"Isle of Innisfree": Ex-Wirt Tom Bagge über die Zeit danach

Simone Lutz

Am Ende flossen Tränen: Tom Bagge war 23 Jahre lang Wirt des Irish Pubs "Isle of Innisfree" in Freiburg, stieg vor kurzem aus – und bereut nichts. Mit uns blickt er zurück.

Frisch sieht er aus und gut gelaunt. Mitte des Jahres ist Tom Bagge ausgestiegen, hat nach 23 Jahren als Wirt des "Isle of Innisfree" in der Einkaufspassage Atrium am Augustinerplatz aufgehört. Jetzt, am Ende des Jahres, sitzt er entspannt in einem Café und sagt: "Es war gar nicht so schwer, wie ich dachte."


Für Tom Bagge geht ein emotional anstrengendes Jahr zu Ende. Seinen Irish Pub im Gewölbekeller des Atrium hat er geliebt. Als klar war, dass die Einkaufspassage komplett umgebaut wird, hat er mit Investor Unmüssig verhandelt – fair, wie Bagge betont. Man habe über verschiedene Lösungen nachgedacht, schlussendlich musste der Wirt einsehen, dass er keine vergleichbaren Räume finden würde und die Baustellenzeit finanziell nicht überbrücken könnte. Dazu kam, dass seine Frau einen Vollzeitjob angeboten bekam und Bagge sich um die vier gemeinsamen Kinder kümmern wollte: "20 Jahre lang hat sie mir den Rücken freigehalten, jetzt ist sie dran." Also: Schluss. Aus.

Herzens- und Lebensprojekt

"Wie soll ich das überleben?" hatte Tom Bagge gedacht. Der Irish Pub war sein Herzens- und Lebensprojekt. Nach Freiburg war er der Liebe wegen gekommen, mangels Alternativen eröffnete er den Pub – ohne Deutsch zu können. Die ersten sieben Jahre im Geschäft waren hart, der Dispokredit meist am Limit. "Sowas möchte ich nicht mehr erleben", sagt der 48-Jährige. Doch irgendwann hatte sich herumgesprochen, dass im Gewölbekeller ein Wirt mit Herz und guter Laune am Werk war und der Laden kam ins Laufen. Die Kneipe war samstags rammelvoll, oft spielten Bands, die Gäste hatten Spaß. An manchen Abenden setzte sich das Personal nach Feierabend noch zusammen und aß selbstgebackenen Kuchen. Seit 14 Jahren veranstaltete Bagge ein Pub-Quiz, jede Woche 40 Fragen.

Am Sonntag, 26. Juli 2015, öffnete der Pub ein letztes Mal. "Ich wollte keinen traurigen Abend", sagt Tom Bagge. Es spielte die Innisfree-Stammband "Simon & Simon", die extra ein Abschiedslied sang, dazu tobte die Hütte, am Ende flossen Tränen. Und dann war’s vorbei.

Freundschaftspflege via Facebook

Und irgendwie auch nicht. Für Tom Bagge fühlt sich der Abschied von seinem Pub neben aller Wehmut an wie eine Befreiung: "Erst als ich aufgehört habe, habe ich gemerkt, wie viel Stress ich all die Jahre hatte." Wirt zu sein, das sei eine Berufung, meint er, aber es sei sehr schwierig, Arbeits- und Familienleben unter einen Hut zu kriegen.

Jetzt macht er jeden Vormittag einen langen Spaziergang. Die vielen Freundschaften, die er vor und hinter der Theke geschlossen hat, pflegt er auf Facebook. Er denkt über einen Internet-Reiseführer nach. Er kümmert sich um seine Familie. Das Pub-Quiz macht er weiter, in der "Bar Tasia". "An meinem neuen Leben gibt es nichts, was ich nicht gut finde." Privat in einer Kneipe war er seit dem Ende seines Pubs genau ein Mal.

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[Fotos: Thomas Kunz]