Jonathan Kluth im Vorderhaus: Intime Wärme

Sophie Aschenbrenner

Jonathan Kluth steht für Popmusik abseits des Mainstreams. Am Montag hat er im Vorderhaus ein Konzert gespielt. fudder-Autorin Sophie Aschenbrenner hat es besucht. Warum sie mit ihm am liebsten eine laue Sommernacht verbringen möchte:



Die Bühne lässt auf den ersten Blick nicht vermuten, dass hier nur zwei Leute Musik machen: eine Violine, vier Gitarren, ein Bass, Schlagwerk, ein Klavier, mehrere Mikrophone und auch ein Heizungslüftungsregler. Aber dazu später mehr. Jonathan Kluth und Johann Seifert machen Popmusik abseits des Mainstreams. Immer wieder integrieren sie improvisierte Elemente in ihre Songs und experimentieren mit neuen Klängen.


Im Freiburger Vorderhaus spielt der Singer-Songwriter Jonathan Kluth mit seinem Kollegen Johann Seifert ein intimes, kleines Konzert. Ganz voll ist es nicht, doch das tut der Stimmung keinen Abbruch. Das Jubeln zwischen den Songs zeigt, dass hier Menschen sind, die Jonathan und seine Musik richtig gerne mögen: vor allem Studierende in kleinen Gruppen, Pärchen, beste Freundinnen, lässiger Look mit Chucks und Jeans. Ein kleines, aber feines Publikum. „Kommt doch mal ein bisschen näher, Freiburg“, bittet Johann nach dem zweiten Song, und ein bisschen zögerlich kommen alle etwas weiter nach vorne.

Teppiche auf der Bühne verstärken das Gefühl, einem Wohnzimmerkonzert beizuwohnen, das die beiden Musiker für einen ausgewählten Kreis geben. Jonathans Outfit passt zur Crowd: blaue Hose, braunes T-Shirt, brauner Ledergürtel und blaue Schnürschuhe. Unkompliziert und lässig steht er auf der Bühne und legt seine Seele in die Songs. Die Crowd, am Anfang noch verhalten, jubelt nach dem ersten Lied los.



„Ich hoffe, wir haben den Regen nicht hierher mitgebracht“, sagt Jonathan und grinst. „Ich hab gehört, es war hier ganz schön bis wir kamen.“ Den Regen verzeiht man den beiden gern. Und wenn Jonathan erzählt, dass eines seiner Lieder entstand, als er im Urlaub in einem Olivenhain in der Sonne lag und es ihm eigentlich viel zu gut ging, würde man sich am liebsten dazulegen. Er ist einer der Menschen, mit denen man sicher gut eine ganze laue Sommernacht irgendwo draußen sitzen und reden kann.

Beim zweiten Lied reißt die erste Gitarrensaite. Und es wird nicht die letzte bleiben. Nach jeder zerstörten Saite kommt eine dunkelblonde Frau mit Engelslächeln an die Bühne, nimmt die Gitarre in Empfang und bringt sie einen Song später neu besaitet wieder. „Ich weiß auch nicht, wieso die immer kaputt gehen. Es gab auch schon Konzerte auf dieser Tour, bei denen alles gehalten hat“, sagt Jonathan und grinst. Auf jeden Fall sorgt er für Unterhaltung. Für den zweiten Song haben die beiden Jungs auch den Heizungslüftungsregler mitgebracht, und der macht einen ziemlich coolen, irgendwie knirschenden Sound.

Man sieht Jonathan und Johann daran, wie sie sich ansehen, aufeinander achten und eingehen, an, dass sie sich mögen. Als Johann von der Bühne geht, weil Jonathan einen Song alleine spielt, legt er ihm sanft die Hand auf die Schulter. Ich bin bei dir, sagt das wohl. Dann kommt der wohl intensivste Moment des Abends: „Ich komm mal runter zu euch“, sagt Jonathan, und dann steht er keine zwei Meter von einem entfernt auf dem Boden, die Luft riecht leicht nach dem blauen Nebel, der auf der Bühne herumwabert, und singt. Die Crowd steht still und summt mit. Magie.

Jonathans Stimme ist voll, warm und weich, sie fängt einen ein, wenn er davon singt, wie es ist, wenn man sich in jemanden verliebt, der eigentlich einen „ziemlich miesen Charakter hat“, oder davon, wenn in einer Beziehung der Punkt kommt, an dem man am anderen etwas verändern möchte. Den ganzen Abend hindurch schiebt er seine wilden Haare von einer Seite auf die andere. Alle Lieder sind begleitet von Gitarre und Schlagwerk, sanften, aber auch rockigen Beats, die zum Tanzen auffordern und Lust machen, mitzusingen. Die Crowd weiß das zu schätzen, ab und zu ruft jemand etwas zu ihm auf die Bühne, antwortet auf eine seiner Fragen, wie alte Freunde. Nach drei Zugaben lassen sie ihn endlich gehen, ungern, aber mit einem guten Gefühl im Bauch.

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