Johannes Rinker vom Weingut Knab im Interview: "Frauen sind dem Mann sensorisch überlegen"

Bernhard Amelung

Grauburgunder oder Gutedel, Riesling oder Rivaner: Heute Abend veranstalten Kaiserstühler Jungwinzer im Waldsee eine Party zum Thema Wein. Wird Wein das neue Trend-Getränk? Das hat fudder-Autor Bernhard Amelung Johannes Rinker vom Endinger Weingut Knab gefragt.

 

Heute findet im Haus der Bauern die Party „Ochs und Oechsle“ statt, Sie feiern mit zehn Kaiserstühler Winzern bei „Wein am See“ im Waldsee. Wird Wein das neue In-Getränk?

Rinker: Landwirtschaft und Wein sind auf jeden Fall jünger geworden. Ich stelle fest, dass es mehr junge Leute gibt, die Lust haben, Wein zu trinken, auch auf Partys. Sie legen Wert auf den Genuss ausgewählter regionaler Produkte und wollen Abstand nehmen von Getränken wie Alcopops.

Wenn Jungwinzer eine Party veranstalten, was für eine Musik wird gespielt: „Griechischer Wein“?

Im Waldsee werden die Jungs von Mumpitz auflegen. Das ist ein Kollektiv aus Freiburger Disc Jockeys. Sie legen elektronische Musik auf und bewegen sich in eine experimentelle Richtung.

Wieviel Experiment darf eigentlich beim Wein sein?

Experimentierfreude und Innovationen gehören zum Erfolg eines Weinguts dazu. Da haben wir jungen Winzer in den vergangenen Jahren mehr Spielraum bekommen. Dazu beigetragen hat beispielsweise das Verständnis, dass es kein typisches Aroma einer Rebsorte gibt. Grauburgunder ist nicht gleich Grauburgunder.

Der Geschmack wechselt von Anbaugebiet, von Lage zu Lage. Man erreicht auch geschmackliche Unterschiede innerhalb einer Lage, wenn man das Lesegut spontan vergären lässt. Mit dieser Methode bekommt man ausgefallene Geschmackserlebnisse, die mit Reinzuchthefen nicht möglich sind.

Wie passt das zur Traditionsverbundenheit eines Winzers?

Gerade in Familienbetrieben trifft die jahrzehntelange Erfahrung der Vätergeneration auf den Innovationswillen der Jungen. Die Väter beherrschen ihr Handwerk im Weinberg und im Keller. Viele haben mit ihren Erzeugnissen auch Preise gewonnen. Ich kann ihnen nicht sagen, wie sie einen Wein machen sollen. Ich kann nur ihr Interesse wecken für meine Erkenntnisse und um Verständnis werben, dass ich andere Wege beschreite.

Welche Ausbildung braucht man eigentlich, um Wein richtig schmecken und verstehen zu können?

Im Prinzip braucht man gar keine Kenntnisse, um Wein zu schmecken. Man muss ja auch kein Sternekoch sein, um gutes Essen genießen zu können. Dem Wein haftet allerdings der Ruf an, dass vermeintliche Kenner und Kritiker seinen Geschmack verkomplizieren. Über manche Weine werden ja seitenlange Aufsätze geschrieben. Das ist Philosophie und gehört auch mit zur Weinkultur.

Dennoch gilt, dass jeder seinen eigenen Geschmack hat. Jeder spricht auf die Aromen unterschiedlich an. Deshalb sollte man auch an die Auswahl von Wein nicht eingeschüchtert herangehen. Vielleicht sollte aber die Frau öfters den Wein auswählen, denn Frauen sind dem Mann sensorisch überlegen.

In Freiburg leben ja viele Studierende und Auszubildende. Wie können die sich den Weingenuss leisten?

Das Vorurteil, dass guter Wein automatisch teuer sein muss, hält sich leider sehr hartnäckig. Man darf allerdings nicht vergessen, dass Wein auch ein hochwertiges landwirtschaftliches Produkt ist. Trotz moderner Technik steckt da viel Handarbeit drin, und die hat einfach ihren Preis.

Aber es ist eine ehrliche Arbeit. Gerade bei kleinen Weingütern weiß man auch, wo das Produkt her kommt. Wer den Wein direkt beim Erzeuger kauft, lernt auch die Menschen kennen, die dafür arbeiten. Das sollte einem auch mal sieben oder acht Euro für eine Flasche wert sein. Es handelt sich dabei ja um ein Genussmittel.

 

Zur Person

 
Der Kaiserstühler Johannes Rinker, 26, kennt sich mit Weinen aus - schließlich kommt er aus einer Winzerfamilie. Seine Eltern, Thomas und Regina Rinker, haben Mitte der 1990er Jahre das Weingut Knab in Endingen übernommen. Der gelernte Mediengestalter hat sich nach einem Praktikum bei einem Weingut in Neuseeland entschieden, in den Betrieb seiner Eltern einzusteigen. Zur Zeit studiert er Weinbau und Önologie an der Hochschule Geisenheim.

Mehr dazu:

Was: Wein am See - Party der Kaiserstühler Jungwinzer.
Wann: Freitag, 16. Mai 2014, ab 20 Uhr.
Wo: Waldsee.
Eintritt: 5 Euro inklusive Apéritif [Foto: Johannes Rinker]