Johanna Wokalek: Der Star vom Friedrich-Gymnasium

Christian Heigel

Dieser Tage widmet ihr Filmfestorganisator Michael Wiedemann eine Werkschau: Johanna Wokalek, 34, aufgewachsen am Lorettoberg, zur Schule gegangen in Herdern, mittlerweile Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters und wandlungsfähiger Kinostar mit Filmen wie "Der Baader Meinhof Komplex" und "Hierankl". Wir haben sie zum Interview getroffen.



Frau Wokalek, Einer Ihrer Filme, der bei dieser Werkschau zu sehen ist, „Hierankl“, handelt vom Heimkommen. Das haben Sie auch gerade getan, denn Sie sind in Freiburg geboren, aufgewachsen und verbringen während des Freiburger Filmfests ein paar Tage daheim. Wie ist es für Sie, nach Hause zu kommen?

Das ist immer wieder sehr schön, weil ich in Freiburg bis zum Abitur eine wunderschöne Zeit verbracht habe und sehr gerne hier bin. Es ist immer wieder schön, anzukommen, die Landschaft zu sehen und dieses südliche Klima zu erleben, was ja sowieso immer alle sagen. Es gibt hier aber auch einfach Plätze und Orte, an denen ich immer wieder gerne bin: der Münsterplatz, der Alte Friedhof in Herdern oder der Schlossberg.

In der Theater-AG des Friedrich-Gymnasiums haben Sie bei Peter Wasmer mit dem Theaterspiel begonnen. Haben Sie schnell gemerkt, dass das Theaterspielen für Sie mehr ist als nur ein Hobby?

Ja, ich habe gemerkt, dass ich mich während des Schuljahres immer am meisten auf die Zeit gefreut habe, wenn wieder ein neues Stück vorbereitet wird und man auf die Premiere vor den Sommerferien hinlebt. Ich habe natürlich die Schule rechts und links daneben schon gemacht, aber der Fokus lag doch immer auf den Proben und auf dem Erfinden von Kostümen, Bühnenbild und allem, was dazugehört. Da habe ich dann gemerkt, dass das einfach etwas ist, was mich beglückt.



Hat das auch Ihre Umgebung gemerkt?

Es gab schon sehr positive Rückmeldungen. Zum Beispiel von meinem Mathelehrer. Mathematik war nicht unbedingt mein stärkstes Fach und mein Mathelehrer hat dann gemeint: „Das macht gar nichts, wenn das hier jetzt nicht so gelingt, denn du wirst ja sowieso Schauspielerin.“

Und dann sind Sie nach dem Abi nach Wien gefahren zum Vorsprechen an der Schauspielschule, dem berühmten Max-Reinhardt-Seminar. Ich habe gelesen, Sie haben Ihre Koffer für die Reise so gepackt, dass es direkt zum Bleiben gereicht hat. Hatten Sie denn da schon so ein großes Selbstbewusstsein und die Gewissheit, dass es klappt?

Das Selbstbewusstsein war nicht da, aber der Wunsch, es auf jeden Fall zu versuchen und damit verbunden natürlich die große Hoffnung, dass es auch gelingt. Ich war dann natürlich sehr glücklich, dass es in Wien gleich beim ersten Mal geklappt hat. Und bin es immer noch.



Mittlerweile sind Sie – als festes Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters – aus der Theaterszene nicht mehr wegzudenken, haben in den vergangenen Jahren aber auch in vielen Kinofilmen mitgespielt. Mögen Sie beides gleich gerne?

Ich bin ins Kino eigentlich so reingerutscht. Ich war noch auf der Schauspielschule, als ich meinen ersten Film gemacht habe: „Aimée und Jaguar“. Das hat mich auch gleich fasziniert. Und heute möchte ich in meinem Leben weder Film noch Theater missen. Beides ist sehr unterschiedlich. Das Erlebnis, einen ganzen Abend mit Zuschauern zu teilen, ist ja gar nicht vergleichbar mit Dreharbeiten.

Ist denn auch die Erarbeitung einer Rolle für den Film anders?

Die Vorbereitung einer Rolle ist für mich ganz ähnlich. Aber dann ist es auch doch wieder ganz anders, weil Theater ja immer eine verdichtete Form von Sprache ist, vor allem bei den Klassikern wie „Don Carlos“ oder „Emilia Galotti“. Da muss ich die Gedanken, die ein Dichter aufgeschrieben hat, so mitteilen können, dass sie mir und dem Zuschauer verständlich sind. Beim Film liegt das Gewicht nicht so sehr auf der Sprache, sondern da gibt es noch viel mehr Facetten, die mindestens genauso wichtig sind, wie Schnitt, Kameraführung, das Spiel, der Ausschnitt.

Und beim Theater?

...weiß man vom Anfang bis zum Ende immer, wohin die Reise geht, weil man ja bis zum Ende immer Teil des Ganzen ist, beim Kino gibt man dann ab und ist nach den Dreharbeiten als Schauspieler nicht mehr gefragt, weil dann Bereiche kommen, die mindestens genauso wichtig sind, wie Schnitt und Musik. Deshalb ist es sehr schön, dass immer mehr Regisseure vor den Dreharbeiten die Schauspieler versammeln und man sich trifft und über Dialoge spricht. Denn am Set selbst fehlt dafür oft die Zeit, weil so viel Technisches eine Rolle spielt.



Sie haben im Theater schon viele klassische Rollen gespielt, zum Beispiel die Emilia Galotti oder die Ophelia im Hamlet; im Kino so unterschiedliche Charaktere wie die kindliche Psychotherapiepatientin Leila in „Barfuss“ oder die RAF-Terroristin Gudrun Ensslin im „Baader Meinhof Komplex. Im Herbst kommen Sie als „Päpstin“ in die Kinos. Gibt es eine Rolle, die Sie unbedingt noch spielen wollen?

Nein, die gab es nie bei mir, weil ich so nicht denke und lebe. Weil ich immer sehr neugierig und offen für alles bin und denke: Was kommt da jetzt so auf mich zu? Und weil sich dann ja auch alles ergibt und findet. Ich finde auch unglaublich wichtig, dass die Regisseure Lust haben, bestimmte Rollen zu bestzen. Das kann sich aber natürlich mit der Zeit auch ändern. Vielleicht denke ich auch irgendwann: Das und das muss jetzt sein. Aber im Moment wüsste ich es nicht.

Mehr dazu:

Web: Johanna Wokalek
Web: Friedrichsbau

Was: Johanna Wokalek Werkschau mit den Filmen Aimee und Jaguar, Barfuss, Der Baader Meinhof Komplex, Hierankl und Nordwand
Wann: Diverse Vorführungen - siehe Programm
Wo: Apollo 1 im Friedrichsbau, Kaiser-Joseph-Str. 268