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John Butler Trio im Spiegelzelt: Zwischen ergriffen und euphorisch

Alexander Ochs

Studienabbrecher, Straßenmusiker, Star: John Butler hat eine sehr bewegende und bewegte Biografie. Am Mittwoch gastierte er mit seinem Trio beim ZMF. fudder war dabei.

Wenn während des Konzerts im vorderen Bereich niemand Getränkenachschub holt, dann kann das natürlich daran liegen, dass das Spiegelzelt am Mundenhof nun klimatisiert ist; es fühlt sich tatsächlich deutlich kühler an als sonst. Es kann aber auch sein, dass das Publikum dem schillernd-charismatischen Sänger und Gitarristen John Butler an den Lippen und an den Fingern hängt. Und davon gar nicht mehr loskommt.


Butler und sein Trio, live zum Quartett erweitert, harmonieren perfekt. Grundiert im Blues und Folk, mäandert die Musik der Combo durch alle möglichen Genres: über Country und Bluegrass zum radiotauglichen Pop mit Cinemascope-Chorus, über Reggae-Anklänge zum psychedelischen Rock – kleines Augenzwinkern an Led Zeppelin und Lenny Kravitz – hin zum trapartigen Schnellfeuer-Sprechgesang, dezent angereichert mit elektronischen Beats und Synthesizersounds. File under: eleganter Eklektizismus. Werbeeinblendung: Wenn Sie sich für diesen Künstler interessieren, könnte ihnen auch U2, Mumford & Sons oder Beck gefallen. Obendrein punktet Butler mit starken Ansagen und persönlichen Geschichten.

Knackige Riffs, groovender Bass

Von Pub bis Club ist fast alles drin bei diesen Könnern. Die knackigen Riffs tragen die Songs, kongenial ergänzt vom mal kraftvollen, mal elegant zurückgenommenen Schlagzeugspiel und vom groovenden Bass. Im Zweifelsfall kitzelt der sympathische 44-Jährige mit rasantem Fingerpicking, Auf-den-Korpus-Klopfen und kleinen Feedbackorgien sämtliche Sounds aus einer seiner Gitarren raus – wie im epischen 12-Minuten-Instrumentalsong "Ocean". Allein zum Höhepunkt quasi.

Zuvor hatte der virile Beau mit Jack-Sparrow-Charme den Zuschauern schon mit dem grandiosen "Pickapart" in der Mitte des Sets den Kopf verdreht, auf einmal lag für einen Moment die Power, der Duktus von Rage Against The Machine in der Luft.
Die Stimmung changiert zwischen ergriffen und euphorisch. Was sagt John Butler selbst nach fast zweieinhalb Stunden? "I had a fuckin’ amazing time with you guys." Wir auch. Oder – mit den Worten eines Fotografen: "Hier ist geil! Hier ist die Party! Drüben im Zirkuszelt, da schläfst du ein." – Hier kommst du halt nur nicht zum Bierholen. Selten war das so schön.

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