Jan Walliser erzählt, wie es ist, mit einem Tierdompteur verheiratet zu sein

Carolin Buchheim

Im Dezember 2009 stürzte der Tierdompteur Christian Walliser bei einer Show und wurde von seinen Tigern angefallen. Schon damals an seiner Seite: der Freiburger Jan Walliser, 30. In dieser Woche sind die Wallisers mit ihren Raubkatzen auf der Messe Freiburg. Carolin Buchheim sprach mit Jan Walliser über das Leben an der Seite des prominenten Schaustellers.



 

Herr Walliser, Ihr Mann wurde 2008 von seinen Tigern schwerst verletzt.Wie geht es Ihnen, wenn er heute mit den Tieren in der Manege steht?

Jan Walliser: Ich war bei dem Unfall in Hamburg dabei. Es war ein unfassbar schreckliches Erlebnis. Die Ärzte sagten, Christian läge im Sterben, er hatte zwei Herzstillstände, lag im Koma. Doch dann erholte er sich, und als er zum ersten Mal zu Bewusstsein kam, frage er gleich, wie es den Tigern geht.

Wir hatten uns beide damals noch nicht geoutet; das kam noch dazu. Christians Eltern erfuhren in der Nacht des Unfalls, dass es mich gibt, und mir wurde  bewusst, dass ich im Krankenhaus keine Rechte hatte, irgendwas zu erfahren oder zu entscheiden, was Christian betrifft. Um das schlimme Datum zu vergessen, haben wir genau ein Jahr nach dem Unfall geheiratet, am 8. Dezember 2010.

Christian arbeitet übrigens weiterhin mit den Unfalltigern. Ich bin immer gottfroh, wenn die Vorstellung vorbei ist und er alles gut überstanden hat.

Wie lebt es sich mit Raubkatzen?

Als ich meinen Mann kennenlernte, dachte ich in den ersten Wochen schon: „Worauf habe ich mich da eingelassen?“ Ich habe ihn bei einer Show auf dem Mundenhof getroffen, damals hatte ich große Vorurteile gegenüber Tiershows und hielt sie für Tierquälerei. Ich bin nur mitgegangen, weil eine Freundin absoluter Tigerfan war. Heute  sind die Tiere auch für mich wie unsere Kinder.

Die drei Tiger Montecore, Aurora und Sangah haben wir mit der Flasche großgezogen. Zu Montecore habe ich ein besonders inniges Verhältnis – ich habe seinen Namen sogar tätowiert.  Ich war bei seiner Geburt dabei, er hat in meinem Bett geschlafen, ich hab ihm den Hintern gewischt – da ist schon eine sehr enge Bindung da. Montecore ist der beste Tiger der Welt. Er wird jetzt drei, ist total gechillt, immer gut drauf, will viel schmusen.

Das geht natürlich nicht mit allen Tigern, wir haben auch Tiere, mit denen gibt es keinen Körperkontakt.

Was macht Ihren Mann aus?

Christian ist selbstlos. Die Bedürfnisse der Tiere stehen über allem. Er ist glücklich, wenn es seinen Tieren gut geht und er ihnen beim Spielen zugucken kann. Er hat es lieber, wenn ich den Tieren ein Geschenk mitbringe, als ihm.



Mehr dazu:

Was: Christian Wallisers Raubtiershow
Wann: 1. bis 6. April 2015, Mittwoch bis Samstag 16 Uhr, Sonntag und Montag 14 Uhr
Wo: Messegelände Freiburg [Foto: Barbara Ruda, 2012]