Jessica Gruber: "Den muss ich umhauen."

Kristina Bieda

Sieht nett aus, diese junge Frau, nicht wahr? Sie heißt übrigens Jessica. Welche Sportart könnte sie ausüben? Volleyball? Hockey? Schwimmen? Alles falsch. Jessica spielt American Football. Nur mit Jungs. Und erzählt uns: "Wenn jemand mit voller Kraft auf mich zurennt, darf ich da nicht zurückschrecken, sondern muss ihn umhauen."



Das ist Jessica Gruber. Sie ist 25 Jahre alt und studiert Biologie, Englisch und Deutsch an der PH Freiburg. Jessica hat lange, blonde Haare, ist 1,72 Meter groß. Und sie hat eine Leidenschaft, die sie nicht unbedingt mit vielen Frauen in Freiburg teilt. Sie spielt American Football.


"Eigentlich komme ich vom Geräteturnen. Aber zwei Freundinnen zu Hause haben mich gefragt, ob ich nicht mal zum American Football-Training mitkommen will. Das habe ich einfach mal gemacht." Zu Hause - das ist in Stuttgart. Dort hat sie erst in einer Frauenmannschaft gespielt. Aber da sie in Freiburg studiert und dadurch nur in den Semesterferien intensiv trainieren konnte, hat sie bei den 1844 Sacristans nachgefragt, ob sie nicht bei den Männern mittrainieren könne. Denn in Freiburg gibt es bereits seit Mitte der 1990er keine Frauen-Football-Mannschaft mehr.

"Bei der Anmeldung dachten sie auch erst, ich wollte mich für die Cheerleader anmelden", sagt Jessica. Aber es hat dann doch alles geklappt. Seit zwei Jahren trainiert sie zweimal in der Woche zwei Stunden mit den Männern.



"Die Jungs sind für mich wie 30 große Brüder." Beim Training möchte sie nicht geschont werden, nur weil sie ein Mädel ist. Die Jungs versuchen, sich daran zu halten. "Aber ich kriege schon mit, dass sie ab und zu kurz vorher abbremsen," sagt sie.

Ihre Position ist in der Defense. Ihre Aufgabe ist es, den Gegner aufzuhalten und am Weiterkommen zu hindern. Blaue Flecken bleiben da nicht aus. "Man darf keine Angst vor Kontakt haben und eine gewisse Aggressivität sollte man schon mitbringen." Wenn jemand mit voller Kraft auf sie zurennt, "darf ich da nicht zurückschrecken, sondern muss ihn umhauen."



Selbst ihre Zulassungsarbeit hat Jessica über "American Football als Thema im Englischunterricht" geschrieben. Ihre Freundinnen beschweren sich zwar oft, dass sie zu wenig Zeit für sie hätte. Ihr Freund Jochen Kern dagegen hat keinen Grund zu klagen. Denn er ist der Cheftrainer der Sacristans. Und ist stolz auf sie: "Die Jessi beißt sich durch. Es gibt keine Probleme, da sie ein so unkomplizierter Typ ist."

Jessica trainiert die "Flaggies". So werden die Spieler beim Flag Football genannt. Das heißt: Es findet kein Kontakt zwischen den Spielern statt, sondern sie haben ein oder zwei Flaggen an ihrem Gürtel stecken, die dann vom gegnerischen Spieler herausgezogen werden. So bleibt die Verletzungsgefahr gering. Jessi trainiert in Freiburg Jungs und Mädels im Alter zwischen 10 und 15 Jahren.

Leider darf Jessica Gruber nicht an den Spielen der Mannschaft teilnehmen. "Es gibt zwar eine Frauenliga in Deutschland, aber keine Frauenmannschaft hier in der Nähe. Auch die in Stuttgart sind zu wenig für eine richtige Mannschaft." Trotzdem fährt Jessi bei jedem Auswärtsspiel mit und feuert die Jungs von der Bank aus an. "Manchmal schon bitter, wenn man nur zugucken darf", sagt sie. Aber sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass Stuttgart irgendwann wieder eine richtige Frauenmannschaft hat und sie dann am Ligabetrieb teilnehmen kann.

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