James Blunt über Romantik, Hass auf Twitter und Ironie: "Meine Songs sind nicht süß!"

Carolin Buchheim

James Blunt ist Fachmann für Songs für die verliebten Momente im Leben; sein Über-Hit "You’re beautiful" ist angeblich der beliebteste Hochzeitssong der Welt. Carolin Buchheim sprach mit dem britischen Schmusesänger über Twitter-Hass, Romantik und den Astronauten-Anzug, den er bei den Konzerten seiner aktuellen Tour trägt. Und wir verlosen zweimal je zwei Tickets für sein Konzert am Samstag in der Rothausarena.



Für jemanden der so romantisch-süße Lieder schreibt wie Du hast Du mit @jamesblunt einen ganz schön verdorbenen Twitter-Account. Warum nur?

James Blunt: Ich glaube Du verstehst meine Songs einfach falsch. Die sind gar nicht so brav, niedlich und romantisch wie alle immer meinen. Selbst mein berühmtester Song „You’re beautiful“ ist über einen Typen, der die Freundin eines anderen Manns in der U-Bahn anbaggert – während er high ist, übrigens. Das ist ja eigentlich weder romantisch, noch süß.

Wie kommst Du damit klar, dass Menschen diesen Song immer missverstehen?

Mir macht das absolut gar nichts aus. Wenn man einen Song veröffentlicht, dann gehört er den Zuhörerinnen und Zuhörern. Es wird zum Soundtrack ihres Lebens. Leute spielen „You’re beautiful“ bei ihrer Hochzeit, dabei endet das Lied mit der Textzeile „And I’ll never be with you“. Aber das ist okay. Menschen verbinden einen Song immer mit ihren eigenen Erlebnissen. Ich glaube, das ist besser, als wenn sie zwanghaft wissen wollten, was der Song mir, dem Sänger, bedeutet.

Auf Twitter retweetest du beleidigende Tweets und fügst gerne noch einen schlüpfrigen Witz hinzu. Hast du keine Angst, dass du damit deinem Image schadest?

Ich wäre nicht auf Twitter, wenn mein Plattenlabel nicht wollen würde, dass ich dort meine Alben und meine Tourneen promote. Twitter ist ziemlich seltsam. Es ist eine Plattform, auf der Menschen ihre Meinung kundtun – und zwar ein bisschen zu öffentlich. Fast so, als wären ihre Meinungen wichtig! Ich bin der Meinung, dass man die allermeisten Meinungen –meine inklusive – besser für sich behalten sollte. (lacht) Ich benutze Twitter um zu lachen – über mich selbst genauso, wie über die Leute, die Twitter total ernst nehmen. Ich meine: Twitter wird in den Nachrichten gezeigt! Ich verstehe das nicht.

Also ist es Dir egal, wenn wieder mal irgendwer twittert, dass Blunt sich auf „Cunt“ reimt?

Es ist so albern! „Riesengroßer Twitter-Shitstorm über das neue Lied von James Blunt“ schreibt irgendein Medium online – dabei sind es vielleicht gerade mal fünf Leute, die auf Twitter geschrieben haben, dass sie mein neues Lied nicht mögen. Und am gleichen Abend spiele ich vor 10.000 Leuten ein Konzert.

Diese 10.000 Leute haben sich echt viel Mühe gemacht: Sie haben ein Ticket gekauft und ein Zugticket und vielleicht auch ein Hotel gebucht, und haben viel Zeit und Geld darauf verwendet, mich zu sehen. Die Medien fokussieren trotzdem auf die fünf Leute, die quasi nichts investiert haben, sondern in 20 Sekunden fünf böse Worte in ihr Telefon getippt haben. Sie hätten sich ja wenigstens die Mühe machen können, zum Konzert zu kommen, damit sie mich wirklich hätten doof finden können!

Mir wird immer vorgeworfen, dass ich sanfte, seichte Mädchen-Lieder singe, mit zu viel Gefühl. Aber hey, ich bin der Typ, der sich auf die Bühne stellt, ins Rampenlicht, vor 10.000 Leute, und über seine Gefühle und sein Versagen und seine Fehler singt. Wenn man die Leute, die mich auf Twitter verhöhnt fragen würde, ob sie das gleiche vor 10.000 Leuten wiederholen wollte, dann würden sie sich sicherlich nicht trauen.

Gibt’s irgendwen auf Twitter, den du gut findest?

Ich folge @god.

Du hast zur Veröffentlichung deines aktuellen Albums „Moon Landing“ immer wieder gesagt, dass es "mehr James Blunt" sei, als der Vorgänger. Wie meinst du das?

„Moon Landing“ ist offener als das Vorgänger-Album. Als ich die Songs dafür schrieb, war ich auf einer fantastische Welttournee und habe in großen Stadien gespielt. Deswegen habe ich Songs geschrieben, die dort gut funktionieren würden. Wenn man eine Arena mit Sound füllen will, dann nimmt man nicht seine akustische Gitarre, sondern eine elektrische, um ordentlich Krach zu machen.

Für „Moon Landing“ habe ich mich von solchen Gedanken befreit und sehr persönliche Songs geschrieben, mit Sachen, die ich wirklich dringend sagen wollte. Ich habe das Album dann in Los Angeles mit jemandem aufgenommen, der schon da war, bevor es die vielen Zuschauer gab: Tom Rothrock. Mit ihm habe ich schon an meinem ersten Album „Back to Bedlam“ gearbeitet.

Merkt man eigentlich, wenn man Song aufnimmt, ob er ein Hit wird? Hattest du zum Beispiel ein besonders gutes Gefühl bei „Bonfire Heart“?

Nein, das merkt man nicht. Die schwierige Sache ist ja ohnehin, nicht an die Charts zu denken und an das Geld und daran, was andere Leute denken. Das Ziel muss ja immer sein, ein Lied zu schreiben, das wirklich etwas bedeutet, das ganz ehrlich ausdrückt, was man fühlt. Das sollte man dann im Idealfall auch noch selber gerne hören. Die Meinungen der anderen Leute bedeuten mir nicht so viel.

Ich veröffentliche „Moon Landing“ jetzt noch einmal mit einigen zusätzlichen Songs. Meine Plattenfirma und Leute von Radiostationen lieben alle den Song „When I find love again“, er wird auch als Single veröffentlicht. Dabei ist da auch ein Song drauf, der „Smoke Signal“ heißt - das ist der beste Song, den ich je geschrieben habe. Alle Leute, die nichts mit Plattenfirmen oder Radiostationen zu tun haben, finden das übrigens auch. Aber weil es ein Song ist, der von irgendwem als nicht-radiotauglich eingestuft wird, wird er dort nicht laufen und deswegen von weniger Menschen gehört werden. Am Ende ist die Musikindustrie halt einfach eine Industrie. Sie versucht, aus Kunst Geld zu machen.

Ich war im August bei deinem Konzert in Colmar und war beeindruckt davon, wie schmerzbefreit dein Auftritt war, wie egal dir offensichtlich die Meinung anderer Leute ist. Du hast alles für die Leute im Publikum gegeben. Wie ist es für dich, aufzutreten?

Eine Bühne ist ein seltsamer Ort. Tausende Leute starren einen an und das einzige was du machen kannst, ist absolut selbstbewusst zu sein und dir die Haut runter zu reißen und dich zu zeigen: Hier, das bin ich.

Dieses Erlebnis ist besser als jede Droge, besser als Therapie. Es ist Magie. Musik ist so eine großartige Sache. Sie bringt Menschen zusammen und zeigt auf, wie ähnlich wir uns alle eigentlich sind. Die Medien reden immer darüber, wie unterschiedlich wir alle sind – Muslime, Christen, Juden, Schwarz, Weiß, Schwul, Hetero. Aber mit Musik kann man sagen: "Hey, hier bin ich, ein Mensch, ein Mann, aber ich bin genauso wie Du, eine Frau, wir haben die gleichen Gefühle, die ich hier versuche auszudrücken". Das ist ein magischer Moment – ohne das man versucht, cool zu sein oder hip. Es geht nur darum zu sagen: Hier bin ich!

Apropos Coolness. Du hälst das Raumfahrt-Thema während des Konzerts absolut konsequent durch. Wie viel Ironie steckt in der Bühnenshow?

Am Ende trage ich einen Helm und einen Anzug, der aussieht wie ein Alien. Wir sehen wie Idioten aus, aber wir haben sehr viel Spaß dabei. Wir genießen es, uns keine Sorgen zu machen, ob wir gerade bewertet werden. Stattdessen haben wir nur Spaß. Und meine Bühnenoutfits sind übrigens von eBay.

James Blunt - Bonfire Heart (Acoustic)

Quelle: YouTube


James Blunt - When I Find Love Again

Quelle: YouTube


Verlosung

fudder verlost zweimal je zwei Tickets für James Blunt am Samstag, 18. Oktober 2014 in der Rothausarena. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff "I gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 17. Oktober 2014, 14 Uhr. Die Gewinner werden nach dem Ende der Verlosung per Anruf informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mehr dazu:

Was: James Blunt, Support 
Wann: Samstag, 18. Oktober 2014, 
Wo: Rothausarena Freiburg
Eintritt: ab 49,35 zuzüglich Gebühren [Bild: Promo]