Jägermeister Rock-Liga im Jazzhaus: Wer rockte Freiburg am besten?

Alexander Ochs & Max Orlich

Drei Bands aus der Jägermeister Rock-Liga haben gestern Abend im Jazzhaus um den Tagessieg gespielt: Datarock (Foto), Hadouken und Does It Offend You, Yeah? Wie es ausgegangen ist, berichtet euch unser nicht eingebettetes Reporterteam (mit Fotogalerie).



Die Regeln

9 Bands spielen 5 Konzerte, das Ganze wird in 3 Gruppen ausgetragen, die heißen A, B und C. Am Ende ziehen drei ins Finale ein. Gespielt wird um den Jubel des Publikums: Sieger ist, wer den lautesten Applaus erntet. So (einfach) funktioniert die Jägermeister Rock-Liga. Eine Kombination aus freundschaftlichem Fußballturnier und Live-Rocken, wie der freundlich-freudlose Moderator Axel Bosse in Schnellsprech ausstößt.



Does It Offend You, Yeah?

Dass Bandnamen erfinden nicht immer so einfach ist, zeigt die britische Band mit dem grottenschlechten Namen Does It Offend You, Yeah? Der Name ist so irritierend, dass mancher Besucher vier Bands erwartet hatte, dem Komma sei Dank. Immerhin konnte die vierköpfige Formation aus Reading dafür schon einen Preis einheimsen: Sie haben 2007 den „Guardian Unlimited Award“ in der Kategorie „Worst Band Name“ gewonnen. Gratulation auch noch mal von uns!

Auch sie selbst vergeben einen Preis, und zwar einen Wanderpokal: Sie reichen die Cowbell ins Publikum mit der Bitte sie weiterzugeben. „Wenn jemand Lust hat, kann er auch gern auf der Bühne Cowbell spielen“, meint der Sänger mit seiner tief heruntergezogenen blauen Mütze. Doch die hat offensichtlich keiner.

Auf der Bühne liefern die Vier eine ordentliche, für die Rock-Liga aber eher zurückhaltende Show, auch wenn der Sänger erst mal derwisch-like übers Parkett fegt und sein Mikro oder Handtuch herumwirbelt. Breiter Elektrosound bratzt höchst tanzbar aus den Boxen. Wer vorne steht oder wie der eingebettete Fotograf im Graben herumflitzt, kann sich über einen Gratis-Nierenföhn freuen.

Stampfende Beats, pumpende Bässe, treibende Drums, flirrende Synthies, viele Bleeps und Blubber – im Flackerlicht der Stroboblitze.

Gelungener Alarm. Referenzen: Daft Punk, Justice, Depeche Mode, Bloc Party. Mit ihrer Clubhymne We Are Rockstars verlassen sie das Spielfeld. Zuvor hatten die Jungs mit dem Unnamen an zwei Abenden den Sieg eingefahren. Nur haben sie diesmal die undankbare Nummer 1 gezogen.



Hadouken!

Zweiter Act ist Hadouken! – statt kompliziertem Bandwurm mit Komma und Fragezeichen haben sie sich ein Ausrufezeichen hinten dran geklebt, das gab’s gerade billiger –, ebenso Indietronic und genauso britisch wie ihr wisst schon. Den Namen haben sie sich von einem Move aus einem Videospiel entliehen. Und das musikalische Konzept fast komplett von The Prodigy. Ist das New Rave aus Leeds? Oder Indie-Grime? Whatever, jedenfalls ist es gespickt voll mit Anklängen an Techno der frühen 90er-Jahre, viel Manchester Rave, ja so etwas wie Rockrave, das kommt einen Tacken rockiger, härter und aggressiver rüber als zuvor DIOYY.

Der agile James Smith singt wie die Chilli Peppers bei Give it away now. Prodigy reloaded mit einem Schuss Rap. Verschwitzte Leiber drängen sich gegen die Brüstung, Hände fliegen hoch – und wieder runter. Denn gewisse Ermüdungserscheinungen bringt auch diese breite Elektrobratze mit sich – auch wenn die fünf ein Mauskostüm über die Bühne steppen lassen oder einen Spritzenbeauftragten am Bühnenrand postiert haben, der ab und zu Wasser herausschießt. Einen Tagessieg hat die Fünfercombo in der laufenden Saison (Montag bis Freitag) bereits errungen. Und heute?



Datarock

In die Headliner-Rolle dürfen heute Abend die norwegischen Datarock schlüpfen. Um es vorwegzunehmen: die füllen sie verdammt gut aus. Auch sie kommen aus der Elektrofraktion, Unterabteilung: Elektro-Rock. Die ersten Synthietöne klingen wie „TNT“ durch den Dancemixer gedreht, und man spürt: Das Quartett aus dem Hohen Norden, das bisher noch keinen Sieg auf dem Haben-Konto verbuchen konnte, will es heute wissen. Die Vier sind in rote Trainingsanzüge gewandet, auf denen in weißen Lettern der Bandname prangt, und tragen aberwitzig große Sonnenbrillen, kurz vor dem Vermummungsverbot. Ja, sie sind auf Corporate Identity bedacht, denn schließlich sind sie ja alle Global Player auf dem Media Player.

Während bei den anderen Bands die Instrumente Gitarre oder Bass kaum hörbar waren und die Gitarren- oder Basssounds vom Synthesizer kamen, spielen Datarock tatsächlich auch ihre Instrumente und bringen funky Saxophoneinlagen. Mal klingt ihre Musik wie zu schnell gespielter Funk, mal wie gepitchter Jazz mit Dance Vibes. Die roten Teufel fegen über die Planken bis zum Abwinken, das sind richtige Rampensäue mit hervorragenden Live-Qualitäten. Zu dritt stehen sie auf den Monitorboxen und grölen, einer wälzt sich auf dem Boden, der Bassist stagedivet durchs halbe Kellergewölbe, sie spielen sich echt den Arsch ab, ja die Rosette wund.

Das Ergebnis

Die treibende (auch schweißtreibende) Performance und die größte Energieleistung an diesem Spieltag sichern Datarock den Tagessieg! Mit 116,1 Dezibel landen sie knapp vor DIOYY (115,7). Hadouken kommt auf 111,6 Dezibel auf dem Applausometer. Heute müssen die drei Bands noch mal in München ran. Bei Punktegleichstand wird gelost, hat mit der eingebettete Reporter verraten.

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Foto-Galerie: Max Orlich