James Blunt in Freiburg: Mehr als nur Der-mit-den-Jammer-Songs

Carolin Buchheim

Nicht auf dem Mond, sondern in der Rothaus Arena ist James Blunt mit seiner "Moon Landing"-Tour gelandet. Ein Abend mit Raumanzug und Taschenlampen-Sternen. Wie's war:



James Blunt hat keine Illusionen darüber, was seine Fans erwarten. "Ihr seid ja für die Jammer-Songs gekommen", sagt der britische Sänger ungefähr in der Mitte seines Konzertes am Samstagabend in der Rothaus-Arena, während er sich ans Piano setzt. "Der nächste Song ist übrigens der Lieblingssong meiner Band, weil sie jetzt ein Bier trinken gehen kann." Dann stimmt er seinen Herz-Schmerz-Hit "Goodbye My Lover" an. Junge Frauen im Publikum singen mit und halten ihre Smartphones in die Höhe – damit die Freundin zu Hause den Song auch hören kann, per What’s App-Soundnachricht.

James Blunt ist ein Mann mit gleich mehreren Missionen. Aktuell ist er auf Raummission, heißen seine aktuelle Tour und Album doch "Moon Landing". Die Deko der Welttournee passt so gerade eben noch in die Rothaus-Arena. Über der Bühne rotiert eine planetengroße Diskokugel, auf der LED-Wand leuchten Videos in zeitgenössischer Retro-Optik mit Raketen, Asteroiden und Blunts gut gelaunte Band steht auf hübschen Podesten, die an die Studioausstattung von "Raumpatrouille Orion" erinnern. Dazu passend tragen Sänger und Band wenig vorteilhafte Overalls in Raumanzug-Optik. "Wir sehen aus wie Elektriker", scherzt Blunt. "Oder Automechaniker! Können wir eure Autos reparieren? Nein, nein, ihr seid Deutsche und eure Autos sind perfekt."

Und dann ist da noch Blunts andere Mission: Er will wohl auch verdammt noch mal mehr sein, als nur der Typ mit den Jammer-Songs. Sein Image als weichgespülter Schmusesänger demontiert er seit Jahren systematisch auf seinem Twitter-Account @jamesblunt, wo er an ihn gerichtete Hass-Tweets mit kruden Witzen unter der Gürtellinie kontert und charmant-rabiaten Humor demonstriert. Auch Offline, auf der Bühne der Rothaus- Arena reißt Blunt böse Witze – meist über sich selbst – aber nicht nur. "Beim next Song nicht klapschen", bittet Blunt das Publikum in niedlichem Deutsch vor dem rhythmisch komplexen "I Really Want You". Schließlich seien Franzosen da, und die klatschen , als würden sie gerade Liebe machen – "Schneller, schneller, schneller – und dann ist’s vorbei!"

Doch vor allem wirft sich Blunt mit allem was Körper und Stimme hergeben, in die Aufgabe, auch die letzte Person in der gut gefüllten Rothaus-Arena davon zu überzeugen, dass es sich gelohnt hat, zu kommen – eben nicht nur wegen der Jammer-Songs. Und weil er das mit mehr als nur einem Hauch charmanter Selbstironie tut, kommt runde Pop-Unterhaltung dabei heraus. Blunt arbeitet sich an Gitarre, Piano und Ukulele ab, rast von einer Bühnenseite zur anderen, crowdsurft. Dass ihm vor lauter Aktion am Ende bei so mancher Textzeile die Stimme in ein charakteristisches hohes Röhren rutscht, überhört man gerade deswegen gern.

Zu den Höhepunkten des Abends zählt neben dem unglaublich ohrwurmigen "Bonfire Heart" auch Blunts aktuelle Single "When I Find Love Again" – einer zugleich temporeichen und wuchtigen Clap-Clap-Nummer – auch "These Are The Words" von Blunts eher schwachem dritten Album, das sich im Live-Arrangement zu einer süß-groovenden Disco-Dance-Nummer verwandelt. Und dass Blunt trotzdem auch noch Energie für seine #1-Jammer-Songs wie "You’re Beautiful" übrig hat – obwohl er dank Hochzeit vor sechs Wochen aktuell ausgesprochen glücklich sein dürfte, versteht sich von selbst. Immer im Blick: die Gesamtwirkung.

Vor "Same Mistake" bittet er das Publikum, die Taschenlampen-Funktion ihrer Smartphones anzumachen – und dann ist die Rothaus-Arena mit einem Sternenhimmel aus Telefonen gefüllt. Das Konzert endet mit dem famosen "1973", an dessen Ende Blunt auf dem Piano steht, verschwitzt und breit grinsend. Mission Mehr-als-nur-Jammern: gelungen.

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Foto-Galerie: Daniel Fleig

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