Leute und Listen

Irene Vogel von den Unabhängigen Frauen: "Mit mehr Frauen ist es leichter"

Sina Schuler

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Irene Vogel, Spitzenkandidatin der Liste Unabhängige Frauen.

BZ: Frau Vogel, 20 Jahre sind Sie schon im Gemeinderat. Seither ist es das Anliegen Ihrer Liste, mehr Frauen ins Gremium zu bringen. Ist dies bereits gelungen?

Vogel: Derzeit sind wir nur 17 Gemeinderätinnen in diesem 48-köpfigen Gremium. Das entspricht längst nicht unserem Anteil von 52 Prozent an der Bevölkerung – für uns ein guter Grund weiterhin als Frauenliste anzutreten.

"Alle Entscheidungsprozesse haben geschlechterpolitische Wirkungen. Darauf konsequent zu achten und faire Lösungen für alle durchzusetzen, ist mit mehr Frauen im Gemeinderat leichter."

BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Vogel: Für geschlechtergerechte Politik. Alle Entscheidungsprozesse haben geschlechterpolitische Wirkungen. Darauf konsequent zu achten und faire Lösungen für alle durchzusetzen, ist mit mehr Frauen im Gemeinderat leichter.
Zur Person

Irene Vogel, 62, ist Fraktionsgeschäftsführerin der Unabhängigen Listen und engagiert sich unter anderem im Jugendbildungswerk und Nachbarschaftswerk.

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Vogel: Schnellstens 10 000 neue sozial geförderte Mietwohnungen, in jedem Stadtteil eine Ganztags-Grundschule, mehr wohnortnahe Kita-Plätze und ein 365-Euro-Jahresticket für den ÖPNV.

BZ: Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Vogel: Weiter wachsen ja, um unfreiwillige Landflucht und zunehmende Pendlerverkehre zu stoppen. Die Stadt der kurzen Wege ist sozial, ökologisch und ökonomisch sinnvoll.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Vogel: Wenn wir bei null Prozent Zins keine Schulden machen würden, um die vielen Schulen zu sanieren oder den ÖPNV auszubauen, wären wir dumm.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Vogel: Wenn auf dem Dreisam-Boulevard ohne Autoverkehr einen Sommermonat lang für Jung und Alt bereits 2020 das pralle Leben stattfinden könnte. Das wäre ein echter Vorgeschmack auf eine autofreie Zukunft und wirklich grandios.

"Das A und O ist Transparenz seitens der Verwaltung und guter Wille bei der gemeinsamen Suche nach tragfähigen Kompromissen."

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst …
Vogel: ... ärgerlich. Aufgrund mangelnder Befugnisse ist er keine Alternative zur Polizei. Arg ist, dass er deshalb besonders obdachlose Menschen und Straßenmusiker traktiert und noch dazu die Stadt viel Geld kostet.

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Vogel: Das A und O ist Transparenz seitens der Verwaltung und guter Wille bei der gemeinsamen Suche nach tragfähigen Kompromissen.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Vogel: Im bewährten Team mit der Linken Liste und der Kulturliste, auch mit JF, GAF und UF wäre es nicht ganz abwegig.

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war Top, welcher war der größte Flop?
Vogel: Die europaweite Ausschreibung der Quartiersarbeit ist so was von absurd und neben jeglicher Realität in den Stadtteilen. Das Frauentaxi jede Nacht für sieben Euro ist super.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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