Jolly Goods in Basel: "Krach machen ist nicht so schwer"

Lina Wiemer

Kritiker vergleichen sie mit Patti Smith und beschreiben sie als "prägnant provokativ": die beiden Schwestern Tanja Pippi und Angy Lord a.k.a. Jolly Goods. Am Mittwochabend stellten sie im Basler Hirscheneck ihr zweites Album "Walrus" vor. Und fudder-Autorin Lina war dabei.



Wir sind viel zu früh im Basler Hirscheneck. Um 20 Uhr hat der Soundcheck im Keller gerade erst begonnen, also trinken wir noch was und warten. Die beiden Radio-Dreyeckland-Redakteurinnen und ich sind für ein Interview mit Tanja Pippi und Angy Lord von den Jolly Goods verabredet. Auf den Beginn des Konzerts werden wir noch bin kurz nach elf warten.


Gegen neun tut sich endlich was: Die beiden Schwestern Tanja Pippi und Angy Lord gehen mit uns in das Gästezimmer des Hirschenecks. Wir reden über ihre Kindheit im südhessischen Dörfchen Rimbach und dass sie oft auf ihre Herkunft reduziert würden. Die Sache mit Rimbach nervt auch irgendwie. Schließlich müsse man ja irgendwoher kommen. In Berlin fühlen sich beide wohler. „Es war keine Flucht. Wir sind weggerannt“, sagt Tanja und schmunzelt ironisch.

Die beiden wirken eher zurückhaltend, schüchtern, fast vorsichtig. Als Angy 12 und Tanja 16 waren, begannen sie im heimischen Keller Musik zu machen. Erst spielten sie Coversongs, später schrieb Tanja eigene Texte. Und die haben es in sich: „I’d drop my strawberry juice forever on your face“, heißt es im Song „If I were a women“. Wofür das stehe wollen wir wissen. „Na Blut. Menstruationsblut“, sagt Tanja. Die Texte der Schwestern thematisieren oft den Geschlechterdualismus, „der grausam ist“, sagt Angy, und sie wollen Alternativen aufzeigen. Und Tanja fügt hinzu, dass sie nie zufrieden sei. Deshalb schreibe sie alles auf. Da will man fast hoffen, dass das auch so bleibt.

Um kurz nach 23 Uhr betreten die beiden dann endlich die Bühne: komplett in schwarz, Tanja Pippi mit rot geschminkten Lippen. Die Songs sind zwar alle irgendwie melancholisch und nachdenklich, aber keineswegs leise. Es kracht im Keller des Hirscheneck. Tanja Pippi an der Gitarre, ihre Schwester hinterm Schlagzeug. Der Stil der Jolly Goods wird auch gern als Neo-Grunge bezeichnet. Aber das interessiert die beiden wahrscheinlich wenig. Sie machen einfach ihr Ding und das auf beeindruckende Weise. Ein wunderbares Konzert. Fazit: Das Warten hat sich gelohnt. Mehr davon! Weiter so!

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[Foto: Promo]