Joschi, der letzte Bär vom Mundenhof, ist tot

fudder-Redaktion

Es ist das Ende einer Ära am Mundehof: Braunbär Joschi ist am Dienstagvormittag eingeschläfert worden. Das Tier litt nach Angaben der Stadt an Arthrose und Krebs.



Das Krankheitsbild des Bären sei nicht mehr therapierbar gewesen, teilt die Stadt Freiburg in einer Pressemitteilung mit. Gemeinsam mit dem einem Team des Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) aus Berlin und dem hiesigen Tierarzt, der die Bären vom Mundenhof seit ihrer Geburt im Jahre 1986 betreut hat, habe die Mundenhof-Leitung nach eingehender Untersuchung die Entscheidung getroffen, Joschi im Sinne des Tierschutzes vor weiterem Leiden zu bewahren.


Es ist ein trauriger Tag für das Team des Mundenhofs. "Auch wenn"s absehbar ist, fällt der Schritt nicht leicht", sagte Berno Menzinger, einer der Leiter des städtischen Tiergeheges. "Alle haben nochmal Zeit gehabt, sich zu verabschieden." Im Laufe der Jahre sei eine spezielle Beziehung zwischen Bär und Menschen entstanden. Joschi hatte mehrere Betreuer, die sich um ihn kümmerten. Und weil er laut Gesetz nachts eingesperrt werden musste, und der Mundenhof das so spät wie möglich machen wollte, gab es einen Schließdienst, der ihn mit Leckerli reinlockte. "Da hatte man jeden Abend noch ein Extraviertelstündchen mit ihm", erzählt Menzinger.

Der 29 Jahre alte Bär litt an einer massiven Arthrose, die ihm "erkennbar starke Schmerzen" verursacht habe und an einer fortgeschrittenen Krebserkrankung mit Metastasen in Lunge und anderen Organen. Im Juli 2011 war Joschis Zwillingsbruder Janosch ebenfalls wegen Arthrose eingeschläfert worden.

Der Mundenhof wird keine Bären mehr halten

"Dass Joschi mit seinen 29 Jahren nicht ewig weiterleben konnte, war dem Mundenhof bewusst", heißt es in der Mitteilung der Stadt. Der Gesundheitszustand des Tieres habe sich schleichend verschlechtert, seit letztem Winter wurde er einer umfangreichen Schmerztherapie unterzogen. Die Tierpfleger am Mundenhof hätten versuchten, ihm seinen Lebensabend so angenehm wie möglich zu gestalten. In der vergangenen Woche habe sich sein Zustand aber rapide verschlechtert.

Bei einer als Vorsorgetermin geplanten Untersuchung durch das am Montag aus Berlin angereiste Spezialisten-Team sei es zu der "traurigen Diagnose" und der endgültigen Entscheidung über das Leben des Tieres gekommen.

Der Mundenhof will künftig keine Bären mehr halten, da er ihnen keine artgerechten Lebensbedingungen bieten kann. Das Bärengehege wurde in den 70er Jahren mit viel Beton gebaut und entsprach schon lange nicht mehr modernen Anforderungen an eine artgerechte Tierhaltung. Erst im vergangenen Herbst hatten Aktivisten in einer Online-Petition gefordert, Joschi einem Lebensabend in einem Naturpark zu ermöglichen. Auf dem Mundenhof hatte man das Thema eingehend diskutiert, einen Umzug für den alten Bären letztendlich aber abgelehnt.

"Er wird uns schon fehlen."

Joschis Tod ist eine Zäsur auf dem Mundenhof. "Es gab ein Innehalten, und das gibt es sicher noch länger", sagte der Leiter Berno Menzinger. Der letzte Freiburger Bär sei sehr präsent gewesen, es gab viele Geschichten und Diskussionen um ihn. "Er wird uns schon fehlen", sagte Menzinger. Zuletzt ging es auch um die Frage, ob Joschi auf seine alten Tage in einen Bärenpark umgesiedelt werden sollte. Die Untersuchung durch den Berliner Spezialisten sollte unter anderem helfen, dies zu klären.

Der Mundenhof hat die beliebte Fütterungsrunde für die Besucher, die auch am Bärengehege vorbeiführte, für diese Woche abgesagt.

Mehr dazu:

[Foto: Thomas Kunz]