Jan Weiler: Freiburgs topgelaunte Penner

Johanna Schoener

"Und was nehme ich aus Freiburg mit, neben dem Gefühl der Behaglichkeit, die diese Stadt sofort und auf fast penetrante Weise erzeugt? Auf jeden Fall eine Info, mit der ich bei ,Wer wird Millionär?’ punkten könnte", schreibt Jan Weiler über seinen letzten Besuch in Freiburg. Am Mittwoch liest der Ex-Chef des SZ Magazins im Jazzhaus.

Manchmal braucht es nur eine Lesereise und schon entspringt ihr das nächste Buch, mit dem man schon wieder auf Lesereise gehen kann: „In meinem kleinen Land“ (2006) entstand auf Jan Weilers Tour von September 2005 bis Juni 2006 kreuz und quer durch deutsche Theater, Bibliotheken und Buchhandlungen. 100 Städte hat er in dieser Zeit gesehen und dabei in einem Reisetagebuch Eindrücke und Erlebnisse gesammelt. Zunächst erschienen die Texte in einem Weblog bei ZEIT-Online, gekürzt und umgeschrieben sind sie „In meinem kleinen Land“.


Jan Weiler scheint nicht auf die Suche nach Schreibstoff zu gehen, sondern er begegnet ihm einfach. So wie seiner italienischen Frau. Und seinem italienischen Schwiegervater, der als Gastarbeiter nach Deutschland kam. Und der ganzen dazugehörigen italienischen Sippe - genug Material für eines der erfolgreichsten deutschen Romandebüts. „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ erschien im September 2003 und verkaufte sich über 1,3  Millionen  Mal.

Wie auch im Folgeroman „Antonio im Wunderland“ (2005) steht im Mittelpunkt der Schwiegervater des Erzählers, Antonio Marcipane, mit all seinen italienischen Eigenheiten.

Weiler will die Romane trotz oder wegen seiner eigenen italienischen Verwandtschaft aber als Fiktion und nicht als autobiographisch verstanden wissen. Was seinen echten Schwiegervater, wie man aus „In meinem kleinen Land“ erfährt, bei einer Lesung in Krefeld aber nicht davon abhielt, sich spontan zu seinem Schwiegersohn auf die Bühne zu gesellen und sich „tief und würdevoll vor dem verdutzten Publikum“ zu verbeugen.

Weiler musste für seine Darstellung der Italiener auch Kritik einstecken, sie sei klischeehaft und einfältig. Aber genau darum geht es in den Büchern - um den humorvollen Umgang mit Klischees, an denen ja immer irgendwie etwas dran ist. Deswegen strotzen sie vor Situationskomik und wer einmal in Italien war, wird sich Wiedererkennungseffekten nicht entziehen können.

In dem ihm typischen, direkten Tonfall schildert Weiler auch seine Alltagserlebnisse „In meinem kleinen Land“. Dass bei so kurzen Stippvisiten nicht jeder Eindruck, den Orte auf ihn gemacht haben, richtig sein muss und so manches gefällte Urteil vielleicht gar falsch ist, dafür entschuldigt sich der Autor schon in der Einleitung. Es sind jedoch eben diese kurzen subjektiven Momentaufnahmen, bei denen man ihn gern begleitet.

Und so fällt diese Momentaufnahme in Freiburg aus:

„Das Kontrastprogramm zu Pforzheim ist Freiburg. So was von schön. Überall zufriedene Menschen, die nur Biogemüse kaufen. Studenten, die in der Sonne sitzen, topgelaunte Penner und überall verwinkelte Fachwerkhäuser und Teeläden. Doll. Fast schon zu doll, fast schon ein ganz kleines bisschen nervig doll. Wahrscheinlich war Freiburg mal eine ganz normale Stadt, aber dann kam der Dufte-Faktor SC Freiburg und das schöne Wetter, und die haben eine Oase des Wohlfühlens, des Freigeistertums und der mit bunten Kreiden gemalten Mittagsmenüschilder daraus gemacht. Ich nenne das die vollkommene Volkerfinkisierung einer Stadt. Immer noch besser als die totale Ottfriedfischerisierung von Bad Tölz. Das auf jeden Fall. […]“

Alles Weitere im Jazzhaus. Jan Weilers Bühnenprogramm enthält neben Texten aus „In meinem kleinen Land“ auch Auszüge aus seinen Romanen.

Ach ja, bei Günther Jauch meinte Weiler übrigens damit punkten zu können, dass er seit seinem Freiburgbesuch am 11. Oktober 2005 weiß, dass das „hübsche blonde Schwarzwaldmädel“ auf den Tannenzäpfle-Flaschen Birgit heißt. Das Bier schmeckt ihm übrigens erstklassig.

Zur Person:
Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, arbeitete als Texter in der Werbebranche, absolvierte dann die Deutsche Journalistenschule in München und war viele Jahre Chefredakteur des „Süddeutsche Zeitung Magazins“. Heute lebt er als Autor mit seiner Familie in der Nähe von München. Seit April 2007 kann man wöchentlich im „Stern“ seine Kolumne „Mein Leben als Mensch“ lesen.



Mehr dazu:

Was: Jan Weiler liest "In meinem kleinen Land - Und andere bekannte Texte"
Wann: Mittwoch, 3. Oktober 2007, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus Freiburg
Eintritt: Vorverkauf 10 €, Abendkasse 12 €