Joe Astray spielt am Samstag ein Weihnachtskonzert im Take Care

Bernhard Amelung

Biographische Brüche, Neuanfänge und die Suche nach einem Zuhause verarbeitet Joe Astray in seinen Songs. Am Samstag gibt der Sänger und Gitarrist aus Hamburg ein intimes Konzert im Take Care.

Es gibt keine Landkarte, kein Buch, keine Religion, kein Licht, das den einen richtigen Weg zeigt. Joe Astrays Song "Lost in the living" kulminiert in dieser Aussage. Der Sänger, 1986 in der australischen Stadt Sydney geboren, richtet ihn an einen Menschen, der ihm sehr nahe steht. "Ich habe ihm diesen Song gewidmet, denn ich möchte ihm sagen, dass niemand einem gesellschaftlichen Druck entsprechen muss", sagt er. Es sei okay, wenn man im Alter von 17 Jahren noch nicht wisse, wo man hingehöre und wo man im Leben hinwolle.


Der Song "Lost in the living" kann auch ein autobiographisches Dokument des Sängers sein, der aktuell in Hamburg lebt und am Samstag ein Konzert im Take Care im Stühlinger gibt. Astray, eigentlich Josef Endicott, wird in eine Künstlerfamilie geboren. Der Vater ist Schauspieler, die Mutter ist Tänzerin, die von Anfang an zum Ensemble von Pina Bauschs Tanztheater gehörte. Wenn Endicott alias Astray das Gefühl von Orientierungslosigkeit und Verlorensein thematisiert, singt er immer auch ein bisschen über sich selbst. "Eigentlich zu 100 Prozent", sagt er und lacht. "Ich bin als Kind nach Deutschland gekommen. Ich bin alle zwei bis drei Jahre umgezogen. Neue Schule, neues System, neue Menschen, neue Freunde finden. Ich war immer der Neue und musste mich anpassen."



Diese Brüche und Neuanfänge, die Suche nach einem Zuhause, verarbeitet er in seinen Songs, die vom Punkrock beeinflusst sind. "In Zeiten, in denen ich keinen Halt im Leben spürte, gab mir der Punkrock kraft", sagt er. Das sei auch heute noch so. Als Kraftquelle hinzugekommen sind außerdem die Meditation und die Natur. Letzteres ist etwas, was den Sänger und Gitarristen, der auch noch das Bandprojekt Jimi Satans Schuhschop unterhält, noch stark mit Freiburg verbindet. Bis 2013 seine Wahlheimat.

Antworten auf die Frage, was Heimat und Zuhause für ihn bedeuten, hat er noch nicht gefunden. "Heimat ist aktuell für mich nicht an einen Ort gebunden. Das können Freunde sein, aber auch die Liebe kann ein Gefühl von Heimat erzeugen. Eigentlich braucht es dazu sehr wenig", so Astray. Eine Schlussfolgerung, die er auch in seinem Song "Newtown" zieht, mit dem er die 2016 veröffentlichte EP "Painting The Picture Of Distance" beendet. Genügsamkeit, innere Ruhe und Zufriedensein. Darauf kommt es im Leben auch eigentlich an.
Was: Take Care Weihnachtskonzert w/ Joe Astray
Wann: Samstag, 23. Dezember 2017, 20 Uhr
Wo: Take Care, Eschholzstr. 44, 79106 Freiburg