Jochen Brugger: Mit Elan und frischem Wind aus der Krise

Daniel Keienburg

"Der Neubeginn muss mit einem personellen Umbruch einhergehen”, sagt Jochen Brugger (26) studierter Sportökonom und seit 1. Juli einer der neuen Macher beim Eishockeyoberligisten EHC Freiburg. Brugger sagt diesen Satz mit vollster Überzeugung und ohne unterschwellige Kritik an den bisherigen Entscheidungsträgern. Die Vergangenheit interessiert ihn nicht, was zählt ist nur die Zukunft: “Das Eishockey in Freiburg hat durch glückliche Umstände eine letzte Chance erhalten, nun müssen wir alles dafür tun, diese zu nutzen.”



Für Jochen Brugger, der mit dem Verein einen Beratervertrag abgeschlossen hat, ist die Aufgabe bei den Wölfen auch eine persönliche Herausforderung. Im Oktober 2005 beendete er sein Studium zum Diplom Sportökonom in Bayreuth, nach einem sechsmonatigen Praktikum beim SC Freiburg bedeutet die Tätigkeit beim EHC für ihn den Einstieg ins Berufsleben.


Parallel zum neuen sportlichen Konzept, das endlich wieder erfolgreiches und zugleich attraktives Eishockey ermöglichen soll, sieht Brugger vor allem im professionellen Auftreten den Schlüssel für eine bessere Zukunft. “Meine Hauptaufgabe besteht darin, eine vertrauensvolle Basis zu schaffen. Es muss wieder “in” sein zum Eishockey in Freiburg zu gehen.” Für die Fans, in die Eishalle zu kommen, für die Sponsoren und VIPs sich beim EHC zu engagieren, für die Medien über den Verein zu berichten.

Brugger plant auf allen Ebenen ein neues Image des Vereins zu etablieren, auch weil er festgestellt hat, dass Nachhol- und Kommunikationsbedarf besteht: Ob regelmäßige Treffen mit den Fans, Ansprechpartner des Vereins zu Bürozeiten und bei Auswärtsfahrten, dazu verstärkte Sponsorenaquise und die Betreuung der Geldgeber im neu errichteten VIP-Bereich. Der passionierte Tennisspieler (zuletzt noch in der Bayernliga aktiv) sprüht förmlich vor Energie, wenn er über seine Ideen und die anstehenden Projekte spricht.

Sein Engagement für die Wölfe entstand eher zufällig. Als Mitarbeiter der Marketingabteilung des SC besuchte Brugger im Frühjahr 2006 ein Heimspiel der Wölfe und lernte den Vereinsvorsitzenden Wolfgang Kunkler kennen. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Interessengemeinschaft, nach der Insolvenz der Wölfe-GmbH berief Kunkler den aus Löffingen stammenden Brugger dann als Ratgeber für alle außersportlichen Angelegenheiten in den Verein. “Ich bin Herrn Kunkler für das mir entgegengebrachte Vertrauen sehr dankbar.

Es ist nicht alltäglich, dass einem 26-Jährigen die Möglichkeit gegeben wird, so einen Neubeginn mitzugestalten. Es ist für mich ein großer Ansporn diesem Vertrauen gerecht zu werden.” Brugger liebt die Herausforderung. Bereits bei einem Praktikum in Schwenningen während der letzten DEL-Saison des Freiburger Erzrivalen, erlebte er die Schattenseite des Eishockeys in Deutschland: Die großen Finanzierungsschwierigkeiten der Sportart. Auch bei den Wölfen war er Zeuge, als die GmbH Insolvenz anmelden musste. “Anders als beim Fußball, finanziert sich Eishockey lediglich durch die Zuschauereinnahmen und Sponsoren. Daher müssen wir nun beiden Seiten beweisen, dass wir professionell und erfolgreich arbeiten und sich ein Besuch oder ein Engagement bei uns lohnt. Der Sport ist so abwechslungsreich, spannend und attraktiv: Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Eishockey auch finanzieren lässt und will meinen Teil dazu beitragen, das zu beweisen.”

Aktuell arbeitet Brugger bereits an der Akquise neuer Geldgeber für die Wölfe, ab September wird er voraussichtlich die komplette Vermarktung des EHC übernehmen. Sein Engagement ist der erste Schritt zu einer personellen Neuausrichtung des Vereins und auch ein Generationswechsel in der Führungsriege. Die kommende Spielzeit ist nicht nur für den Verein ein Wegweiser. Auch Jochen Brugger steht vor einer großen Bewährungsprobe.