Ist es okay, eine Bar nach einem Drogenboss zu benennen?

Gina Kutkat

In der Wilhelmstraße hat vor einigen Wochen die Shisha-Bar "Escobar" eröffnet – benannt nach dem kolumbianischen Drogenhändler Pablo Escobar. Einige fudder-Leser sehen das kritisch, der Eigentümer freut sich über sein gut laufendes Geschäft.

In einem Artikel vom vergangenen Freitag hat fudder über die Neueröffnung der Shisha-Bar "Escobar" in der Wilhelmstraße berichtet. Wie der Besitzer Toprak Özcan im Text erklärt, schlug ihm ein Freund vor, die Bar nach Pablo Escobar zu benennen, über den auf Netflix eine Serie läuft. "Er hat mir den Namen gesagt und den habe ich dann direkt auf die Gewerbeanmeldung geschrieben", sagt Özcan.


Der Kolumbianer Pablo Escobar war von den 70er Jahren an bis zu seinem Tod 1993 einer der mächtigsten und brutalsten Drogenhändler der Welt. Der Mann an der Spitze des Medellín-Kartells kontrollierte zeitweise den weltweiten Handel mit Kokain und soll tausende Menschen getötet haben. 2015 verfilmte Netflix das durch Gewalt geprägte Leben des Drogenbarons in der spektakulären (und ziemlich glamourösen) Serie "Narcos". Im fudder-Artikel wurde der Name der Bar fehlerhafterweise nicht hinterfragt.

Nachdem der Text auf Facebook gepostet wurde, kritisierten fudder-Leserinnen und Leser schnell den Namen der Bar. fudder veröffentlicht die Facebook-Kommentare in gekürzter Form und anonymisiert. In voller Länge sind sie auf Facebook zu lesen.
"Escobar war eine der schlimmsten Verbrecher und Massenmörder in den 70er/80er Jahren in Kolumbien."

"Eine Bar nach einem Mörder zu benennen der über 4000 Menschen umgebracht hat, hunderte von Menschen entführt hat und zig tausend Familien zerstört hat, von denen viele bis heute noch mit Ihrem Trauma leben... finde ich einfach total daneben und sage DANKE netflix. Was kommt dann als nächstes? Eine Adolf Hitler Bar?"

"Dass im Artikel die Verbrechen von Pablo Escobar nicht erwähnt werden, ist ein Armutszeugnis für Fudder. Die Bar mag ja wirklich ganz nett sein, aber dass dort einem Massenmörder gehuldigt wird ist unterirdisch. Hat der Besitzer denn wenigstens auch die Bilder von Pablo Escobars Leiche aufgehängt? Die sind wahrscheinlich dann zu authentisch, denn auf denen sieht der Gangster auch absolut nicht mehr cool und mächtig aus, sondern eher wie sein eigenes Opfer :)"

"Was für ein Scheiß Patron für eine Bar, warum hat man nicht jemanden genommen, der noch mehr Leute auf dem Gewissen hat? Pol Pot(t) [!] zum Beispiel?"

"Welche waren die andere Optionen für die Name? Osama bin Laden Bistro? Adolf Hitler Cocktail Bar?"

Auch, als der Beitrag von unseren Kollegen bei der Badischen Zeitung geteilt wurde, folgten negative Kommentare.
Name hat den Zweck voll und ganz erfüllt, es wird drüber geredet. Marketing für lau.

Tut mir leid, aber das ist einfach respektlos. Würde der junge Mann einmal nach Kolumbien gehen und mit den Menschen dort (die keine Handlanger waren) über Escobar reden, würde er sich schämen. Hoffentlich zumindest

Schlechter Stil, oder doch nur Ignoranz?

Davon zeigt sich Escobar-Betreiber Özcan wenig beeindruckt. Um eine Stellungnahme gebeten, sagte er, er habe daran "kein Interesse". Die Tatsache, dass die Badische Zeitung mit Hinweis auf den Namensgeber den fudder-Artikel verlinkt hatte, kommentiert er als "Frechheit und Rufmord!"

Schaden würde der ganze Trubel seiner Bar nicht, sagt er: "Im Gegenteil es läuft fantastisch. Wozu der ganze Wirbel."




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