Johannes Flum: "Heiß drauf, es besser zu machen"

David Weigend

Es hat viele überrascht, wie schnell Johannes Flum zu einer wichtigen Verstärkung für den SC Freiburg geworden ist. Vor seinem 21. Geburtstag am kommenden Sonntag und dem Spitzenspiel auf dem Betzenberg am Montag hat er mit uns gesprochen - über Ehrgeiz, Konkurrenz und Kicken am Hochrhein.



Johannes, du kommst gerade aus einem Workshop. Worum ging es da?

Unser Sportpsychologe sprach über Konzentration und Aufmerksamkeit. Es waren alle dabei: Spieler, Trainerstab, Physiotherapeuten. Ging eine Stunde. Solche Schulungen sollen uns dabei helfen, Fehler im Spiel zu minimieren.

Kannst du eine Spielsituation beschreiben, in der Konzentration besonders wichtig ist?

Wenn mir ein Mitspieler einen Flugball zuspielt, muss ich mich darauf konzentrieren, ihn sauber anzunehmen aber gleichzeitig schon entscheiden, was ich mit dem Ball im darauf folgenden Augenblick mache. Das Spiel ist schnell geworden. Ich muss im Bruchteilen von einer Sekunde wahrnehmen: was macht mein Gegner? Was machen meine Mitspieler?

In der ersten Halbzeit des Spiels gegen Oberhausen mangelte es euch an Aufmerksamkeit. Ein Kommentator sprach von einem Fehlpassfestival, die Zuschauer waren enttäuscht.

Die ersten 30 Minuten waren einfach schlecht, da spielten wir pomadig. Dann wurde es etwas besser. Der Trainer hat uns in der Pause motiviert, daran anzuknüpfen. Er sagte: „Druck aufbauen! Den Ausgleich müsst ihr erzwingen.“ Ich denke aber, wir waren spielerisch und von der Fitness her überlegen, so dass das 2:1 nur eine Frage der Zeit war.



Was machst du in der Kabine mit einem 0:1 und pfeifenden Fans im Rücken?

Erstmal trinken. Dann aber bin ich so heiß drauf, dass ich in so einer Situation am liebsten gleich wieder rauslaufen würde, um das Spiel zu gewinnen und den Leuten zu zeigen, dass ich es besser kann. Der Trainer muss uns eher dabei helfen, kurz mal runterzukommen. Hinsetzen, durchatmen. So hören wir dem Trainer zu, der uns auf unsere Fehler hinweist.

Wer sitzt neben dir?

Rechts Daniel Schwaab, links Kevin Schlitte.

…der dir in Sachen Ehrgeiz in nichts nachstehen dürfte, wenn man sich so seine Mimik während des Spiels anschaut.

Das stimmt. Kevin ist auch ein sehr emotionaler Typ. Auf dem Platz lässt er es raus. Ist ja auch gut so. Er sagt mir auch mal was im lauteren Tonfall, aber das gehört dazu. Er kann die Mitspieler mitreißen und aufwecken.



Dutt hat dir und Julian Schuster im defensiven Mittelfeld gegen Oberhausen den Vorzug gegeben. Habt ihr vor dem Spiel taktische Absprachen getroffen?

Klar, wir reden viel miteinander über Spielszenen, die kommen können. Wann geht der eine, wann bleibt der andere? Das sprechen wir meist in den Trainingspausen durch. Unmittelbar vor dem Spiel hat jeder seinen eigenen Ablauf. Da suchen viele noch mal kurz Ablenkung und hören zum Beispiel Musik oder spielen Netz. Das ist ein Trampolin vor der Wand, da kann man den Ball draufschlagen, der dann immer zurückprallt.

Was machst du zu diesem Zeitpunkt?

Ich spiele meist Basketball.

Wer wird diese Saison in der Zweiten Liga um den Aufstieg spielen?

Mainz und Kaiserslautern. Nürnberg wird aufschließen. Duisburg kommt vielleicht auch noch mal ran. 1860 und Aachen muss man auch auf der Rechnung haben. Diese sechs Mannschaften werden mit uns um den Aufstieg kämpfen, glaube ich.

Vergangene Saison überwinterte der Sportclub auf einem Aufstiegsplatz, danach kam ein Einbruch. Hast du nicht auch Bedenken, dass es diese Saison wieder so kommen könnte?

Ich kann schlecht beurteilen, woran es in der vergangenen Rückunde haperte, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht hier war. Aber ich denke, dass dieser Einbruch diese Saison nicht kommen wird. Wir sind als Mannschaft viel zu fokussiert auf das Ziel Aufstieg. Ich will mit dieser Mannschaft nächste Saison unbedingt in der ersten Liga spielen. In der Rückrunde werden wir jedes Spiel angehen, als wäre es das Saisonfinale.

Wie verträgt sich dieser Ehrgeiz mit der Konkurrenz, die gerade für deine Position existiert?

Profifußball bedeutet automatisch Konkurrenzverhalten. Wenn mir der Trainer sagt, dass ich gegen Lautern erstmal auf der Bank sitze, dann nehme ich das an und werde mein Bestes geben, wenn ich auf den Platz komme.

Klingt sehr abgeklärt für dein Alter.

Klar würde mich das wurmen mit der Bank. Und den Eke (Uzoma, d. Red.) wahrscheinlich genauso. Aber das Training ist ja auch dafür da, dass man sich wieder anbieten kann. Es erhöht doch auch die Qualität unseres Spiels, wenn es im Training zur Sache geht.

Wie oft trainiert ihr noch vor dem Spiel in Kaiserslautern?

Morgen, am Samstag und am Sonntag. Montagfrüh machen wir noch mal ein ganz lockeres Training.



Stimmt es, dass dein erster Trainer dein Vater war?

Ja. Ich fing mit fünf Jahren an, Fußball zu spielen, beim FC Rot-Weiß Weilheim. Das liegt fünf Kilometer von Waldshut entfernt. Mein Vater, er ist Bauingenieur, hat mich damals trainiert, und er ist immer noch Trainer der ersten Mannschaft in Weilheim. Die kicken in der Bezirksliga. Das ist jetzt nicht besonders hochklassig, aber bei uns am Hochrhein ist fußballtechnisch auch ein wenig tote Hose. Was nicht heißt, dass wir nicht kicken können.

Auch dein Bruder Claudius, 19, spielt in Weilheim. Wie ist das inzwischen, wenn du dich da unter die Rot-Weiß-Fans mischst?

Nicht nur Claudius, sondern auch viele andere Freunde von mir spielen dort heute noch. Das letzte Spiel, das ich von Rot-Weiß sah, war ein Auswärts-Remis in Erzingen. Schöne Anlage da draußen. Klar bin ich ein wenig im Fokus, wenn ich da aufkreuze. Die Leute interessieren sich eben für den Profifußball. Ich unterhalte mich aber gern mit denen.

Sprichst du daheim alemannisch?

Ja. Wobei das bei uns schon eher nach Schweizerdeutsch klingt.

Wie oft bist du zu Hause?

Etwa einmal im Monat. Meine Familie kommt mich aber zu den Heimspielen meist besuchen, wir sehen uns also alle zwei Wochen.

Wer war in deiner sportlichen Ausbildung der wichtigste Mentor?

Christian Streich, den ich auch zwei Jahre lang als Trainer in der A-Jugend hatte. Er hat mir für Technik und Spielverständnis viel beigebracht. Ich schätze an ihm auch seine Ehrlichkeit. Wenn ich zu schlecht war, sagte er mir direkt, woran ich arbeiten muss. Auch wenn es mir manchmal schwerfiel, zu akzeptieren, dass ich in bestimmten Punkten schwächer war als die anderen.



Hast du, seit du bei den Profis spielst, noch Zeit für irgendwas anderes?

Kaum. Wenn wir mal trainingsfrei haben, trainiere ich allein. Und meine Freundin ist gerade als Au-Pair in Australien.

Wohnst du normalerweise mit ihr zusammen?

Nein. Ich wohne in Littenweiler in einer WG mit Felix Roth. Wir kennen uns schon aus der A-Jugendzeit und sind gute Freunde. Er ist ja leider zur Zeit verletzt, kann aber bald wieder voll trainieren. Max Mehring wohnt zwei Häuser weiter, mit dem unternehmen wir auch oft was. Nach den Spielen treffen wir uns und schauen unsere Partie noch mal im Fernsehen an.

Am Sonntag wirst du 21.

Ja. Party geht diesmal leider überhaupt nicht. Nicht mal ne kleine Feier mit der Familie, weil wir ja mit der Mannschaft Abschlusstraining haben und dann nach Lautern fahren. Ich verbringe also dieses Jahr den Geburtstag im Hotel mit meinen Mannschaftskollegen. Auch gut. Dafür spielen wir am Montagabend auf dem Betzenberg vor 40.000 Fans, die größtenteils gegen uns sind. Das ist eine sehr starke Motivation.

Mehr dazu:

Was: 1. FC Kaiserslautern – SC Freiburg
Wann: Montag, 15. Dezember, 20.15 Uhr
Wo: Fritz-Walter-Stadion, Kaiserslautern

fudder-Interviews mit (ehemaligen) SC-Spielern: