Ist er nur ein Pizzalieferant?

Adrian Hoffmann

Ihr seid nur ein Pizzalieferant, Pizzalieferant, Pizzalieferant. Ihr seid nur ein Pizzalieferant, Pizzalieferant - stopp! Sind Sie das wirklich, die Italiener? Die Deutschen hatten gestern viele Frustsongs. Ein weiterer: Nie wieder Pizzaaaa, wir essen nie wieder Pizzaaaa. Wir haben mit Matteo Lo Iacono gesprochen, 46 Jahre alt, wohnhaft in Waltershofen und von Beruf Pizzalieferant:



Sind Sie nur ein Pizzalieferant?

Matteo Lo Iacono (lacht): Ja, aber auch ein Mensch, oder?

Ja, was sagen Sie zu denn gemeinen Gesängen gegen die Italiener?

Matteo: Na, so ernst nehmen wir das doch auch wieder nicht. Damals, bei dem 4:1-Sieg der Italiener, hat die BILD-Zeitung eine Pizza 4 Gegentore erfunden. Ist doch witzig, so was.

Befürchten Sie jetzt ein schlechtes Geschäft? Die Deutschen sind stocksauer.

Matteo: Hm, um ehrlich zu sein: Wir hatten gestern geschlossen. Wir haben gefeiert, sind in die Stadt gefahren. Ich hatte gehofft, dass Sie mein erster Kunde sind.

Tja, Pech gehabt.

Matteo: Die Stammgäste sind auch noch nicht da. (lacht)

Echt? Aber der Hunger auf Pizza wird ja wieder kommen, oder?

Matteo: Ja. Die ganze WM über war es eher schlecht, ich hoffe auch, dass es jetzt wieder besser wird?

Vielleicht fahren Sie zuviel im Autokorso mit?

Matteo: Gestern sind wir eineinhalb Stunden gefahren. Ein deutscher Fan hat mich angespuckt, aber im Grunde ist mir das egal. Ich habe einfach weitergehupt und bin weitergefahren.

Da sind Sie aber tolerant gewesen.

Matteo: Ach, wer das Spiel auf der Leinwand geschaut hat, und dann noch viel Bier getrunken hat, der ist halt sauer. Ich find’ das jetzt nicht so schlimm.

Warum sind Sie denn eigentlich nicht für Deutschland gewesen?

Matteo: Ich bin immer zuerst für mein Land, und wenn die rausgeflogen sind, dann bin ich für das Land, in dem ich lebe. Logisch, oder? Meine Frau, die Deutsche ist, war natürlich sofort für die Italiener, als sie das Führungstor geschossen haben. Typisch.