Jäger des verlorenen Schatzes

Clemens Geißler

Alle guten Nachrichten vorneweg: Drei Punkte, kein Gegentor, Kontakt zur Spitzengruppe weiter gehalten. Und - was nach zuletzt mäßiger Bilanz schon fast überrascht: Durch den 1:0-Heimsieg über Aachen (Torschütze: Jonathan Jäger; Foto oben) ist der SC Freiburg seit fünf Spielen ohne Niederlage. Herrscht jetzt also heile Welt an der Dreisam oder findet wieder irgendein Nörgler ein Haar in der Suppe? Antworten von Clemens.



Bei den Fans herrscht nach dem Schlusspfiff überwiegend Zufriedenheit, jedenfalls bei denen, die zumeist mit alkoholischen Getränken bewaffnet in Kleingruppen über die matschigen Dreisamwiesen stapfen. Bedauert wird hier und da, dass Hoffenheim gewonnen hat. Aber immerhin hat Mainz zwei Zähler in Aue liegengelassen. Also flugs mit der Kippe im Mundwinkel an die Hecke gepinkelt und „Nie mehr Zweite Liga“ angestimmt.


Doch nicht alles, was der Sportclub in diesem Freitagsspiel zeigt, gibt Anlass zur Zuversicht. Sicher, man hat effektiv gespielt und auch die Einstellung hat bei allen Akteuren gestimmt. Aber ein souveränes und kontrolliertes Spiel sieht eben auch anders aus. Zu bemängeln ist vor allem, dass es kaum gelungen ist, kontinuierlich oder wenigstens phasenweise Druck aufzubauen. Die Bewegung in der Offensive ist nicht optimal, Resultat sind viele Fehlpässe und Unstimmigkeiten (wenn auch nicht mehr ganz so viele wie im vorangegangenen Heimspiel gegen den 1. FC Köln).

Eine alte Weisheit für solche Fälle lautet: Wenn‘s vorne nicht klappt, musst du halt hinten sicher stehen. Aber auch das ist nur manchmal der Fall. Eigentlich muss man wieder bis zum Schluss zittern, ehe der Dreier eingetütet ist. Zu oft wird nicht konsequent geklärt oder man lässt sich von schnell ausgeführten Standards überrumpeln. Ein Glück nur, dass bei Aachen aufgrund der Tabellensituation schon ziemlich die Luft raus ist. Mit etwas mehr Biss wäre die Defensive der Breisgauer wohl zu knacken gewesen.



Das zeigt sich schon zu Beginn, als Marius „Torflaute“ Ebbers aus aussichtsreicher Position über den Freiburger Kasten köpft. Kurz darauf trifft Klitzpera aus kurzer Distanz einen Eckball nicht voll. Es dauert eine Viertelstunde, bis auch die Platzherren ein erstes Ausrufzeichen setzen. Jäger spielt Matmour auf Rechts frei, dessen auf den zweiten Pfosten geschlagene Flanke Banovic allerdings nicht mehr voll erwischt und so am Aachener Gehäuse vorbeiköpft.

Symptomatisch ist, dass das Tor des Tages durch einen Abstauber nach einem Standard fällt, denn aus dem Spiel heraus kommt heute wenig Überraschendes von den Einheimischen, geschweige denn den Gästen. Überrascht wirkt eher Banovic, dass Dennis Aogo (siehe fudder-Interview) ihm den Ball zum Schießen querlegt. Mit verzögertem Anlauf gelingt ihm ein mäßig harter, wenig platzierter und halbhoher Schuss, der von der löchrigen Aachener Mauer noch leicht abgefälscht und von Keeper Thorsten Stuckmann wohl deshalb nicht festgehalten wird. Jonathan Jäger schaltet am schnellsten und staubt zum vielumjubelten 1-0 ab.

Wieder Jäger, wie schon gegen Köln. Der Elsässer wird sich sein Tor im Nachhinein durch seine immense Laufbereitschaft verdienen und bei seiner Auswechslung zu Recht mit stehenden Ovationen vom Publikum verabschiedet werden.

Ansonsten gefallen aus Freiburger Sicht Dennis Aogo, der seinen kreativen Freiraum recht gelungen ausschöpft sowie besonders Michael Langer. Der Torhüter kann mit einer sehr soliden Leistung heute seinen Patzer aus der Vorwoche vergessen machen und hat sich binnen kürzester Zeit zu einer festen Größe in der Dutt-Elf entwickelt.



Doch beinahe hätte Aachen – man ist geneigt zu sagen: aus Versehen – noch ein Tor geschossen. Kurz nach dem Seitenwechsel vergibt aber Brinkmann die klarste Chance der Gäste, auch weil Langer im Freiburger Kasten sich kompromisslos in den Schuss wirft.

Jetzt bricht der Aachener Kollege auf der Pressetribüne beinahe zusammen: „Das gibt’s nicht. Das ist unglaublich“ murmelt er immer wieder, während er sich die Haare rauft. Dass nach einer starken Stunde Ebbers einen schnell ausgeführten Freistoß aus günstiger Position vom Fuß springen lässt, gibt ihm dann wohl endgültig den Rest, denn bald darauf beginnt er, lustlos seinen Kram zu packen, um bereits vor dem Schlusspfiff das Stadion zu verlassen.

So verpasst er noch eine gelungene Kombination zwischen Akrout und Matmour, die ersterer jedoch mit einem eher in Richtung Eckfahne gehenden Rechtsschuss abschließt. Auch kurz vor Schluss macht sich das Stadion schon mal zum Jubeln bereit. Doch Matmour verspielt eine 3:2-Überzahlsituation und lässt sich von seinem ehemaligen Mitspieler Olajengbesi die Kugel vom Fuß grätschen. So bleibt es am Ende bei einem mühevollen, aber nicht unverdienten Heimsieg in einem allenfalls durchschnittlichen Zweitligaspiel. Doch bei aller Kritik muss auch gesagt sein: Mehr als das Spiel gewinnen konnte der Sportclub nicht. Besser mit mäßiger Leistung zu drei Punkten als mit Zauberfußball leer ausgehen.

Man befindet sich an der Dreisam derzeit eigentlich in einer ganz angenehmen Lage: Der Fokus im Aufstiegsrennen liegt momentan auf anderen Teams. Trotzdem befindet sich Freiburg in Lauerstellung und ist jederzeit in der Lage, ganz oben anzugreifen. Dafür braucht es langfristig aber eine Leistungssteigerung.