Jazz in Freiburg (4): Jazz Night Group @ JosFritz

Bernhard Amelung

In zwei Stunden beginnt ein sehenswertes Jazzkonzert mit dem russischen Trompeter Alex Sipiagin im Jos Fritz Café. Der Gig findet statt im Rahmen der Jazz Night. Wir haben uns mit den Organisatoren Jürgen Hagenlocher (Foto) und Ingmar Kerschberger vorab getroffen.



Jos Fritz Café. In dem engen schlauchförmigen Raum hat sich die Wärme des Frühlingstages festgesetzt. Die Luft ist ein wenig stickig. Ein Mann in einem leicht zerknitterten Leinenhemd bestellt gut gekühlten Weißwein. Abkühlung tut gut. Dies findet auch Jürgen Hagenlocher, Jazz-Saxophonist und Mitinitiator der Jazz Night im Jos Fritz Café. Der Anfang-Vierziger öffnet den Reißverschluss seines schwarzen Cardigans, bestellt sich ein helles Hefeweizen und atmet tief durch.


Es ist ein kurzer Moment des Luftholens und Innehaltens vor einer langen und anstrengenden Woche, die heute um 20.30 Uhr mit einem Sonderkonzert ihren Höhepunkt erreichen wird. Gast der Veranstaltung ist der mehrfach ausgezeichnete, russische, seit langer Zeit in New York lebende Jazz-Trompeter Alex Sipiagin.

„Es ist erst das zweite Mal in der noch jungen Geschichte der Jazz Night, dass wir einen so namhaften auswärtigen Musiker nach Freiburg einladen“, erklärt Jürgen Hagenlocher, selbst Gründer und musikalischer Leiter eines nach ihm benannten Quintetts. „Finanziell können wir solche Gastmusiker nur ganz selten stemmen“, pflichtet sein Partner Ingmar Kerschberger bei, der sich ein wenig später dazugesellt (Foto unten). „Denn eine Bezuschussung aus den Mitteln der Kulturförderung der Stadt Freiburg erhalten wir nicht“, führt er weiter aus. Die Jazz Night ist daher ein reines Liebhaberprojekt, das hauptsächlich von den Einnahmen an der Abendkasse lebt. „Im schlimmsten Fall müssen wir halt aus eigener Tasche drauflegen“, sagen die beiden Jazzmusiker.

Trotzdem ziehen sie ihr Ding durch. Andy Hermann am Piano, German Klaiber und Arne Huber am Bass sowie Jörg Eckel an den Drums bilden dabei als fest gesetztes Ensemble die Rhythmusgruppe. Ausgewählte Einzelmusiker aus dem Inland und dem benachbarten Ausland ergänzen diese. „Ein sehr reger Austausch besteht vor allem mit in der Schweiz beheimateten Musikern. Dies ist nicht zuletzt auch auf unseren musikalischen Werdegang zurückzuführen“, erklärt Jürgen Hagenlocher.

Seit der Spielzeit 2008 / 2009 firmiert die Jazz Night unter eigenem Namen in Abgrenzung zur Hammond Jazz Night als eigenständige Veranstaltung. Keineswegs waren persönliche Differenzen zwischen den Organisatoren Grund und Anlass dafür, in Zukunft getrennte Wege zu gehen. Schließlich ist Thomas Bauser, der Kopf der Hammond Jazz Night, ein fester Bestandteil des Jürgen Hagenlocher Quintetts. „Diese Trennung ermöglicht uns jedoch, eine musikalische Vielfalt zu gewährleisten. Denn wir sind somit nicht an die Hammond Orgel gebunden“, führt Jürgen Hagenlocher aus. Auf Vielseitigkeit in der Programmgestaltung legen er und sein Team großen Wert. Kein Solo-Instrument bestimmt zwei Mal in Folge einen Abend. Hin und wieder steht eine Veranstaltung auch ganz im Zeichen eines legendären Jazzmusikers wie beispielsweise John Coltrane, Charles Mingus oder Charlie „Bird“ Parker.

Doch genauso wird auch das Werk genreübergreifend tätiger Musiker wie Pat Metheny oder Herbie Hancock gewürdigt. Letzteres auch, um ein neues Publikum zu erschließen, das möglicherweise mit Jazz noch nicht viel anzufangen vermag, für das aber das Werk eines Pat Metheny oder Herbie Hancock ein musikalisch positiv besetzter Topos darstellt.



„Ein großes Anliegen von uns ist es, auch jüngere Menschen zu erreichen und sie an die Musik heranzuführen“, so Hagenlocher. „Jungen Menschen die Musik so eindrücklich erlebbar machen, dass sie vielleicht selbst ein Instrument erlernen und mit Jazz beginnen wollen. Ganz einfach, weil sie sich zur Musik hingezogen fühlen und eine Leidenschaft beginnt.“

Hagenlochers Erstkontakt mit Jazz? „Es war A Love Supreme von John Coltrane. Ich hörte dieses psalmische Werk mit ungefähr siebzehn Jahren und war danach wie verändert." Tief beseelt setzt Jürgen Hagenlocher alles daran, selbst Saxophon und diese Musik spielen zu können.

Es folgt die Bewerbung an mehreren Musikhochschulen, um eine Ausbildung zum Jazzmusiker antreten zu können. Letzten Endes entscheidet er sich für die Swiss Jazz School in Bern in der Schweiz. Warum gerade diese Hochschule? „Die Swiss Jazz School gilt als konservativ. Das heißt, die Herangehensweise an und Interpretation des Jazz wird dort werkgetreu gelehrt." In Bern lernt Jürgen Hagenlocher auch seine heutigen Weggefährten und Mitstreiter, Ingmar Kerschberger und Thomas Bauser kennen. „Wir waren ein Jahrgang, lebten in einer WG“, erklärt er. „Sehr schnell merkten wir, dass wir menschlich und musikalisch auf einer Wellenlänge liegen.“

Der Grundstein für die Quintett-Gründung war gelegt. In dieser Zeit knüpfen Jürgen Hagenlocher, Ingmar Kerschberger und Thomas Bauser ein dichtes Netzwerk mit zahlreichen Jazz-Musikern, ein Künstler-Fundus, aus dem sie für ihre Veranstaltungen noch heute schöpfen. „Die meisten Gastmusiker, die im Rahmen einer Jazz Night spielen, kennen wir persönlich, sei es noch aus Studiumszeiten, von Workshops oder eigenen Konzertreisen. Das erleichtert die Planung einer Veranstaltungsreihe“, sagt Jürgen Hagenlocher.

Inzwischen ist es spät geworden. Frische, kalte Luft strömt durch ein inzwischen geöffnetes Fenster. Jürgen Hagenlocher senkt den Blick. Auf die Frage, ob er für seine Jazz Night einen Wunsch aussprechen möge, überlegt er lange. „Eigentlich geht es uns gut im Jos Fritz Café. Das Publikum ist angenehm entspannt, nimmt unsere Musik gut auf und lässt sich durchaus begeistern und mitreissen. Ein tiefer Wunsch von uns ist auf jeden Fall, dass sich auch jugendliche Menschen von unserer Musik beseelen lassen, und dass wir in Zukunft vor Sonderkonzerten nicht mehr so viel Zahlenspiele betreiben müssen.“

Was: Jazz Night, vierzehntägig, jeweils von Oktober bis Mai
Wann: Nächster Termin mit Alex Sipiagin heute, 13. April 2010, 20.30 Uhr
Wo: Jos Fritz Café, Wilhelmstraße 15
Eintritt: € 7 / 4