der erst in diesem Sommer eine Kirche in Kehl gestaltet.

Strumbel war es ein persönliches Anliegen, sich in dieser Art und Weise für den Kampf gegen AIDS zu engagieren: „Dieses Thema kann gar nicht genug Aufmerksamkeit bekommen. Ich wollte versuchen, mit einer klaren und starken Botschaft wachzurütteln, damit die Menschen stehen bleiben, innehalten und darüber nachdenken.“

Das Konzept scheint insofern aufzugehen, als dass der Tränenpegel stetig steigt – bei ungefähr 15.000 Unterstützern würde Maria absaufen, bisher sind es 3.700. Ob das wirklich allzu großen Druck auf die Kirche ausübt, ist fraglich, noch dazu in Hamburg, einer Stadt mit gerade einmal 10 % Katholikenanteil; außerdem ist das Bistum Hamburg von den 27 Bistümern in Deutschland das fünftkleinste.

„Setz' ein Zeichen, das die Kirche nicht ignorieren kann“, wirbt Jugend gegen AIDS für die Aktion. Bisher tut die Kirche aber genau das: Das Zeichen ignorieren. Links zur Aktionsseite wurden von katholischen Facebook-Pages wieder gelöscht, eine Stellungsnahme gibt es noch nicht.

Maria weint weiter.