Jamie Cullum beim ZMF: 5 Gründe, weshalb der Brite ein großartiger Entertainer ist

Bernhard Amelung

Wenn Jamie Cullum auf seinen Konzertflügel steigt, wirkt der 38-Jährige immer noch wie ein Anfangzwanziger. So auch bei seinem ZMF-Auftritt am Wochenende. Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb der Brite ein großartiger Entertainer ist.

Cullum, der Eisbrecher

Als die Lichtkegel erlöschen, spricht eine Stimme aus dem Off. "If you feel like tapping your feet, tap your feet. If you feel like clapping your hands, clap your hands. And if you feel like taking off your shoes, take off your shoes. We are here to have a ball. So we want you to leave your worldly troubles outside and come in here and swing." Ein Zitat von Art Blakey, jenes Jazz-Drummers, der mit seiner Band The Messengers den Grundstein für den Hard Bop-Stil gelegt hat. Rhythmisch verdichtet, groovebetont, tanzbar. So lässt er sich beschreiben.

Den Alltag hinter sich lassen, tanzen, eine Party feiern. Das will auch Jamie Cullum, 1979 in Essex geboren, mit seinem Publikum im Zirkuszelt. Ein offener Bassdrum-Sound, ein Backbeat, und der Brite stimmt "Get Your Way" an, mit dem auch sein Album "Catching Tales" aus dem Jahr 2005 beginnt. Das Publikum klatscht auf die Zwei, auf die Vier. Ein groovebetontes, tanzbares Stück. Partytime (Fotos).

Cullum, der Akrobat

"Freiburg, wie geht’s, ich heiße Jamie Cullum", sagt der 38-Jährige und klettert auf den Korpus seines Pianoforte. Eine Showeinlage, die er auf vielen seinen Konzerten zeigt. Beim Stimmen-Festival in Lörrach (2016) oder beim Jazzopen in Stuttgart. Cullum spielt mit der Erwartung des Publikums, das in freudiger Gespanntheit seine Bewegungen beobachtet. In Freiburg dauert das Spiel nicht lange. Er greift ein paar Akkorde, legt die Hände auf das Pianoforte, federt ein paar Mal ab, und steht auf dem Korpus. Das Publikum kreischt, jauchzt, erlöst von der Anspannung.

"So what game shall we play today?" singt Cullum, den Refrain von "Get Your Way", geht in die Knie und springt in die Luft. Er streckt die Beine seitlich vom Körper weg. So, wie man beim Surfen oder Snowboardfahren einen Backside Grab ausführen würde. Bei solchen Aktionen wirkt der Enddreißiger immer noch wie ein Anfangzwanziger, der auf einem Skateboard durch die Parks im Osten Londons cruist. Apropos Zwanzig: Sein zweites Album hat er "Twentysomething" betitelt, mit dem er in seiner englischen Heimat die Charts eroberte. Auf dem Kontinent gelang ihm das erst Jahre später mit "The Pursuit".

Cullum, der Clubjazzer

Im Frühjahr 1988 erschien "Frederick Lies Still" von Galliano, die erste Single auf Acid Jazz Records. Ein Label, das die Londoner Discjockeys Gilles Peterson und Eddie Piller gegründet hatten und einem vom Jazz beeinflussten Clubsound und Genre seinen Namen gab. Clubjazz schlechthin. Dieses Genre hatte Anfang der Neunzigerjahre seinen Zenit erreicht, und Cullum, Jahrgang 1979, damit zu jung, als dass er sich aktiv daran beteiligen konnte.

Was er mit diesem Genre jedoch gemein hat: Er greift in seiner Musik auf Elemente des Soul und Funk zurück, öffnet sich dem R’n’B, HipHop und Pop. Vertraute Hooklines und Akkordabfolgen kommen immer gut an. So zum Beispiel bei seiner Interpretation von Rihannas "Don’t Stop The Music" aus dem Jahr 2007. Umgekehrt richten’s bei "Sinnerman" von Nina Simone, ursprünglich ein Spiritual, die rhythmisch geradlinigen Drumgrooves und verspielte Akkordfolgen.

Cullum, der Improvisierer

Ein dumpfer Ton schwillt an, wird lauter, immer lauter. Er geht über in ein Rauschen und verhallt. Eine Rückkoppelung. Im Hintergrund hört man den Donner des Gewitters, das sich über Freiburg entlädt. Cullum und die Musiker seiner Band schauen sich an. Er schlägt ein paar Akkorde an, beginnt "All At Sea", lacht und fragt das Publikum: "Is this a thunder?". Er sequenziert das bekannte Motiv und improvisiert mit den Pattern. Er täuscht an, seine Cover-Version des Radiohead-Songs "High And Dry" zu spielen und beendet das Medley mit einer Version von "Amazing Grace".

Cullum, der Charmeur

"Germany has given us the chance of touring for more than…" Das Publikum lässt Jamie Cullum nicht aussprechen. Die Menschen im Zirkuszelt klatschen, schreien, pfeifen. Komplimente kommen immer gut an. Cullum steht auf, lacht, verspricht, im kommenden Jahr wieder zu kommen. Wer allerdings seinen Song "Next Year Baby" als Anspielung darauf versteht, liegt falsch. Dieser, 2003 auf "Twentysomething" erschienen, handelt von einem Menschen, der gute Vorsätze fasst - weniger Bier trinken, das Bad putzen, Rechnungen pünktlich bezahlen -, und sie doch nicht einhalten wird. "The answer’s probably no", singt Cullum weiter. Wahrscheinlich wird’s 2020 werden, bis er wieder in die Region kommen wird.

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