Joel Goedtler ist der neue Chef im Kagan

Bernhard Amelung

"Freiburg ist nicht München", sagt Joel Goedtler. Seit Mitte August ist der 31-Jährige Geschäftsführer im Club Kagan. fudder-Autor Bernhard Amelung hat ihn gefragt, was er ändern wird, welches seine größten Baustellen sind und wer ihn dabei unterstützt:



Das ist der Neue

Mit 17 hat man noch Träume, heißt es. Mit 31 offenbar auch, wenn man Joel Goedtler glauben will. Er will hoch hinaus. Den wohl höchsten Arbeitsplatz hat er bereits. Seit Mitte August arbeitet der gebürtige Acherner als neuer Geschäftsführer des Kagan Club, im 16. Stock des Solar Tower am Freiburger Hauptbahnhof. Rund 60 Meter über dem Freiburger Durchschnitt.

"Der Ausblick auf die Stadt und den Schwarzwald ist einzigartig. Den nimmt uns keiner", sagt Goedtler. Er legt die Stirn in Falten. Der Ort dürfe allerdings nicht zum Abheben verleiten, murmelt er nachdenklich. Schließlich sei das Nachtleben ein hartes Geschäft.

Goedtler spricht aus Erfahrung. 14 Jahre Erfahrung im Gastronomie- und Veranstaltungsgewerbe bringt er mit an seinen neuen Arbeitsplatz, der auch sein alter Arbeitsplatz ist. Von Ende 2009 bis Anfang 2011 war er Barchef im Kagan. Es folgten Stationen als Barchef im Reiff Medien Dome in Offenburg (2011 - 2012). Bis Ende Juni diesen Jahres war er Pächter des Bistros im Lahrer Schlachthof. In dieser Zeit veranstaltete er zahlreiche Konzerte. Rock, Pop, Heavy Metal, Balkan Beats, mit Bands wie Äl Jawala, den Teddyshakers und The Heron Theme.

Das will er ändern

Zwischen Kisten, Kartons, leeren Vodka- und Colaflaschen, Kabeln und Papierbergen steht ein Pokal. Er ist glatt, durchsichtig und trägt eine Gravur. Hält man ihn vor einen dunklen Hintergrund, kann man die Inschrift "German Disco Award 2006" lesen. Ein Preis der Zeitschrift "discret", ein Fachjournal für die Unterhaltungsgastronomie. Acht Jahre ist das her.

"Dorthin wollen wir wieder zurück. Das Kagan soll wieder eine angesagte Club-Adresse werden, ein Ort, über den man auch außerhalb Freiburgs positiv spricht", sagt Goedtler. Ein Ort, an dem die Spieler des SC Freiburg nach Turniersiegen feiern; an dem namhafte Musiker und Künstler nach Auftritten die Nacht ausklingen lassen, wie einst Scooter-Frontmann H.P. Baxxter.

Das sind seine größten Baustellen

"Wer einen exklusiven Ruf haben möchte, muss hart dafür arbeiten", so  Goedtler. In drei Bereichen müsse sich dringend etwas ändern. Erstens die Atmosphäre im Kagan. Sie soll freundlicher, offenherziger werden. Die Gäste sollen in Zukunft deutlich merken, dass sich das Clubpersonal um sie kümmert. Goedtler nimmt sich davon nicht aus. "Ich werde selbst an der Bar oder an der Tür stehen, Stammgäste mit Handschlag begrüßen oder persönlich in den Club bringen."

Zweitens die Tür. "Unfreundlich", "respektlos", "beleidigend". Solche Kommentare, wie sie aktuell auf der clubeigenen Facebook-Seite zu lesen sind, möchte er bald nicht mehr lesen. "Auch das Türpersonal muss verstehen, dass es die Gäste sind, die unseren Lohn bezahlen. Höfliches Auftreten ist das A und O, auch wenn man jemandem den Zutritt verwehrt."

Drittens die Inneneinrichtung. Die hat in den letzten Jahren gelitten, Boden, Decken, Wände sind abgenutzt, die sanitären Einrichtungen lassen zu Wünschen übrig. In den kommenden Wochen werde der Club Schritt für Schritt renoviert.



Wer ihn dabei unterstützt

Unterstützung bekommt Joel Goedtler vor allem von Florian Ackermann (Bild links). Der 29 Jahre alte Freiburger hat wie Goedtler zuvor im Kagan gearbeitet. "Die Gastronomie wurde mir in die Wiege gelegt", sagt er. Schon früh hat er im elterlichen Betrieb mitgearbeitet, sein Vater hatte einst das Restaurant Entennest eröffnet.

Wenn Ackermann nachts nicht an der Bar oder tagsüber im Büro des Kagan arbeitet, entspannt er sich beim Mountainbike-Fahren. In dieser Sportart zählte er zu Beginn der Nullerjahre zu den besten deutschen Fahrern. Er war Mitglied im Team Rothaus-Cube und gewann 2003 die deutschen Meisterschaften der U23-Junioren. Im selben Jahr kam er bei der Staffel-WM im schweizerischen Lugano auf den sechsten Platz.

So wird das Programm

Die Donnerstage sollen wie bisher unter dem Motto "Students Bounce Club" stehen. Studenten willkommen. Sportliche Kleidung, Kapuzenpullover und Snapback-Caps sind keine Ausschlusskriterien.

An Freitagen und Samstagen will Goedtler das Eintrittsalter ein wenig anheben. Auch die Tür werde in Zukunft stärker auf gepflegte Kleidung unter den Gästen achten. "Ich will, dass es im Kagan schicker wird. Die Leute haben doch auch Spaß daran, sich am Wochenende aufzustylen", so Goedtler. Hinter diesem Anspruch werden auch er und seine Mitarbeiter nicht zurückbleiben. Das Personal soll in Zukunft einheitlich auftreten, mit weißem Hemd, Hosenträger, Fliege oder Krawatte.

Musikalisch stand das Kagan bisher für einen Mix aus Black Music und Electro House. Sechs Disc Jockeys, darunter G-Play, Slin und Beone, spielten regelmäßig im Club. Mit ihnen will Goedtler auch in Zukunft weiter zusammenarbeiten. Alle paar Wochen möchte er zudem Gast-DJs nach Freiburg einladen. "Wir haben ja immer noch eine Kooperation mit dem P1 in München. Doch davon hat man in Freiburg in der letzten Zeit nichts mehr gemerkt", sagt Goedtler. Er kann sich vorstellen, wieder vermehrt P1-Residents nach Freiburg zu holen.

Das bietet die Bar

In den vergangenen drei Wochen haben Goedtler und seine Mitarbeiter auch die Barkarte überarbeitet. Sie wird übersichtlicher, ein wenig günstiger. So wird ein kleines Wasser statt bisher 3,50 nur noch 2,50 Euro kosten. Sekt und Champagner können die Gäste in Zukunft auch einzeln im Glas bestellen. "Wir rücken ein wenig vom Bottle Service ab. Freiburg ist nicht München", so Goedtler.

Ein Afterwork-Mittwoch soll kommen

Der Mittwoch gilt im Freiburger Ausgehkalender als verwaister Tag. Nur wenige Clubs haben geöffnet. Das möchte der neue Kagan-Geschäftsführer nutzen, um den Afterwork-Mittwoch, etablierte Veranstaltung in den ersten Clubjahren, wieder einzuführen. "Das Kagan liegt im Zentrum der Freiburger Geschäftswelt. Daran müssen wir anknüpfen", sagt Goedtler. Entspannte Musik, ausgewählte Weine, ein wenig Fingerfood: So stellt er sich den Abend vor, nach dem Vorbild der Schweizer Apéro- oder norditalienischen Aperitivo-Kultur. Ab wann der Afterwork-Mittwoch wieder zum festen Bestandteil des Programmes gehört, lässt er allerdings offen.

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[Fotos: Bild 1 - Christian Breithaupt; Bild 2 - Leopold Dzajkic]