Jazz in Freiburg (3): Hammond Jazz Night @ Jos Fritz Café

Bernhard Amelung

Einer, der die viel zu wenig beachtete, kleine Freiburger Jazzszene am Leben erhält, ist Thomas Bauser, der im Jos Fritz Café regelmäßig seine Hammond Jazz Night organisiert. Vor dem nächsten Termin mit dem hörenswerten Gitarristen Roland Pfeiffer haben wir uns mit Bauser in der Spechtpassage getroffen.



Dienstagnachmittag. Ein kühler Wind streicht durch die Freiburger Spechtpassage. Nur vereinzelt sitzen Gäste auf den Eisenklappstühlen, die Mitarbeiter des Jos Fritz Cafés aufgestellt haben. Sie kuscheln sich in ihre stadttaugliche Funktionskleidung oder trotzen der Kälte mit Heißgetränken. Unter ihnen befindet sich Thomas Bauser. Der Mittvierziger ist Anreger der Jazz Night und Hauptorganisator der Hammond Jazz Night im Jos Fritz Café. Langsam trinkt er einen Schluck heißen Kaffee. Schon bald wird er sich an den Aufbau seiner Hammond B3 machen, dem namensgebenden Instrument seiner heute Abend stattfindenden Veranstaltung.


„Im Herbst 2009 ging die Hammond Jazz Night bereits in ihre sechste Saison. Allerdings ist es erst die dritte Spielzeit im Jos Fritz Café. Davor veranstalteten wir regelmäßige Jazz-Abende im Ruefetto“, beginnt Thomas Bauser. Wir, das sind Jürgen Hagenlocher, Ingmar Kerschberger, die sich derzeit um die Jazz Night kümmern, sowie der Jazzdrumer Jörg Eckel. In den Anfangsjahren sind die beiden Veranstaltungskonzepte nicht so trennscharf voneinander abgegrenzt. Der Split-off ist erst vor zwei Jahren erfolgt. „Jörg Eckel an den Drums und ich an der Hammond Orgel bilden die Rhythmusgruppe. Sie ist das musikalische Fundament. Dazu laden wir uns für jede Veranstaltung einen Gastmusiker oder Sänger ein“, beschreibt Thomas Bauser das charakteristische Merkmal seiner Jazznacht, die in der Regel vierzehntägig, von Mitte September bis April, stattfindet.

Mit einem Projekt dieser Art hat sich Thomas Bauser gedanklich schon sehr lange auseinander gesetzt. Antrieb und Motivation hierfür ist zum einen seine persönliche musikalische Entwicklung. Im Alter von sieben Jahren erhält er ersten Klavier- und Orgelunterricht. 1985 nimmt er an der Musikhochschule in Freiburg ein klassisches Klavierstudium auf, das er 1990 erfolgreich abschließt.

„Während meines Studiums entflammte zudem meine Liebe zum Jazz in all seinen Erscheinungsformen. Immer stärker wurde mein Verlangen, mich mit dieser Musik auseinander zu setzen.“ So bricht Thomas Bauser seine Zelte in Freiburg ab.

Rund 160 Kilometer weiter südlich, in Bern, schlägt er sie wieder auf, um an der dortigen Swiss Jazz School ein Aufbaustudium zum Jazzpianisten anzutreten. Während seiner Jahre in Bern lernt er die heutigen Teammitglieder kennen und knüpft zahlreiche Kontakte zu national sowie international auftretenden Jazzmusikern. Mit Abschluss seines Studiums ist er selbst auch beruflich als Jazzpianist und –Organist unterwegs, unter anderem mit der in Freiburg nicht unbekannten Gruppe „Tok Tok Tok“ sowie Cécile Verny.



Zum anderen bekräftigt ihn ein Aufenthalt in New York vor etwas mehr als sieben Jahren in seiner Entscheidung, sich für eine eigene Jazznacht in Freiburg zu engagieren. „Ich besuchte dort das „Smoke“, einen dieser zahlreichen Broadway-Jazzclubs. Die hatten und haben immer noch eine Clubnacht, in deren Mittelpunkt die gute alte B3 steht, der Hammond Orgel-Klassiker. Das hat mich als leidenschaftlichen Orgelspieler tief beseelt.“

In Freiburg eine neue Konzertreihe aufzubauen und zu etablieren, ist jedoch kein leichtes Unternehmen. Denn nimmt man das in dieser Stadt vorhandene Angebot wahr, schöpft es aus, hat man die Möglichkeit, an fast jedem Abend Jazzmusik umsonst zu genießen. „Dies ist sehr begrüßenswert“, findet Bauser.

„Schließlich lebt eine Szene auch von Plattformen dieser Art. Dies erschwert es jedoch einem Veranstalter erheblich, den Mittelbau einer Musikszene nach Freiburg zu buchen.“ Musiker also, für die manch einer kein Geld ausgeben möchte, weil sie noch keinen großen Namen in der Szene haben; Musiker, die daher von den großen Häusern noch nicht gebucht werden, weil sie Konzertsäle nicht zum Bersten füllen. „Du bist verrückt“, wird ihm anfangs daher auch aus den eigenen Reihen entgegen gebracht. Doch hin und wieder bedarf es dieser kleinen Prise Verrücktheit, gepaart mit einem Mut zum Ausprobieren und Beharrlichkeit, dass ein Konzept gelingt.

„Meinen Lebensunterhalt bestreite ich damit jedoch nicht. Ich verdiene kein Geld mit der Hammond Jazz Night“, sagt Bauser. „Das ist auch gar nicht meine Motivation, diese Abende auf die Beine zu stellen. Die Einnahmen eines Abends werden für die Künstlergage, Werbekosten und so weiter verwendet. Verdienen wir an einem Abend mehr, verwenden wir dieses Plus in der Kasse, um Einbussen aus schwächer besuchten Konzerten auszugleichen.“

Den Eintrittspreis, der in diesem Fall vielmehr den Charakter eines Unkostenbeitrags hat, sieht Thomas Bauser auch als Chance und (Standort-)Vorteil. „Unsere Gäste kommen des Konzertes, der Musik und der ausübenden Künstler wegen. Sie verhalten sich diesen gegenüber auch respektvoller, lassen sich auf den Abend, auf die Musik ein und quatschen nicht während des gesamten Konzerts.“



Die Gäste einer Hammond Jazz Night setzen sich jedoch keineswegs aus einem ausgewählten, handverlesenen Zahlpublikum zusammen, das den Abend als persönlichen Laufsteg betrachtet. Eine einheitliche Szene ist genauso wenig auszumachen. „Selbstverständlich gibt es viele Stammgäste“, erklärt Thomas Bauser. „Von diesem Fundament lebt eine Veranstaltung auch. Unser Publikum ist jedoch gesellschaftlich bunt zusammengewürfelt.“

Vielleicht werde der eine oder andere Jazz-Liebhaber vom Veranstaltungsort ein wenig abgeschreckt, gibt er zu bedenken, weil sich in dessen Kopf das Klischee vom „alternativen Jos Fritz Café“ festgesetzt habe. „Doch wenn ich ganz ehrlich bin, macht mir das nichts aus. Für eine Plattform, auf der die Gäste zeigen, wer sie sind und was sie haben, will ich meinen Namen nicht hergeben. Bei uns steht die Musik, stehen die Künstler im Vordergrund.“

Diese schafft Thomas Bauser nicht zuletzt aufgrund seiner hervorragenden Vernetztheit und seines gut gefüllten Adressbuches mit Leichtigkeit heran. „Erstelle ich den Veranstaltungskalender für eine Saison, geht es oftmals vielmehr darum, wen ich für einen Abend nicht buche“, sagt er.

Soziale Netzwerkplattformen wie MySpace oder Facebook spielen dabei keine Rolle. „Meine Online-Aktivitäten sind in dieser Hinsicht sehr gering. Auf MySpace bin ich beispielsweise gar nicht vertreten, eine eigene Website habe ich auch erst seit rund eineinhalb Jahren. Dafür habe ich einfach keine Zeit, da ich an sehr vielen Projekten gleichzeitig beteiligt und mit mehreren Bands unterwegs bin und Konzerte gebe. Vielleicht kümmere ich mich darum, wenn die Hammond Jazz Night Ende April in ihre Sommerpause geht“, sagt er.

Diese beginnt mit dem Ende des letzten Konzerts, das am 20. April 2010 stattfinden wird. Auf die Frage, ob er für die kommende Spielzeit einen Wunsch aussprechen möchte, schließt Thomas Bauser die Augen und überlegt einen kurzen Augenblick. „Über die letzten Jahre hinweg hatten wir den einen oder anderen Abend, an dem geniale Musiker zu Gast waren und vor kaum mehr als zwanzig Gästen gespielt haben. Nach geraumer Zeit stellte sich so etwas wie eine Beziehung zwischen den Künstlern und dem Publikum ein, vermittelt durch die Musik. Es herrschte eine innige, sinnliche Stimmung, die unter die Haut ging, und nachdem der letzte Ton verhallt war, herrschte eine andächtige Stille. Diese Atmosphäre möchte ich noch sehr lange mit anderen Menschen teilen. Und dass der Strom an neuen Musikern und Gästen nicht abreißen wird, das wünsche ich mir und der Hammond Jazz Night auch.“

Was: Hammond Jazz Night mit Roland Pfeiffer (Gitarre), Jörg Eckel (Schlagzeug) und Thomas Bauser (Hammond B3)
Wann: Dienstag, 20. April 2010, 20 Uhr
Wo: Jos Fritz Café, Wilhelmstr. 15
Eintritt: 7 € / 4 €

[Fotos: Thomas Bauser, Michael Bamberger]