Jeder braucht diesen Kick

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum wir Kaffee trinken? Seitdem im 15. Jahrhundert die anregende Wirkung der Kaffeekirsche bekannt wurde, machen sich die Menschen einen aufputschenden Sud daraus. Über Äthiopien und die arabische Halbinsel kam der Kaffee auch nach Europa, wo sich die Konsumkultur sehr diversifizierte. Und auch der gute alte Goethe hatte seine Finger mit im Spiel.

Über die Entdeckung der anregenden Wirkung des Kaffees in der äthiopischen Region Kaffa gibt es eine schöne, aber nicht überprüfbare Legende über einen Ziegenhirten, der seine Tiere von diesem Strauch essen und und dann bis spät in die Nacht herumtollen sah. Nach geraumer Zeit kam die Kenntnis der Pflanze und ihrer Wirkung auch nach Arabien, wo die Stadt Mokka (im heutigen Jemen) zum Handelszentrum dafür wurde.


Sie psychisch wirksame Substanz wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals isoliert. Der Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge extrahierte – auf Anregung seines guten Bekannten Johann Wolfgang von Goethe – das weiße kristalline Pulver. Wie es im Gehirn und auf die Nervenzellen wirkt, wurde jedoch erst deutlich später herausgefunden.

Das Koffein besetzt an den Nervenzellen spezielle Rezeptoren, die eigentlich gar nicht dafür bestimmt sind. Eigentlich sind diese für einen Botenstoff reserviert, der den Nervenzellen nach andauerndem Betrieb sagt: „Mach ruhig, fahr mal bisschen runter!” Durch das Koffein sind diese Rezeptoren dann zwar besetzt, werden aber nicht aktiviert. Dieser entmüdende Effekt lässt sich jedoch nicht dauerhaft aufrechterhalten: Schon nach einer Woche regelmäßigen Koffeinkonsums bilden die Nervenzellen neue Rezeptoren und man entwickelt eine große Toleranz gegenüber dem psychischen Wirkstoff.

Neben Kaffee, Tee, Cola und Co. gibt es den Muntermacher auch in Schokolade, diversen Energiedrinks und -bonbons und sogar in Medikamenten. Bei denen, zum Beispiel bei Kopfschmerztabletten, wird Koffein zur verstärkten und schnelleren Wirkung benutzt; es kann nämlich problemlos die Blut-Hirn-Schranke überwinden.

Dass man in südlicheren europäischen Gefilden eher kleine und starke, in nördlicheren eher große und dünnere Kaffearten zu trinken pflegt, liegt am Einfluss der Sonne. Im Norden braucht der Kaffejunkie eher einen konstanten Spiegel des Wirkstoffs über den Tag, an dem nicht so viel wach machende Sonne scheint. Der Südeuropäer hingegen hat genug Sonne. Er braucht in den Down-Phasen des Tages einfach einen kurzen Kick, um wieder auf den Damm (il perineo) zu kommen.